Lebensmittellogistik: Drohnen fliegen Waren vom Wochenmarkt ins Dorf

(dpa/bb) Der Dorfladen auf dem Land ist weg, auch einen Kiosk gibt es oft nicht. Können Drohnen eine Alternative sein? Einige Haushalte im Nordwesten Brandenburgs wollen dies testen.

(Archivbild) Hessen, Michelstadt: Eine Drohne des Projekts DroLEx (Drohnen-Lastenrad-Express-Belieferung) steht auf dem Startplatz (Südhessen). Das Projekt des Unternehmens Wingcopter und der Frankfurt University of Applied Sciences soll dazu dienen, Anwohner abgelegener Ortschaften mit Lebensmitteleinkäufen auf dem Luftweg zu beliefern. (Foto: Uwe Anspach/dpa)
(Archivbild) Hessen, Michelstadt: Eine Drohne des Projekts DroLEx (Drohnen-Lastenrad-Express-Belieferung) steht auf dem Startplatz (Südhessen). Das Projekt des Unternehmens Wingcopter und der Frankfurt University of Applied Sciences soll dazu dienen, Anwohner abgelegener Ortschaften mit Lebensmitteleinkäufen auf dem Luftweg zu beliefern. (Foto: Uwe Anspach/dpa)
Matthias Pieringer

Kein Dorfladen mehr, auch kein „Späti“ an der Ecke? Auf dem Land im Nordwesten Brandenburgs kommen jetzt Lieferdrohnen zum Einsatz, um Anwohner in abgelegenen Dörfern mit Lebensmitteln zu versorgen. In der Gemeinde Wusterhausen/Dosse im Kreis Ostprignitz-Ruppin begann am Freitag ein vom Bund geförderter Test: Gemüse, Obst, Kuchen und Brot beispielsweise kommen dann per Fluggerät.

Am Flugplatz Welzow in Südbrandenburg stieg bei einem anderen Projekt außerdem eine erste Drohne auf, die Zeitungen zustellte. Immer wieder erproben verschiedene Anbieter den Einsatz von unbemannten Fluggeräten, um auf dem Land Haushalte aus der Luft zu versorgen. Im vergangenen Jahr wurde ein Pilotprojekt im südhessischen Odenwald zur Lebensmittellieferung gestartet, in Kombination mit einem Lastenrad.

Unklar bleibt trotz etlicher Experimente und Forschungsprojekte, wann sich die Drohnen auch im Alltag vieler Menschen durchsetzen könnten.

„Marktschwalbe“ mit Bestellungen vom Wochenmarkt unterwegs

Bei dem Experiment in Wusterhausen bringen Drohnen Waren von Händlern auf dem Wochenmarkt in drei Ortsteile, die bis zu zwölf Kilometer entfernt sind, wie der Projektkoordinator, das Berliner Unternehmen Luftlabor, mitteilte. Am Freitag hob das Luftfahrzeug zu Demonstrationszwecken mit einem Laib Brot ab. Mindestens ein Dutzend Haushalte sollen die „Marktschwalbe“ künftig kostenlos testen können. Vier Drohnen stünden dafür bereit, die auch bei leichtem Wind und leichtem Regen starten könnten, sagte Geschäftsführer Robin Kellermann. Bestellt wird online und per Telefon.

Allzu schwer darf der Einkauf nicht sein: Die Fluggeräte können in einer Box jeweils bis zu drei Kilo Gewicht transportieren. Die georderten Lebensmittel vom Wochenmarkt werden dabei nicht direkt vor die Haustür gebracht. Die Testkunden in den kleinen Dörfern müssen die Waren an festen Punkten abholen, wo auch die Drohne landet.

Drohnen mit 5G-Netzanbindung sollen in der Lausitz Post bringen Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) begleitete am Freitag am Flugplatz Welzow (Spree-Neiße-Kreis) zudem den ersten Drohnenflug mit Papierpost - in dem Fall Zeitungen. „Die Innovation kann perspektivisch für die Menschen auf dem Land ein großer Gewinn sein“, schrieb Steinbach bei der Plattform X. Zustellfahrzeuge sind mit den automatisch fliegenden Geräten ausgestattet. Diese übernehmen dann mittels einer 5G-Netzanbindung eine letzte Wegstrecke bis zum Empfänger. Ein Ziel: Zeitaufwendige Touren bis in entlegene Dörfer sollen vermieden werden. Das Projekt ist Teil der 5G-Strategie des Landes - also für schnellen Datenverkehr und eine bessere Mobilfunkübertragung.

Der Lebensmittelhandel zeigt sich offen für neue Lösungen, wie der Bereichsleiter für Standort- und Verkehrspolitik, Michael Reink, vom Handelsverband Deutschland auf Anfrage sagte. „Ob und wann sich eine regelmäßige Warenlieferung per Drohne in Deutschland durchsetzen wird, ist zurzeit nicht vorauszusehen.“ Bisher seien Drohnen etwa für eilige Lieferungen wie Arzneimittel mit geringem Gewicht eingesetzt worden, so Reink. „Die technischen Sprünge sind jedoch enorm, sodass mittlerweile auch schwerere Pakete per Drohne transportiert werden können.“

DHL plant keinen Regelbetrieb mit Drohnen

Auch die Deutsche Post hatte einen sogenannten Paketkopter einige Jahr lang für Testzwecke und zur Forschung eingesetzt. Dabei wurden Medikamente etwa zur Nordseeinsel Juist und in die deutschen Alpen geflogen. „Alle Forschungsprojekte sind abgeschlossen, weitere Projekte mit dem DHL Paketkopter oder ein Regelbetrieb für die Paketzustellung in Deutschland sind derzeit nicht geplant“, teilte der Logistikdienstleister DHL mit.

In den Produktionsverbindungshandel fällt ein anderes Beispiel zur Logistik mit Drohnen: Der Bielefelder Drohnenhersteller Third Element Aviation hat vom Luftfahrtbundesamt gemeinsam mit dem Produktionsverbindungshandel der Koerschulte Group aus Lüdenscheid die bundesweit erste Genehmigung für kommerzielle Drohnen-Linienflugverbindungen erhalten. Dies ließen die beiden Unternehmen im Februar in einer Mitteilung verlauten (LOGISTIK HEUTE berichtete).