Konjunktur: Logistik zeigt sich trotz Coronapandemie resilient

Geschäftsklimaindex für die Logistik weist leichte Erholung im Februar auf.

Das Geschäftsklima in der Logistik hat sich der BVL zufolge im Februar leicht erholt. Dennoch litten etwa Dienstleister und Einzelhändler zunehmend unter der Pandemie. (Symbolbild: Zapp2Photo/Adobe Stock)
Das Geschäftsklima in der Logistik hat sich der BVL zufolge im Februar leicht erholt. Dennoch litten etwa Dienstleister und Einzelhändler zunehmend unter der Pandemie. (Symbolbild: Zapp2Photo/Adobe Stock)
Sandra Lehmann

Das Geschäftsklima der deutschen Logistikwirtschaft kühlte im Zuge der zweiten Welle der Corona Pandemie ab. Im Februar erholte es sich aber wieder leicht und der zugehörige Indikator notierte nach einem Anstieg von 1,5 Punkten bei 93,9. Das geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das Ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Mit der derzeitigen Geschäftslage war demnach die Mehrheit der Unternehmen zwar weiterhin unzufrieden, jedoch seltener als im Vormonat. Überdies nahm der Pessimismus bezüglich der Perspektiven etwas ab, negative Stimmen behielten jedoch abermals die Überhand.

„Die Wirtschaft insgesamt und insbesondere auch der Wirtschaftsbereich Logistik zeigen sich im ersten Quartal 2021 relativ unbeeindruckt von der gesellschaftlichen und politischen Coronakrise-Erschöpfung. Trotz des anhaltenden weitgehenden Lockdowns weist die Februar-Umfrage des Logistik-Indikators einen Gesamtwert „nah“ am Normalwert 100 auf. Ohnehin ist der Wert seit August 2020 nicht wieder unter die 90er-Marke abgesunken, und das, obwohl sich die Wirtschaft in den Monaten November bis Februar auf immer wieder veränderte Lockdown-Szenarien einstellen musste“, sagt Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorstandsvorsitzender der BVL, in einem Kommentar zum aktuellen Geschäftsklimaindex.

Wie die BVL in einer Pressemeldung berichtet, litten die Logistikdienstleister weiterhin unter den Auswirkungen des Virus und den damit einhergehenden Einschränkungen. Die Unternehmen hätten mehrheitlich von einer ungünstigen Geschäftslage berichtet, die negativen Lageurteile nahmen im Vergleich zum Vorquartal erneut zu – wenn auch nur geringfügig. Auch der Blick in die Zukunft sei von Skepsis durchzogen. Insgesamt betrachtet veränderte sich der Quartalswert des Geschäftsklimaindikators kaum und wies 92 Punkte auf (zuletzt: 92,6). Demzufolge blieben die Personalplanungen weiterhin restriktiv ausgerichtet.

Handel pessimistisch

Auch im Bereich der Logistikanwender aus Handel und Industrie trübte sich die Stimmung wieder etwas deutlicher ein: Sowohl die Geschäftslage wie auch die -erwartungen hätten sich verschlechtert, per saldo überwogen gerade noch die positiven Stimmen. Aus diesen Abwärtsbewegungen resultiere der BVL zufolge auch ein Rückgang des Geschäftsklimaindikators von zuletzt 103,5 Punkten auf 101,4 im laufenden Quartal. Allerdings verläuft die Entwicklung in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich: Während sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe im ersten Quartal noch einmal spürbar um fast vier Indexpunkte verbesserte, brach es im Handel um mehr als sieben Indexpunkte ein. Dem Shutdown geschuldet seien die Geschäftsurteile insbesondere im Einzelhandel deutlich negativer ausgefallen, auch wenn die geplanten Lockerungen den Pessimismus etwas gemindert hätten.

Laut der BVL dürften die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen des zweiten Lockdowns wesentlich geringer ausfallen als im Frühjahr 2020, da die Konjunktur in der Industrie und im Baugewerbe sowie in industrie- und baunahen Dienstleistungsbereichen bislang kaum durch die zweite Coronawelle beeinträchtigt sei. Auch aus diesem Grund sei das Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal 2020 überraschenderweise nicht geschrumpft, sondern um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen.

Die Situation der Logistik an sich, sieht die BVL positiv: „Die Logistiker jedenfalls haben sich eindeutig gegen Alarmismus und für Pragmatismus entschieden. Sie machen ihre Jobs so gut es geht – und haben bei vielen Projekten an Tempo zugelegt, darunter die Digitalisierung ihrer Strukturen und Abläufe. Ein neues, flexibleres Denken und Handeln setzt sich durch und trägt zu resilienten Lieferketten bei“, so Wimmer.

Neben den Ergebnissen der Ifo Konjunkturumfragen zeige sich der Unterschied zur ersten Coronawelle auch in der Entwicklung des Lkw-Maut-Fahrleistungsindex, dessen Erfassung aktuell bis in die zweite Februarhälfte reicht. Während Anfang April 2020 die Fahrleistung des mautpflichtigen Schwerverkehrs auf den deutschen Fernstraßen um über 15 Prozent einbrach, bewegt sich der Index aktuell nahe seines Vorkrisenniveaus. Zusammengenommen deuten die vorliegenden Konjunkturindikatoren für das erste Quartal darauf hin, dass das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn nur geringfügig schrumpfen dürfte. Allen voran im Handel werde die Wertschöpfung im Vergleich zum Vorquartal kräftig zurückgehen. Mit der allmählichen Lockerung der Shutdown-Maßnahmen und der zunehmenden Durchimpfung der Bevölkerung ist dann im weiteren Verlauf des Jahres mit einer spürbaren Erholung zu rechnen, prognostiziert die BVL.

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