Kreislaufwirtschaft: Verbraucher sind wichtiger Faktor

Laut einer Studie von DNV müssen Anbieter und Hersteller mehr dafür tun, das Verhalten von Konsumenten positiv zu beeinflussen.

Kreislaufwirtschaft boomt - zumindest zeigt eine Studie von DNV, dass sich fast die Hälfte der Befragten mit dem Thema auskennt und aktiv dafür engagiert. (Symbolbild: New Africa/AdobeStock)
Kreislaufwirtschaft boomt - zumindest zeigt eine Studie von DNV, dass sich fast die Hälfte der Befragten mit dem Thema auskennt und aktiv dafür engagiert. (Symbolbild: New Africa/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Das Wissen der Verbraucher beim Thema Kreislaufwirtschaft wächst und auch die Einstellung der meisten Konsumenten dazu ist positiv. Das geht aus der Studie „Worauf kommt es Verbrauchern beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft an?“ des Zertifizierungsanbieters DNV hervor, die im Oktober 2021 unter 2.900 Verbrauchern in den USA und Europa durchgeführt wurde. Allerdings, so die Autoren, erwarten Verbraucher mehr Innovationen und sind skeptisch gegenüber Informationen, die von Herstellern und Lieferanten selbst kommen.

45 Prozent haben umfangreiche Kenntnisse zur Kreislaufwirtschaft

Positiv wird von DNV bewertet, dass lediglich 35,8 Prozent der Befragten noch nie etwas von Kreislaufwirtschaft gehört haben. Von denjenigen, die das Thema bereits kennen, geben 45 Prozent an, dass sie über umfassende Kenntnisse verfügen und sich aktiv beteiligen. Bei der jüngeren Generation ist das Engagement höher; mehr als 53 Prozent von ihnen geben an, durch das eigene Verhalten die Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Nur 32,4 Prozent in der ältesten Gruppe sagen dasselbe.

Social Media als Informationsvehikel

Laut der Studie beziehen Verbraucher ihre Informationen zur Kreislaufwirtschaft hauptsächlich aus den Medien und den sozialen Medien (60,9 Prozent), mit einigem Abstand gefolgt von politischen Diskussionen (26,8 Prozent) und Freunden (23 Prozent). Nur einer von fünf Befragten holt Informationen direkt bei Herstellern und Lieferanten ein. Das zeige, dass Unternehmen mehr tun müssen, um ihre Botschaft zu verbreiten und Vertrauen aufzubauen.

„Ohne die Beteiligung der Verbraucher ist ein Übergang zur Kreislaufwirtschaft nicht möglich. Unternehmen müssen mehr tun, um Informationslücken zu schließen und sicherstellen, dass Verbraucher sensibilisiert werden und validierte, vertrauenswürdige Informationen erhalten“, sagt Luca Crisciotti, CEO von Supply Chain & Product Assurance bei DNV. „Das Bewusstsein ist der Schlüssel, aber das anschließende Verhalten der Verbraucher, das durch ihr Wissen beeinflusst wird, ist entscheidend für die Verwirklichung der Kreislaufwirtschaft. Letztendlich ist es dieses Wissen, das die Verbraucher dazu bewegen wird, sich an Recycling- oder Rücknahmeaktionen zu beteiligen oder innovative Kreislaufprodukte oder -dienstleistungen auszuprobieren“, ergänzt er.

Fast alle Befragten glauben, dass sie als Verbraucher eine Rolle in der Kreislaufwirtschaft spielen können (86,1 Prozent). Davon sind 65,4 Prozent der Meinung, dass sie durch den Kauf nachhaltiger Produkte und ordnungsgemäßes Recycling einen Beitrag leisten können. 20,7 Prozent der Studienteilnehmer sind außerdem davon überzeugt, dass Boykotte und Lobbyarbeit etwas bewirken.

Kaufverhalten wird anders gedacht

Den Autoren der Studie zufolge beginnen die Verbraucher offensichtlich, die Auswirkungen ihres Kaufverhaltens zu bedenken. 48,1 Prozent sagen, dass sie Produkte mit recycelten Eigenschaften kaufen, und 62,9 Prozent ziehen es vor, weniger zu kaufen oder auf gebrauchte Produkte zurückzugreifen. Verhaltensmuster, Erziehung und Kaufkraft scheinen dabei eine Rolle zu spielen, wie die Studie nahelegt. Die über 55-Jährigen führen mehr Reparaturen durch als die Jüngeren. Diese neigen eher dazu, mehr Gebrauchtes zu kaufen und zu mieten, anstatt Eigentum zu erwerben.

Die größte Erwartung bei den befragten Verbrauchern ist, dass Unternehmen recycelte, wiederverwertbare oder weniger Produktverpackungen verwenden (67,3 Prozent). Insgesamt 54,1 Prozent sagen, dass Marken die Verantwortung für das Ende des Produktlebens übernehmen sollten, und 51,1 Prozent meinen, dass es Aufgabe der Unternehmen ist, kreislauffähige und nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen.

Nachhaltigkeit bei Kaufgründen nicht an erster Stelle

Die Hauptgründe für die Wahl eines Kreislaufprodukts bei Bekleidung sind der Studie zufolge nach wie vor der Stil und der Preis. Erst danach folgt der Beitrag zu Umwelt- und Kreislaufzwecken. Besonders für die jüngeren Generationen sei der Preis von Bedeutung, was möglicherweise mit ihrer Kaufkraft zusammenhängt. Im Bereich Elektronik werde die Kreislauffähigkeit der Produkte hoch bewertet, obwohl der größte Wert auf Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Reparierbarkeit gelegt wird. Das Bewusstsein für Kunststoffverpackungen ist nach Studienangaben erstaunlich hoch. Fast die Hälfte der Befragten hat sich schon einmal gegen den Kauf eines Produkts entschieden, weil die Verpackung nicht nachhaltig war.

Printer Friendly, PDF & Email