KPIs: Wie sich die Lagerlogistik verändert hat

Europäische Logistikentscheider haben 2021 die Sicherheitsbestände in ihren Lagern erhöht, um den Schutz vor Unsicherheiten in der Lieferkette zu verstärken. Diese Investition planen sie auch für 2022, besagt eine Studie von Herchenbach.

Bei 51 Prozent der deutschen Unternehmen erhöhten sich die Logistikkosten in Prozent des Unternehmensumsatzes 2021. Dabei ist hierzulande der Anteil der Raumkosten besonders hoch. (Bild: AdobeStock, hacohob)
Bei 51 Prozent der deutschen Unternehmen erhöhten sich die Logistikkosten in Prozent des Unternehmensumsatzes 2021. Dabei ist hierzulande der Anteil der Raumkosten besonders hoch. (Bild: AdobeStock, hacohob)
Gunnar Knüpffer

Im Jahr 2021 sind die Logistikkosten von 52 Prozent der für eine aktuelle Studie untersuchten Unternehmen gestiegen. Dabei ermittelte das Herchenbach Supply Chain Institut die Logistikkosten in Prozent des Unternehmensumsatzes. Das Institut hatte in einer Online-Umfrage 335 Entscheider aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich zu wesentlichen KPIs ihrer Lagerlogistik befragt. Davon entstammten 60 Prozent aus den Bereichen Transport und Logistik: Konkret kommen 38 Prozent aus der Logistik, 30 Prozent aus dem General Management und die übrigen Teilnehmer sind Führungskräfte aus verschiedenen Abteilungen wie Warehouse und Produktion. Etwa 40 Prozent der Studienteilnehmer sind dabei in kleinen mittelständischen Unternehmen tätig, 20 Prozent in großen KMU und 17 Prozent in Unternehmen mit einem Umsatz über einer Milliarde Euro.

Bei 51 Prozent der deutschen Unternehmen erhöhten sich die Logistikkosten in Prozent des Unternehmensumsatzes 2021. Hierzulande ist dabei der Anteil der Raumkosten an den Lagerlogistikkosten mit 26 Prozent besonders hoch, deutlich höher als in Frankreich (21 Prozent) und Großbritannien (22 Prozent).

44 Prozent der deutschen Firmen erhöhten ihre Lagerreichweite

2021 prägten Lieferengpässe bei Materialien, Vorprodukten und Waren die Situation. Gleichzeitig führten Containerstaus in den Frachthäfen dazu, dass die Lieferzeiträume für Waren immer größer wurden. Aus diesen Gründen setzten 37 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lagerreichweite hoch; in Deutschland legten sogar 44 Prozent mehr Vorräte an, wobei diese Firmen ihre Lagerreichweite mehr als verdoppelten.

Gleichzeitig stiegen die Sicherheitsbestände bei 37 Prozent der Firmen. Dieser Sicherheitsbestand wird bei der Lagerung und Zwischenlagerung von Waren zusätzlich zum Grundbestand kalkuliert. Bei Veränderungen oder Disruptionen in der Lieferkette trägt diese Vorratsmenge dazu bei, die Produktion ohne Störungen aufrechtzuerhalten.

Für die deutliche Erhöhung sind vor allem Unternehmen aus Deutschland verantwortlich: Mit 44 Prozent ist die Zahl der Firmen, die ihren Sicherheitsbestand heraufsetzten, mehr als 3,5-mal so hoch wie die Zahl derer, die ihn senkten. Damit konnten die Firmen ihren Schutz vor Lieferunsicherheit, Lieferausfällen, Bestandsunsicherheit und Bedarfsunsicherheit verstärken.

Um die Lagerkosten zu senken, das Lagerrisiko zu verringern und die Kapitalbindung zu optimieren, bietet es sich für Unternehmen an, die Lagerumschlaghäufigkeit zu steigern. Dies gelang der Studie zufolge 40 Prozent der befragten Logistikentscheider. In Deutschland setzten sogar 44 Prozent der Firmen ihre Umschlaghäufigkeit herauf.

Denn Lagerplatz ist teurer geworden. Fast die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) zahlte 2021 pro Kubikmeter Lagerplatz mehr als im Jahr 2020. In Frankreich sind 50 Prozent von den Kostensteigerungen betroffen. In Deutschland, wo die Raumkosten bereits besonders hoch sind, gaben 43 Prozent der Firmen im Jahr 2021 mehr für Lagerraum aus als im Jahr zuvor.

In Deutschland steigerten 45 Prozent den Auslastungsgrad ihres Lagers

Um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, ist es zudem sinnvoll, den Auslastungsgrad des Lagers zu erhöhen. Das schafften im vergangenen Jahr 44 Prozent der Befragten:  In Deutschland waren es 45 Prozent, in Frankreich 43 Prozent und in Großbritannien 42 Prozent. Auffallend ist allerdings, dass in Deutschland die Zahl der Unternehmen, die einen niedrigeren Auslastungsgrad verzeichneten, mit 24 Prozent deutlich höher ist als in Großbritannien oder Frankreich, wo er um die 20 Prozent lag.

Generell ist die durchschnittliche Lagerdauer bei den befragten Firmen 2021 um 37 Prozent gestiegen. Die größte Steigerung war dabei in Deutschland zu verzeichnen (41 Prozent), die geringste in Frankreich (30 Prozent).

Aktuell ist die Sicherung der Lieferketten eines der Fokusthemen der Unternehmen. 47 Prozent räumen diesem Thema derzeit eine hohe bis sehr hohe Priorität ein. Während im vergangenen Jahr jedes fünfte Unternehmen in die Erhöhung der Sicherheitsbestände investierte, planen 41 Prozent und damit mehr als doppelt so viele diese Investition bereits für 2022 fest ein.