Konjunktur: Geschäftsklima in der Logistik erholt sich kontinuierlich

Logistik-Indikator weist im dritten Quartal V-förmig nach oben.

Die Konjunktur im Wirtschaftsfeld Logistik erholt sich langsam - das zeigen die Ergebnisse zum dritten Quartal. (Symbolbild: Coloures/Fotolia)
Die Konjunktur im Wirtschaftsfeld Logistik erholt sich langsam - das zeigen die Ergebnisse zum dritten Quartal. (Symbolbild: Coloures/Fotolia)
Sandra Lehmann

Das Geschäftsklima der deutschen Logistikwirtschaft erholt sich seit dem Corona-Tief im April kontinuierlich. Der Indikator lag im August bei 94,8 Punkten und somit etwas höher als noch im Vormonat (92,7) – es ist bereits die vierte Verbesserung des Geschäftsklimas in Folge. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das Ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Der Optimismus kehre demnach in die Logistikwirtschaft zurück – die positiven Geschäftserwartungen überwogen im zweiten Quartal wieder. Die Geschäftslage bewerteten die befragten Firmen zwar nach wie vor mehrheitlich negativ, allerdings sei auch hier eine stetige Verbesserung zu beobachten.

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Logistikdienstleister berichteten dem Ifo-Institut zufolge von nachgebender Nachfrage und zeigten sich mit ihren Auftragsbeständen größtenteils unzufrieden. Die Geschäftslage wurde jedoch von einem geringeren Anteil der Unternehmen als ungünstig eingestuft. Allerdings blickten sie auch mit Zuversicht auf die Entwicklungen in den kommenden Monaten. Der Geschäftsklimaindikator verbesserte sich im negativen Bereich.

Nahezu Vorkrisenniveau

Auch im Bereich der Logistikanwender aus Handel und Industrie überwogen die zuversichtlichen Zukunftsperspektiven, wie die BVL berichtet. Die Geschäftslage wurde zwar auch im August negativ beurteilt, allerdings verbesserte sie sich im Laufe der vergangenen drei Monate zusehends. Das Geschäftsklima verbesserte sich erneut – blieb aber auch im August noch im negativen Bereich. Der Indikatorwert erreichte mit 99,3 Punkten allerdings auch nahezu wieder das Niveau von vor der Krise (Februar: 101,2 Punkte). Das dritte Quartal weise zudem einen V-förmigen Verlauf auf – das entspricht einer der im Vorfeld von Wirtschaftsexperten getätigten Prognosen.

Unsicherheit über Dauer der Erholung

Hohe Unsicherheit bestehe nach Angaben des Ifo-Instituts indes über das Tempo und die Dauer der Erholung. Neben dem weiteren Verlauf der Coronapandemie und den damit einhergehenden staatlichen Eindämmungsmaßnahmen rühre diese Unsicherheit von der Geschwindigkeit, mit der die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen wieder zulegt. Dabei spielten unter anderem dauerhafte Verhaltensänderungen von Verbrauchern und Unternehmern eine Rolle. Viele Anbieter der davon betroffenen Dienstleistungen dürften daher mit strukturellen Anpassungen konfrontiert sein, die einen spürbaren Anstieg von Unternehmensinsolvenzen wahrscheinlich werden lassen, so das Ifo-Institut in seinem Bericht.

Aus Sicht der BVL bedeuten die Ergebnisse des dritten Quartals zweierlei:

„Der V-förmige konjunkturelle Verlauf ist eine gute Nachricht. Aber sie bedeutet nicht: Haken dran an die Corona-Krise, zurück zu den Strukturen, Verfahren und Methoden der Vergangenheit. Sie bedeutet stattdessen: Schwachstellen beheben, die durch die Krise sichtbar geworden sind, das Paradigma der Effizienz auf den Prüfstand stellen, resiliente Lösungen anstreben, die wirtschaftlichen, die sozialen und die ökologischen Dimensionen logistischen Handelns im Gleichgewicht miteinander optimieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende der BVL, Prof. Dr. Thomas Wimmer.

Ferner bliebe abzuwarten, wie sich die Rahmenbedingungen für logistisches Handeln verändern. Noch gäbe wir keine Antworten auf viele Fragen hinsichtlich künftiger Mobilität von Waren und Dienstleistungen, globaler Verflechtungen, Entwicklungen von Ex- und Importmärkten oder der dauerhaften Schrumpfung ganzer Wirtschaftszweige wie des Flug- und Kreuzfahrttourismus, erläutert Wimmer in einem Kommentar zu den Ergebnissen des Ifo-Instituts.

„Wir wissen nicht, ob die Menschen ihr Konsumverhalten dauerhaft verändern werden. Was wird der Kunde post-Corona erwarten? Welchen Preis wird er zu zahlen bereit sein?“, so der BVL-Vorstandsvorsitzende.

Viele diese Fragen möchte Wimmer gemeinsam mit Experten und Teilnehmern auf dem Deutschen Logistik-Kongress 2020 diskutieren, der vom 23. bis 25. Oktober in Berlin stattfinden soll.

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