Kongress: BME-Symposium startet mit ESG-Fokus

BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah präsentierte im Eröffnungsplenum einen Vier-Punkte-Plan, Staatssekretärin Lilian Tschan hob die Bedeutung deutscher und europäischer Lieferkettengesetzgebung hervor.

BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah bei der Eröffnung des 57. BME-Symposiums Einkauf und Logistik in Berlin. (Bild: Therese Meitinger)
BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah bei der Eröffnung des 57. BME-Symposiums Einkauf und Logistik in Berlin. (Bild: Therese Meitinger)
Therese Meitinger

Der Themenkomplex ESG prägte den Start des 57. BME-Symposiums Einkauf und Logistik in Berlin: Die unternehmerischen Sorgfaltspflichten für Menschenrechte in Lieferketten, steigende Ansprüche der Gesellschaft zu Inclusion, Diversity und Equity sowie mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette waren am 12. Oktober zentrale Themen des Eröffnungsplenums in Berlin. Der Kongress des Bundesverbands Materialwirtschaft und Logistik fand nach zwei Jahren coronabedingter Pause erstmals wieder als Präsenzveranstaltung statt.

Unter dem Motto „PRO:CONNECT“ hat sich das größte Fach-Event für Einkaufsverantwortliche im deutschsprachigen Raum auf die Fahnen geschrieben, den knapp 1.200 Teilnehmenden sowie mehr als 90 Ausstellern, Sponsoren und Partnern zwischen 12. und 14. Oktober eine Plattform für die Diskussion gegenwärtiger und künftiger Beschaffungsstrategien angesichts dramatischer geopolitischer Entwicklungen zu geben. „PRO:CONNECT“ soll – gerade in Krisenzeiten – die besondere Bedeutung des persönlichen Austauschs und der Vernetzung unterstreichen.

„Es sind großartige Zeiten für den Einkauf. Denn wir können in diesen Krisenzeiten viel bewegen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen stützen und stärken. Never waste a good crisis“, betonte die BME-Vorstandvorsitzende Gundula Ullah am 12. Oktober in ihrer Begrüßungsrede.

Ohne Digitalisierung geht es nicht

In jeder Firma werde heute dringender denn je ein starker, digitaler und innovativer Einkauf benötigt. Deshalb, so Ullah weiter, sei die Zeit des Einkaufs genau jetzt. Der Einkauf könne zum Taktgeber in Krisenzeiten werden und seine Rolle im Unternehmen stärken.

Ullah stellte bei der Gelegenheit auch eine Roadmap aus vier Leitlinien vor, die aus Sicht des Verbandes unabdingbar sind für die digitale Transformation des Procurements: „Ohne Digitalisierung geht es nicht, wir müssen zunehmend datenbasiert entscheiden“, so die erste These. Es komme darauf an, die richtigen Informationen aus dem Data Lake zu fischen.

Krisen werden bleiben

„Die geopolitischen Zeitenwenden sind gekommen, um zu bleiben“, sagte Ullah mit Blick auf die multiple Problemlage aus Coronapandemie, Ukrainekrieg und der Frontalstellung von Russland zur Nato. Auch hier komme es entscheidend darauf an, dass es Einkäufern gelänge, ihre ausreichen Rohstoffe und Vorprodukte zu sichern. Große Aufmerksamkeit verdiene zudem die sich verschlechternde Konjunktur in Deutschland.

Abschließend ging die BME-Vorstandsvorsitzende auf den Klimawandel und die damit verbundenen Aufgaben für die Unternehmen näher ein:

„In unserer Einkäuferrolle können wir uns den Themen ESG (Environmental, Social, Governance) und Nachhaltigkeit nicht zu wenig zuwenden und sie dürfen nicht hinter den vorgenannten Eskalationsthemen verschwinden. Wir als Einkauf müssen Taktgeber und Schrittmacher einer nachhaltigeren Wirtschaft von morgen sein.“

Passend dazu stellte Lilian Tschan, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, in ihrer Eröffnungs-Keynote „Unternehmerische Sorgfaltspflichten für Menschenrechte in Lieferketten – in Deutschland und der EU“ heraus. Sie kontrastierte das kommende deutsche Lieferkettengesetz mit den ersten Planungen für eine europäische Lösung.

„Eine rein deutsche Lösung hat nur begrenzte Wirkung, vielmehr brauchen wir ein europäisches Level Playing Field“, so Tschan.

Sie begrüßte, dass der erste Entwurf der EU-Regulierung in einigen Punkten über das deutsche Gesetz hinausgehe und etwa von Menschenrechtsverletzungen Betroffenen aus Ländern des globalen Südens Zivilklagen vor europäischen Gerichten erlaube. Zugleich gelte es, bei der Anwendung der Regulierungen mit Augenmaß vorzugehen und auf Lösungen zu achten, die auch für den Mittelstand verträglich seien.

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