Letzte Meile: Quick Commerce treibt Trend zum Micro-Hub

Die innerstädtischen Zwischenlager können einer Studie des EHI zufolge Lieferungen beschleunigen und Transportkosten sparen.

Um den wachsenden Quick Commerce in urbanen Räumen zu stemmen, könnten einer Erhebung des EHI zufolge Micro-Hubs hilfreich sein. (Symbolbild: Ocean Prod/AdobeStock)
Um den wachsenden Quick Commerce in urbanen Räumen zu stemmen, könnten einer Erhebung des EHI zufolge Micro-Hubs hilfreich sein. (Symbolbild: Ocean Prod/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Der neue Trend Quick Commerce, mit dem die Auslieferung von Onlinebestellungen innerhalb einer Stunde gemeint ist, wird immer häufiger angeboten. Retailer setzen dabei vermehrt auf Micro-Hubs als Schnittstelle zur letzten Meile. Für fast zwei Drittel der Händler ist das Konzept besonders für Lebensmittel geeignet, so ein Ergebnis der von Interroll beauftragten EHI-Erhebung „Quick Commerce: Micro-Hubs als Game Changer bei der letzten Meile?“, die am 29. März veröffentlicht wurde. Micro-Hubs können demnach das große Sendungsaufkommen beim Onlinehandel bündeln, sodass durch ein intelligentes Tourenmanagement Transportkosten eingespart und Verkehrswege weniger frequentiert werden.

„Bei der letzten Meile, also zwischen Verteilzentrum und Empfänger, schaffen Micro-Hubs neue Möglichkeiten, Lieferungen schneller und nachhaltiger zu bewerkstelligen. Mit unseren platzsparenden und energieeffizienten Lösungen für den Materialfluss tragen wir maßgeblich dazu bei, die Produktivität der Micro-Hubs zu steigern“, sagt Ingo Steinkrüger, Chief Executive Officer der Interroll Gruppe.

Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung beim EHI, ergänzt:

„Micro-Hubs dienen vorrangig als Umschlaglager für Lebensmittel und Convenience-Produkte. Künftig könnten sie eine Schlüsselrolle in neuen Mobilitäts- und Logistikkonzepten spielen.“

62 Prozent der Händler sind dem EHI zufolge der Meinung, dass Lebensmittel für den Quick Commerce prädestiniert sind. Auch Gastronomieangebote (55 Prozent) sowie Healthcare- und Wellness-Produkte (52 Prozent) sind nach ihrer Einschätzung geeignet.

Lieferstandard für Frischeprodukte

Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung von Quick Commerce prognostizieren 34 Prozent der befragten Händler, dass sich dieses Konzept in bestimmten Sortimentsbereichen wie etwa bei Frischeprodukten zum Lieferstandard entwickeln werde. 58 Prozent glauben auch an eine zukünftige Erwartungshaltung der Kundschaft in Bezug auf sehr schnelle Lieferungen. 96 Prozent der Händler nehmen an, dass Quick Commerce auf dicht besiedelte Metropolregionen beschränkt bleiben wird.

52 Prozent der Händler haben Quick-Commerce-Konzepte bislang nicht vorgesehen. 17 Prozent befinden sich zurzeit in einer Testphase, 14 Prozent sind in der Planung. Als wichtigste Herausforderungen des Quick Commerce definieren die Händler die kundennahe Warenverfügbarkeit (93 Prozent), die Wirtschaftlichkeit der Kundenbelieferungen (79 Prozent) und die Verfügbarkeit des Auslieferungspersonals (45 Prozent).

Warendurchsatz muss stimmen

Im Hinblick auf die Frage der Automatisierung von Micro-Hubs zeigen sich die Händler laut der Studie optimistisch – solange der Warendurchsatz stimmt. Für 73 Prozent sind automatische Micro-Hubs sinnvoll, wenn ein bestimmter Warendurchsatz erreicht wird. Zehn Prozent halten Micro-Hubs grundsätzlich für zu klein für eine Automatisierung, heißt es vonseiten des EHI.

Für das Whitepaper hat das EHI hat im Auftrag von Interroll zwischen Januar und Februar 2022 eine Online-Umfrage durchgeführt, an der insgesamt 74 Unternehmen teilgenommen haben, darunter 29 Vertreter aus dem Handel. Bei der Auswertung der Ergebnisse wurde nach Handel und sonstigen Branchen differenziert.

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