Konjunktur: Strukturrisiken bremsen Optimismus in der Autoindustrie

Laut einer Erhebung des DIHK denkt mehr als jedes zehnte Unternehmen im Automotive-Umfeld darüber nach, wegen hoher Energie- und Rohstoffpreise Produktion ins Ausland zu verlagern.

Nach drei jahres Kapazitätsengpässen machen vielen Autobauern Liquiditätsprobleme zu schaffen. (Symbolbild: Nataliya Hora / Fotolia)
Nach drei jahres Kapazitätsengpässen machen vielen Autobauern Liquiditätsprobleme zu schaffen. (Symbolbild: Nataliya Hora / Fotolia)
Therese Meitinger

Zu Jahresbeginn hat sich die Stimmung in der Automobilindustrie im Vergleich zum letzten Herbst merklich gebessert. Überschwänglicher Optimismus ist aber unpassend, denn zahlreiche Risiken können der Branche weiteres Ungemach bereiten. Zu diesem Schluss kommt eine DIHK-Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage, über die eine Pressemitteilung vom 7. März berichtet. Der Auswertung zufolge erholt sich die Automobilindustrie zu Jahresbeginn leicht, aufgrund nachlassender Lieferengpässe und aufgehellter Exporterwartungen. Gleichzeitig bleibt die Zukunft unsicher, denn strukturelle Herausforderungen wie zum Beispiel der Fachkräftemangel oder die langfristige Energiesicherheit sind weiterhin ungelöst.

In der Umfrage liegen die Bewertungen der Geschäftslage unter dem 20-Jahres-Durchschnitt. Dennoch bewertet knapp ein Drittel (31 Prozent) der Kraftfahrzeugbauer (Kfz-Bauer) seine derzeitige Lage als gut. Dieser Anteil liegt deutlich über dem jener Unternehmen mit negativer Geschäftslage (13 Prozent). 

Zulieferer wieder deutlich zuversichtlicher

Die positiveren Erwartungen bezüglich der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten beruhen in der Umfrage insbesondere auf einem deutlichen Rückgang der pessimistischen Einschätzungen. Nur noch zwölf Prozent der Kraftfahrzeugbauer gehen von einer Verschlechterung ihrer Geschäfte aus, im Herbst war es noch genau die Hälfte der Unternehmen. Hingen ist der Anteil der Optimisten auf 19 Prozent angewachsen. Die Geschäftserwartungen entsprechen damit etwa dem langjährigen Schnitt.

Leicht über dem Durchschnitt bewegen sich die Zulieferer: Haben hier noch im Herbst fast 60 Prozent pessimistisch in die Zukunft geblickt, sind es mittlerweile nur noch elf Prozent. Hier hat sich der Anteil der Optimisten von sieben auf fünfzehn Prozent mehr als verdoppelt.

Strukturelle Probleme ungelöst

Dem verhaltenen Optimismus in der Automobilindustrie stehen jedoch Risiken und Lasten gegenüber. Nach drei Jahren Corona-, Lieferketten- und Energiepreiskrise ist die Finanzlage der Kfz-Bauer angespannt: Fast zwei von fünf (37 Prozent) melden eine problematische Finanzlage, darunter insbesondere Liquiditätsengpässe und Eigenkapitalrückgänge. Zusätzliche Belastungen verursachen auch die zur Inflationsbekämpfung angehoben Zinsen: 13 Prozent der Unternehmen beklagen einen erschwerten Fremdkapitalzugang, und jeder Zehnte eine hohe Fremdkapitalbelastung.

Noch stärker trüben strukturelle Risiken die Aussicht: Das mit Abstand größte Geschäftsrisiko bleibt trotz zuletzt gesunkener Strom- und Gaspreise das Risiko Energie- und Rohstoffpreise (93 Prozent). Mehr als jedes zehnte Unternehmen gib an, deswegen Produktion ins Ausland verlagern zu müssen. Bei den Zulieferern sind es sogar 14 Prozent. Zudem hat der Fachkräftemangel in der Branche einen Höchststand erreicht (64 Prozent). Darüber hinaus sehen drei von fünf Unternehmen auch in den gestiegenen Arbeitskosten ein ernstzunehmendes Geschäftsrisiko.