Konjunktur: Ist die deutsche Wirtschaft ein Frühindikator für den Welthandel?

Euler Hermes und Allianz stellen neues Berechnungsmodell „German Global Trade Momentum“ vor.

Laut einer Studie von Euler Hermes und Allianz zeichnen sich Entwicklungen in der deutschen Wirtschaft früher als in anderen nationalen Ökonomien. (Foto: kamonrat, Fotolia)
Laut einer Studie von Euler Hermes und Allianz zeichnen sich Entwicklungen in der deutschen Wirtschaft früher als in anderen nationalen Ökonomien. (Foto: kamonrat, Fotolia)
Therese Meitinger

Eine aktuelle Studie des Versicherers Allianz und des Kreditversicherers Euler Hermes untersucht, inwieweit die deutsche Wirtschaft dank ihrer engen Integration in das globale Handelsgeflecht als Pulsmesser der globalen Handelsdynamik fungieren kann. Die Volkswirte der beiden Unternehmen stellen darin das neu entwickelte Berechnungsmodell „German Global Trade Momentum“ (GGTM) vor, welches auf Grundlage von deutschen Wirtschaftsindikatoren die globale Handelsdynamik misst.

Das GGTM stützt sich nach Unternehmensangaben bei der Berechnung auf zwei deutsche Indikatoren, die eine hohe Korrelation mit dem Wachstum des Welthandels vorweisen: Neuaufträge im verarbeitenden Gewerbe und die ifo Exporterwartungen im verarbeitenden Gewerbe. Die deutsche Wirtschaft eignet sich nach Ansicht der Versicherer besonders gut als Frühindikator für globale Handelsentwicklungen. Die Gründe dafür sieht die Studie in der Größe des Exportsektors, der Offenheit beim Handel sowie der starken Exportdiversifizierung, sowohl geografisch als auch bei den Branchen

Prognose: Welthandel steuert auf erste Kontraktion seit Weltfinanzkrise zu

„Es zeigen sich dunkle Wolken am Himmel – und so schnell vermutlich kein Lichtblick“, kommentiert Katharina Utermöhl, Senior Economist Europe bei Euler Hermes, die Ergebnisse der Analyse. „Unsere Berechnungen zeigen, dass sich die Welthandelsrezession im zweiten Quartal höchstwahrscheinlich fortgesetzt hat.“ Eine Trendwende ist laut des GGTM dabei nicht in Sicht: Die Volkswirte der beiden Versicherer machen dies unter anderem an den ifo-Exporterwartungen im verarbeitenden Gewerbe fest, die auf einem Siebenjahrestief notierten, bei den Neuaufträgen im verarbeitenden Gewerbe zeige sich sogar der tiefste Stand seit fast zehn Jahren.

Zwar könnten Deutschland-spezifische Entwicklungen – wie etwa die zum Teil hausgemachte Krise im Automobilsektor – die aktuelle Schwäche des Welthandels überbewerten, so die Macher der Studie. Klar sei aber auch, dass der Welthandel ohne eine baldige Erholung der Dynamik für das Gesamtjahr 2019 schrumpfen dürfte. Dies wäre die erste Kontraktion seit der großen Finanzkrise.

„Keine andere große Exportnation hat mehr Handelspartner als Deutschland und ist mehr vom globalen Handel abhängig. Diese Offenheit im Handel ist Fluch und Segen zugleich“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland. „Einerseits macht es die Stärke der deutschen Wirtschaft aus, die seit den frühen 50er-Jahren immer einen Handelsüberschuss erwirtschaftet hat. Andererseits macht es die hiesige Wirtschaft aber auch anfälliger für negative globale Entwicklungen. Deshalb eignet sich ihr Herzschlag besonders gut als Frühindikator für den Welthandel.“

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