Konjunktur: Erholung der Logistikwirtschaft setzt sich fort

Logistikindikator von BVL und Ifo-Institut befindet sich erstmals seit 2019 wieder im positiven Bereich.

Nach Monaten der Unsicherheit befinden sich Logistik, Handel, Industrie und Transport wieder im Aufschwung. (Symbolbild: Coloures/Fotolia)
Nach Monaten der Unsicherheit befinden sich Logistik, Handel, Industrie und Transport wieder im Aufschwung. (Symbolbild: Coloures/Fotolia)
Sandra Lehmann

Die Erholung des Geschäftsklimas der deutschen Logistikwirtschaft setzte sich im zweiten Quartal 2021 fort. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das Ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Demnach lag der entsprechende Indikator im Mai bei 100,1 Punkten und damit deutlich über dem Vorkrisenniveau. Der zunehmende Optimismus mache sich nicht nur bei der Beurteilung der aktuellen Situation der Unternehmen bemerkbar, die erheblich positiver als noch im Vorquartal ausfiel. Auch für den weiteren Jahresverlauf erwarteten immer mehr Firmen einen günstigeren Geschäftsverlauf.

Beschäftigungsaufbau geplant

Die Logistikdienstleister klagten der BVL zufolge kaum mehr über zu geringe Auftragsbestände und beurteilten die derzeitige Geschäftslage per Saldo gut. Die Geschäftsperspektiven klarten weiter auf, so dass nun mehrheitlich mit einem Beschäftigungsaufbau gerechnet werde. Insgesamt verbesserte sich das Geschäftsklima spürbar und der Indikator drehte erstmals seit Mitte 2019 wieder in den positiven Bereich.

„Der Wirtschaftsbereich Logistik ist im Durchschnitt mit geringeren Umsatzeinbrüchen durch die Krise gekommen als andere Industrien und startet nun mit hoher Motivation und mit Schwung weiter durch“, kommentiert Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorstandsvorsitzender der BVL.

Auch in Handel und Industrie habe sich das Geschäftsklima deutlich aufgehellt. Der Hauptindikator legte zu und notierte bei 102,5 Punkten. Dies sei vor allem den positiven Urteilen über die derzeitigen Geschäfte zu verdanken, die erheblich zugenommen hätten. Aber auch die Geschäftserwartungen fielen zuversichtlicher aus. In den kommenden Monaten rechnen die Firmen mit weiteren Geschäftszuwächsen. Preisplanungen sehen kräftige Steigerungen vor. Nachdem sich im Vorquartal vor allem die Industrie kräftig erholte, konnte nun der Handel aufholen. Im Zusammenhang mit den Corona-Öffnungsschritten herrsche besonders im Einzelhandel reger Optimismus. Der Großhandel konnte seine positiven Lageurteile ebenfalls ausbauen, aber in geringerem Ausmaß als der Einzelhandel, heißt es vonseiten des Ifo-Instituts.

Nachdem sich die deutsche Wirtschaft im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2020 zügig von der ersten Corona-Welle erholt hatte, bekam sie Anfang dieses Jahres einen erneuten Dämpfer. Die zweite und dritte Corona-Welle ließen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2021 gegenüber dem vierten Quartal 2020 um 1,8 Prozent sinken. Besonders stark betroffen waren der Einzelhandel und kontaktintensive Dienstleistungsbranchen.

Die Situation besserte sich mit dem raschen Rückgang der Neuinfektionszahlen. Die Ausweitung der Testmöglichkeiten und das Voranschreiten der Impfkampagne ermöglichten ein langsames Hochfahren des öffentlichen Lebens. Der Einzelhandel durfte vielerorts unter Auflagen öffnen, was sich auch in den Schätzungen des Ifo Instituts zur Kurzarbeit widerspiegelte. Die Zahl an Kurzarbeitern sank im Mai auf 227.000, von 427.000 im Januar. Im Gastgewerbe, das bisher nur in geringen Maßen öffnen durfte, fiel der Rückgang der Kurzarbeit mit 88.000 Beschäftigten hingegen schwächer aus (Mai: 489.000, Januar: 577.000). Auch gesamtwirtschaftlich sank die Kurzarbeit seit Anfang 2021 kontinuierlich, seit ihrem Hochpunkt im April vergangenen Jahres habe sie sogar um über 40 Prozent reduziert werden können. Die Belebung am Arbeitsmarkt spiegele sich auch beim Ifo Beschäftigungsbarometer wider, das im Mai auf seinen höchsten Stand seit Juni 2019 kletterte. Die deutschen Unternehmen planen demnach vor allem in der Industrie und im Dienstleistungssektor Mitarbeiter einzustellen.

Ähnlich positive Entwicklungen zeigen Frühindikatoren des Statistischen Bundesamtes. Mobilitätsdaten wiesen auf einen kontinuierlichen Anstieg der Beweglichkeit der Bevölkerung seit Jahresanfang hin, wenngleich die Indikatoren teilweise noch deutlich niedriger sind als im Sommer 2020. Auch der Transportindex, der die wirtschaftliche Aktivität anhand der Verkehrsleistung misst und den Lkw-Maut-Fahrleistungsindex um weitere Verkehrsträger im Güterverkehr ergänzt, zeigte eine zunehmende gesamtwirtschaftliche Aktivität seit Jahresbeginn an. Der täglich verfügbare Lkw-Maut-Fahrleistungsindex schwächte sich allerdings im Verlauf des Mais etwas ab. Hier dürften sich die Produktionsschwierigkeiten einiger Industriesparten bemerkbar machen, die im Zusammenhang mit Engpässen bei der Lieferung von Vorprodukten stehen. Dies gaben zuletzt immerhin 45 Prozent der vom Ifo Institut befragten Industrieunternehmen an.

„Vieles spricht dafür, dass es in der zweiten Jahreshälfte kontinuierlich aufwärts gehen wird. So geben die Logistiker beider Marktseiten die Personalplanungen wieder im expansiven Bereich an. Die Bundesagentur für Arbeit meldete für Mai eine gegenüber April um 84.000 sinkende Zahl von Arbeitslosen und eine Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent. Die Logistik trägt zur Erholung des Arbeitsmarktes wesentlich bei. Auch die BVL spürt den Schwung und eine zunehmende Leichtigkeit. Wenn der Pfad der Erholung weiter beschritten werden kann, werden wir zu Netzwerkveranstaltungen mit persönlichen Begegnungen zurückkehren können“, so Wimmer.

Insgesamt deuten die vorliegenden Frühindikatoren laut dem Ifo Institut darauf hin, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft Fahrt aufnehmen dürfte. Nachdem große Teile des Verarbeitenden Gewerbes bereits im vergangenen Jahr boomten und ihre teils kräftigen Produktionsausweitungen in den kommenden Monaten vor dem Hintergrund der Lieferengpässe etwas drosseln dürften, profitieren nun vor allem der Einzelhandel, die Gastronomie und andere kontaktintensive Dienstleister vom Abflauen der Coronakrise.

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