Lieferkettengesetz: Deutsche Firmen haben Wissenslücken

Laut einer Umfrage von Coupa wissen viele deutsche Unternehmen nicht, ob ihre direkten Zulieferer die geforderten ESG-Vorgaben einhalten.

Das deutsche Lieferkettengesetz soll für mehr soziale Gerechtigkeit entlang von Lieferketten sorgen. (Foto: Freshidea / AdobeStock)
Das deutsche Lieferkettengesetz soll für mehr soziale Gerechtigkeit entlang von Lieferketten sorgen. (Foto: Freshidea / AdobeStock)
Therese Meitinger

Das deutsche Lieferkettengesetz tritt ab 2023 sukzessive in Kraft: 70 Prozent der deutschen Unternehmen glauben zwar, die Vorschriften einhalten zu können, gleichzeitig können 60 Prozent nicht beurteilen, ob ihre direkten Lieferanten Standards in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental Social Governance, ESG) einhalten. Das aber ist eine Grundvoraussetzung, um das neue Gesetz zu erfüllen. So lauten einer Pressemitteilung vom 6. April zufolge Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 800 Supply Chain Managern in Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Sie wurde im Februar 2022 von Sapio Research im Auftrag des US-Plattformanbieters Coupa in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Australien und Singapur durchgeführt. In Deutschland wurden 100 Manager befragt.

„Weltweit hat sich in den Vorstandsetagen ein starker Wandel vollzogen, wenn es darum geht, einige der größten Probleme unserer Zeit anzugehen”, so Frank Cappel, RVP, EMEA, Value Solutions Consulting bei Coupa. „Dennoch wissen viele Unternehmen schlichtweg nicht, mit wem sie Geschäfte machen. Unternehmen müssen in der Lage sein, viel mehr zu hinterfragen als nur die Lieferfähigkeit ihrer Lieferanten.”

Alle befragten deutschen Teilnehmer sind sich der Umfrage zufolge einig, dass transparente Lieferketten eine entscheidende Rolle in der Verbesserung ihres ökologischen und sozialen Fußabdrucks spielen. Viele Unternehmen in Deutschland investierten aktiv und häufiger als Unternehmen aus anderen Ländern, um ihre ESG-Ziele zu erreichen und das Lieferkettengesetz einzuhalten, heißt es vonseiten Coupa. Dies betrifft beispielsweise die Verbesserung und Erweiterung ihrer Legal- und Compliance-Kapazitäten – hier investieren 73 Prozent der deutschen Unternehmen im Vergleich zu global 62 Prozent. Geld fließt auch in den Kauf beziehungsweise die Entwicklung neuer Technologien (bei 72 Prozent der deutschen Unternehmen im Vergleich zu global 64 Prozent) oder das Sammeln von Daten über die ESG-Standards der Lieferanten (70 Prozent deutsche Unternehmen zu global 61 Prozent).

„Die Umfrage zeigt, dass das Lieferkettengesetz bereits Wirkung zeigt – obwohl es erst ab nächstem Jahr gilt. So sagen 58 Prozent der Unternehmen hierzulande, dass sie bereits über ein wirksames Lieferketten-Risiko-Management gegen aufkommende Gesetze verfügen, während es global nur 43 Prozent sind“, ergänzt Cappel.

Deutsche Unternehmen sind laut der Umfrage zu 97 Prozent davon überzeugt, dass eine stärkere branchenweite Zusammenarbeit und der Austausch wichtiger Daten über die ESG-Standards von Lieferanten erforderlich sind. Stünden wichtige ESG-Daten offen und sofort für alle potenziellen Käufer zur Verfügung, dann würde dies 79 Prozent aller deutschen Unternehmen helfen, das Lieferkettengesetz einzuhalten. 

Der fehlende Austausch von Daten über die ESG-Belange der Lieferanten war in der Umfrage mit 50 Prozent ein wichtiger Faktor, der deutsche Unternehmen daran hindert, ihre Lieferanten genau zu bewerten. Weitere Hindernisse sind der Einsatz von Technologie, die nicht für die Einhaltung von ESG-Standards ausgelegt ist (56 Prozent), und die inkonsequente unternehmensweite Einhaltung (51 Prozent), zum Beispiel wenn das Marketing einen Lieferanten wählt, der nicht zugelassen ist.

Printer Friendly, PDF & Email