Lagerjobs: Amazon in der Kritik

Internethändler beschäftigt Arbeitslose auf Probe - auch wenn sie schon früher für die Firma gearbeitet haben.
Thilo Jörgl

Mehrere Medien haben in den vergangenen Tagen über Unregelmäßigkeiten des amerikanischen Versandhandelsriesen Amazon an deutschen Standorten berichtet. Demnach leisten viele Arbeitslose vor einer Einstellung eine Art Probezeit ab. Und dafür bezahlt der US-Konzern nichts. Dass die Amerikaner gerne auf Arbeitslose aus den Jobcentern zugreifen, hat einen einfachen Grund: Sie arbeiten sechs Wochen zum Preis von vier. Denn die ersten vierzehn Tage werden als unbezahlte Trainingseinheit deklariert. Diese soll die Aussicht auf Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt verbessern. Der Arbeitgeber kann in diesem Zeitraum entscheiden, ob sich der jeweilige Kandidat für die Stelle eignet. Während des Trainings erhalten die ehemaligen Arbeitslosen weiterhin ihre Leistungen von den Arbeitsagenturen. Nach dem Ablauf des Tests bekommen sie dann regulär ihren Lohn.

Das Magazin „Spiegel“ berichtet, dass Amazon statt tatsächlich Leute einzustellen, immer wieder Hilfskräfte hole. Am Standort Bad Hersfeld arbeiteten mehr als 30 Prozent aller Beschäftigten befristet, schreibt das Magazin. Teilweise greife der Konzern auf die gleichen Arbeitskräfte zurück, die eine Einarbeitungszeit eigentlich gar nicht mehr brauchen, das „Praktikum“ aber trotzdem leisten müssen. Derzeit betreibt Amazon an fünf deutschen Standorten Logistikzentren. Besonders in der boomenden Vorweihnachtszeit braucht das Unternehmen viele Arbeitskräfte. Der Umsatz von Amazon hat sich seit 2006 mehr als verdreifacht.

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