Lebensmittellogistik: Nestlé reduziert Transportstrecken dank Zentrallager um 30 Prozent

Im neuen Zentrallager von Nestlé in Mecklar bei Bad Hersfeld, das von Pfenning Logistics betrieben wird, kommen Automated Guided Vehicles im vollautomatischen im Schmalganglager sowie Drohnen für das automatische Bestandsmanagement zum Einsatz.

Im neuen Zentrallager von Nestlé in Mecklar werden Flurförderzeuge genutzt, die bis zu einer Hallenhöhe von 14,20 Meter lagern können. (Bild: Gunnar Knüpffer)
Im neuen Zentrallager von Nestlé in Mecklar werden Flurförderzeuge genutzt, die bis zu einer Hallenhöhe von 14,20 Meter lagern können. (Bild: Gunnar Knüpffer)
Gunnar Knüpffer

Die Nachhaltigkeitsambitionen von Nestlé spiegeln sich laut Unternehmen auch im neuen Distributionszentrum „multicube osthessen“ in Mecklar bei Bad Hersfeld wider. Von der Bauphase bis zum Betrieb, in allen Bereichen hätten Nestlé Deutschland und sein Logistikpartner Pfenning Logistics Wert auf die Nachhaltigkeit des Gebäudes gelegt, teilten die Unternehmen LOGISTIK HEUTE bei einem Rundgang vor Ort mit. Schließlich will Nestlé bis 2050 die grüne Null erreichen – rund 3,5 Millionen Tonnen CO2e sollen dazu weltweit allein im Bereich Transport und Logistik eingespart werden.

Dabei wurde der Standort des multicube osthessen mit Bedacht gewählt. Die zentrale Lage bietet im Vergleich zum bisherigen Standort in Berlin bessere Transportverbindungen zu Handels- und Endkunden, welche Nestlé mit Produkten aus den Sortimenten Kaffee, Schokolade, Cerealien und Nestlé Professional beliefert. Dadurch reduzieren sich die Transportkilometer laut Unternehmen um 30 Prozent, was wiederum den CO2-Fußabdruck verringert.

Durch Automated Guided Vehicles (AGVs) werden die rund 640.000 Paletten, die das Distributionszentrum jährlich verlassen, vollautomatisch im Schmalganglager (VNA) von A nach B befördert. Für das automatische Bestandsmanagement kommen moderne Drohnen (Multicopter) zum Einsatz, die die Warencodes in den über 14 Meter hohen Regalen scannen und die Daten ins digitale Lagersystem übermitteln.

Zudem kann Nestlé Deutschland im Food-Segment hier zum ersten Mal komplett den neuen europäischen Palettenstandard EUL1 anbieten, um eine effizientere Auslastung der Fahrzeuge zu erreichen. Die Paletten können durch ihre Höhe von 1,20 Metern in 2,60 Meter hohen Lkw gestapelt werden, wodurch der Platz besser genutzt wird. Nestlé arbeitet gemeinsam mit ihren Handelspartnern daran, dass der europäische Palettenstandard in Deutschland von Industrie und Handel flächendeckend umgesetzt wird.

„Wir sind stolz darauf, dass nach der ersten Testphase und einem schrittweisen Umzug nun alles nahezu reibungslos läuft und sich die Prozesse sehr gut eingespielt haben. Mit dem „multicube osthessen“ setzen wir neue Maßstäbe und gehen einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung“, sagte Matthias Fleischer, Director Supply Chain IS/ IT bei Nestlé Deutschland.

Beim Bau wurde laut Nestlé beispielsweise auf den Einsatz ressourcenschonender Materialien sowie den geringen Eingriff in Flora und Fauna vor Ort geachtet. Zur Heizung der Büroflächen sowie zur Heizung und Kühlung der Hallenflächen werden 32 moderne Luft-Luft-Wärmepumpen verwendet, welche sich künftig über einen Strom-Mix aus nachhaltigen Stromquellen speisen und somit die Unabhängigkeit von Gas sichern. Eine Aufdach-Fotovoltaikanlage mit knapp 24.000 Solarmodulen auf etwa 50.000 Quadratmetern Fläche soll künftig für die Produktion von grünem Strom sorgen und rund 5.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Rana Matthias Nag, Geschäftsführer der Pfenning-Gruppe: „Unser „multicube“-Konzept folgt stets strengen Nachhaltigkeitskriterien. Hier in Mecklar sind wir noch einen Schritt weitergegangen und haben vor dem Hintergrund der Gaskrise in 2022 den Betrieb von diesem fossilen Energieträger unabhängig gemacht. Das macht die gesamte Anlage CO2-neutral, sodass wir die Bewerbung um das Platin-Zertifikat der DGNB bereits eingereicht haben.“

Durch die Eröffnung des Logistikzentrums Mitte 2023 wurden rund 190 Arbeitsplätze in der Region rund um Mecklar geschaffen. 60 Arbeitsplätze davon sind allein im Co-Packing-Bereich entstanden. Der neue Standort bietet den Mitarbeitern Lademöglichkeiten für E-Bikes und E-Fahrzeuge sowie eine Grill- und Freizeitfläche in der Außenanlage. Um die lokale Artenvielfalt zu fördern, wurden auf dem Gelände darüber hinaus Nistplätze für Turmfalken und Singvögel sowie ein Insektenhotel und Totholzflächen errichtet und Obstbaumflächen angelegt. Insektenfreundliche LED-Beleuchtung mit Regulierung über Bewegungsmelder, Wasserschutz und ein Teich für die ansässigen Biber gehören ebenfalls zur nachhaltigen Gestaltung des Außenbereichs. Für Lkw-Fahrer gibt es Sanitäreinrichtungen sowie WC-Anlagen, die sich in jedem Hallenabschnitt befinden.