Lieferketten für Obst und Gemüse: Beschwerdemanagement-Plattform Appellando wird pilotiert

Die Beschwerdemanagement-Plattform Appellando soll vor dem Hintergrund der Lieferkettengesetzgebung zum Schutz von Mensch und Umwelt beitragen.

 Beschwerdemanagement-System: EHI gründet Appellando GmbH. (Foto: ArtemSam/stock.adobe.com)
Beschwerdemanagement-System: EHI gründet Appellando GmbH. (Foto: ArtemSam/stock.adobe.com)
Matthias Pieringer

Mitarbeiter in Anbau- und Produktionsbetrieben können künftig mit dem Beschwerdemanagement „Appellando“ in einem neutralen System auf Missstände bei Sozial- und Umweltstandards in ihren Betrieben hinweisen. Zusammen mit führenden Handelsunternehmen werde die Plattform in deren Lieferketten für Obst und Gemüse pilotiert, teilte das EHI kürzlich in Köln mit. Am 21. März wurde das Projekt Appellando in eine rechtskräftige Gesellschaft überführt. Die Geschäftsführung verantwortet Dr. Kristian Möller.

Aufgabe der 100-prozentigen EHI-Tochter sei ein besserer Schutz der Menschenrechte und der Umwelt. In einem Multi-Stakeholder-Rahmen harmonisiere Appellando dazu weltweit Beschwerdemechanismen und organisiere die Umsetzung von Lösungen mit Partnern, um Menschenrechte und Umweltschutz in Lieferketten besser zu realisieren. Alle Arbeitnehmer und Rechteinhaber sollen über vertrauenswürdige Kanäle Zugang zu Hilfe finden können. „Wir brauchen eine gemeinsame Aktion und einheitliche Standards, weil es zu aufwändig für die Handelsunternehmen ist, wenn nicht unmöglich, mit den vielen unterschiedlichen Formaten umzugehen,“ sagte Kristian Möller.

Pilotierung in Spanien

Die Plattform Appellando verfolgt den Angaben zufolge einen kollaborativen Ansatz zur Harmonisierung von Standards zur Förderung effektiver sozialer Dialoge auf betrieblicher Ebene, für technische Interoperabilität, effiziente Überwachung, neutrale Untersuchungen und konzertierte, nachhaltige Sanierungsbemühungen und Abhilfemaßnahmen, die in lokalen und globalen Lieferketten, über Unternehmen, Waren, Branchen, Sektoren und Regionen hinweg anwendbar sind. Innerhalb des ersten Jahres haben sich bereits mehr als 35 Unternehmen und Organisationen aus allen Interessengruppen als Partner oder Unterstützer der Allianz angeschlossen. Gemeinsam wurden die Eckpunkte des Regelwerkes entwickelt, das jetzt ab April 2024 in Spanien pilotiert werden soll. 

Das deutsche Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die noch zur Abstimmung im EU-Parlament anstehende CSDDD-Richtlinie verpflichten Unternehmen ab einer bestimmten Größe dazu, Beschwerdemechanismen einzurichten und Zugang zu Rechtsbehelfsverfahren zu geben. Um eine erfolgreiche und wirksame Umsetzung dieser Mechanismen zu gewährleisten, empfiehlt und begrüßt der Gesetzgeber laut dem EHI, dessen 100-Prozent-Tochter Appellando ist, ausdrücklich den Einsatz branchenweiter Lösungen statt unternehmensindividueller Lösungen.