Kraftstoff: Die Politik soll das Logistikgewerbe laut BGL vor weiteren Kostensteigerungen schützen

Der BGL erwartet, dass es Maßnahmen zur Senkung der Kraftstoffpreise für den Transport- und Logistiksektor gibt. Andernfalls sei die Existenz vieler mittelständischer Firmen gefährdet.

Der BGL will, dass der Transport- und Logistiksektor in Zeiten steigender Kraftstoffpreise geschützt wird. Sonst drohe Stillstand wie auf diesem Symbolbild. (Bild: Fotolia, LVDESIGN)
Der BGL will, dass der Transport- und Logistiksektor in Zeiten steigender Kraftstoffpreise geschützt wird. Sonst drohe Stillstand wie auf diesem Symbolbild. (Bild: Fotolia, LVDESIGN)
Redaktion (allg.)
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Wann steht Deutschland still? Das war die Hauptfrage auf der Pressekonferenz des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Bei explosionsartig ansteigenden Kraftstoffpreisen ziehe sich die Schlinge um die Unternehmen aus dem Transport- und Logistiksektor aber auch die Busunternehmen immer enger, sagte BGL-Vorstandssprecher Prof. Dirk Englhardt. Zahlreiche Firmen würden sich bei ihm melden, die die hohen Kraftstoffkosten nicht mehr leisten könnten: 

Viele sagen, sie müssen stehenbleiben, berichtete Englhardt.

Der BGL sei schockiert und verärgert, dass das Bundeswirtschaftsministerium nichts unternehme. In anderen EU-Ländern gäbe es eine Energiesteuererstattung. In Deutschland wolle das Wirtschaftsministerium davon - bislang - noch nichts wissen. Doch Englhardt prophezeit: 

Wenn das Wirtschaftsministerium nicht reagiert, wird es von der Realität eingeholt. Wenn die Lieferketten nicht mehr funktionieren, werden sie reagieren müssen! Aber muss es erst soweit kommen?

Alternative Antriebe, die erst in gut 20 Jahren tragfähig würden, könnten heute keine Lösung sein:

Wenn morgen die Supermarktregale noch gefüllt sein sollen, brauchen wir Diesel-Lkw, sagte der Vorstandssprecher.

Eine Mehrwertsteuer-Senkung, wie sie in den vergangenen Tagen öfter als Lösung dargestellt wurde, bringe den Firmen effektiv nichts. Die Steuer sei als durchlaufender Posten irrelevant, es zähle nur der Nettobetrag, sagte Englhardt. Es brauche dringend eine temporäre Unterstützung, die die Firmen direkt entlaste, bis die höheren Kosten beim Endverbraucher eingepreist sind und die höheren Transportkosten bezahlt werden.

 Auch für LNG brauche es dringend einen Rettungsschirm, so Engelhardt. 

Bei LNG ist die Situation sogar noch angespannter als bei Diesel.

Wie sehr die Firmen von der momentanen Situation belastet sind, berichtete auch Annette Weiß von Ernst Weiss Transporte und Baustoffe. Sichtlich ergriffen erklärte sie in der Pressekonferenz:

Es ist nicht zehn vor zwölf, sondern schon zehn nach zwölf! Wir sind jetzt an einem Punkt, die Reißleine zu ziehen.

Und sie sei dazu auch bereit, um den Betrieb, den damals ihr Vater aufgebaut habe, zu schützen.

In einem gemeinsamen Hilferuf wandten sich der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ), der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und der Bundesverband Wirtschaft, Verkehr bereits an das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Darin heißt es: 

Um die sich abzeichnenden, negativen Auswirkungen nicht nur auf die Transport-, Logistik- und Busbranche, sondern auch auf die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und Wirtschaft insgesamt abzufedern, bedarf es der Einführung von Gewerbediesel, der diesen Marktentwicklungen Rechnung trägt. Zudem müsse es Hilfsmaßnahmen für diejenigen Unternehmer geben, die ihre Flotte zu einem Großteil auf LNG/CNG umgestellt haben und existenzgefährdet sind.