Lieferdrohnen: Wingcopter nimmt in Japan an Musterzulassungsverfahren teil

Wingcopter und sein Geschäftspartner Itochu haben es in Japan erreicht, dass die Lieferdrohne ein Musterzulassungsverfahren für unbemannte Luftfahrzeuge der Klasse 1 durchläuft. Japan gilt als potenziell großer Markt für Lieferdrohnen.

 

Wingcopter hat für seine Drohne 198 zusammen mit dem Partner Itochu ein Musterzulassungsverfahren in Japan beantragt. (Bild: Wingcopter)
Wingcopter hat für seine Drohne 198 zusammen mit dem Partner Itochu ein Musterzulassungsverfahren in Japan beantragt. (Bild: Wingcopter)
Gunnar Knüpffer
(erschienen bei Transport von Daniela Sawary-Kohnen)

Der Lieferdrohnenhersteller hat zusammen mit dem Geschäftspartner Itochu Corporation die Musterzulassung für seine Lieferdrohne Wingcopter 198 in Japan beantragt und ist vor Kurzem zum Verfahren zugelassen worden. Es sei das erste Mal, dass eine Drohne eines ausländischen Unternehmens und das erste Mal, dass eine Starrflüglerdrohne für das Musterzulassungsverfahren für unbemannte Luftfahrzeuge der Klasse 1 vom Japan Civil Aviation Bureau (JCAB) des Ministeriums für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus zugelassen worden sei, hieß es am 9. April von den beiden Unternehmen.

Die Musterzulassung bezeichnet die offizielle Zulassung eines Flugzeugmusters/-typen zum Luftverkehr. Sie erfolgt durch die Luftfahrtbehörde des Staates, in dem das Luftfahrzeug später registriert wird. Im Rahmen der Zulassung wird überprüft, ob die zugrundeliegenden Vorschriften durch die Wingcopter 198 Modellreihe erfüllt wurden. Florian-Michael Adolf, Head of Certification bei Wingcopter:

„Dieser Meilenstein ist ein bedeutender Fortschritt auf dem Weg zur Realisierung kommerzieller Drohnenlieferungen in Japan und darüber hinaus. Bei Wingcopter streben wir die Musterzulassung an, da sie unser absolutes Sicherheitsbekenntnis in Bezug auf unser Produkt sowie die Gewissenhaftigkeit und Professionalität unseres gesamten Teams unterstreicht. Wir möchten unseren Partnern bei Itochu dafür danken, dass sie uns bei diesem Prozess mit ihrem umfangreichen Wissen, ihrem Netzwerk und ihren Ressourcen unterstützen.“

Flüge in entlegene Regionen Japans

Bei erfolgreicher Zulassung erhalte Wingcopter dann die Erlaubnis, in Japan Flüge der Stufe 4 durchzuführen. Stufe 4 bezieht sich auf Flüge außerhalb der Sichtweite eines Piloten (BVLOS) in bewohnten Gebieten, was den Anwendungsbereich für Lieferdrohnen erheblich erweitert.

Damit wären Wingcopter und sein Partner unter den ersten Unternehmen, die in Japan einen kommerziellen BVLOS-Betrieb aufnehmen könnten. Mit seiner alternden Bevölkerung und abgelegenen Landschaften, darunter viele bewohnte Inseln, gilt das Land als einer der weltweit größten Märkte für Drohnenlieferungen in der Zukunft.

Beide Unternehmen wollen mit dem Wingcopter 198 Drohnen-Liefernetze und -dienste aufbauen, die als Luftbrücke zur Bewältigung verschiedener sozialer Herausforderungen dienen können, indem sie lebenswichtige und dringend benötigte Güter schnell und umweltfreundlich über viele Kilometer und über herausforderndes Gelände transportieren. Masaharu Sato, Deputy General Manager, Aerospace Department bei der Itochu Corporation:

„Wir sehen in der Lieferdrohne von Wingcopter ein großes Potenzial, das Leben der Menschen zu verbessern, und freuen uns über die vielversprechenden Fortschritte bei der Verwirklichung dieses Ziels. Es ist uns eine Ehre, mit den Fachleuten von Wingcopter zusammenzuarbeiten, allen voran mit dem Management-Team um Tom, Jonathan und Ansgar. Wir freuen uns darauf, diese spannende Reise gemeinsam fortzusetzen.“

Itochu will nach eigenen Angaben bis zur erwarteten Musterzulassung mehrere Machbarkeitsnachweise mithilfe von Sondergenehmigungen vornehmen. Im Mai 2023 haben beide Unternehmen bereits erfolgreich ein Verifizierungsexperiment für den Transport medizinischer Blutprodukte mit Wingcopters Lieferdrohnen durchgeführt, das erste seiner Art in Japan.

Neben der Musterzulassung in Japan durchläuft Wingcopter derzeit auch das FAA-Musterzulassungsverfahren in den USA, das es ermöglichen soll, auch das kommerzielle Potenzial des nordamerikanischen Marktes zu erschließen.