Kombinierter Verkehr: Spediteure und Bahn ziehen an einem Strang

Neue Kooperation soll bis ins Jahr 2030 rund 50 Millionen Tonnen CO2 sparen.

Durch die Kooperation soll ein gemeinsames Netzwerk hin zu einem echten Taktverkehr ausgebaut werden. (Symbolbild; Foto: DB Cargo)
Durch die Kooperation soll ein gemeinsames Netzwerk hin zu einem echten Taktverkehr ausgebaut werden. (Symbolbild; Foto: DB Cargo)
Melanie Endres

Mehr als 230 Spediteure wollen gemeinsam mit der DB Cargo AG mehr Lkw von der Autobahn auf die Schiene verlagern, das verkündeten der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, DB-Güterverkehrsvorstand Dr. Sigrid Nikutta und der Verwaltungsratsvorsitzender der Kombiverkehr KG Hermann Lanfer am 29. März in der Pressekonferenz „Klimaschutz durch kombinierten Verkehr“. Die an der Kombiverkehr KG beteiligten Transportunternehmen und DB Cargo setzen demnach auf den Ausbau des gemeinsamen Netzwerks hin zu einem echten Taktverkehr. Außerdem sollen Digitalisierung und Automatisierung die Abfertigungsprozesse deutlich einfacher und schneller machen, so eine Pressemitteilung der Instanzen im Nachgang. Durch die bessere Verknüpfung von Güterzug und Lkw erwarten Deutsche Bahn und Kombiverkehr eine CO2-Reduktion von rund 50 Millionen Tonnen in den nächsten zehn Jahren.

„Der Kombiverkehr ist der ICE in unserem Umweltnetzwerk für Güterzüge. Mit einem intelligenten Netz- und Terminalausbau, mit viel mehr Direktverbindungen und deutlich einfacherem Handling für unsere Kunden bringen wir mehr Verkehr auf die Schiene. Das Potential ist dabei riesig: Wir sparen der Umwelt so viel CO2 als ob wir jedes Jahr ein ganzes Steinkohle-Kraftwerk vom Netz nehmen. Damit leistet der Kombiverkehr einen ganz wichtigen Beitrag, dass wir auch über die Corona-Krise hinaus im Verkehrssektor die europäischen Klimaziele langfristig einhalten können“, so Nikutta.

Neun-Punkte-Plan

In einer Kooperationsvereinbarung mit einem 9-Punkte-Plan für den Kombinierten Verkehr haben sich beide Unternehmen für eine gemeinsame Wachstumsstrategie ausgesprochen und konkrete Ausbauschritte festgelegt. So werden bestehende Terminalstandorte um weitere ergänzt und zu einem „Metro-Net“ ausgebaut. Ein Taktfahrplan vernetzt demnach die wichtigen deutschen und europäischen Wirtschaftszentren noch häufiger. Außerdem werden Disposition und Abrechnung der sogenannten intermodalen Transporte deutlich digitaler und weniger bürokratisch organisiert. Damit können Logistiker bei langen Distanzen noch einfacher auf die klimafreundliche Bahn umsteigen. Aktuell liege der Anteil des intermodalen Verkehrs bei 36 Prozent im Schienengüterverkehr, so das statistische Bundesamt. Das Wachstumspotenzial dieser Verkehrsart ist das höchste in der Logistikbranche. Es wird für die nächsten 10 Jahre mit 150 Prozent Plus bewertet. Denn: Kombinierter Verkehr bietet sich ideal für globalisierte Lieferketten an, weil nicht die Fracht, sondern genormte Ladegefäße wie Container, Sattelauflieger oder Wechselbehälter vom Lkw direkt auf einen Güterzug umgeladen werden. Am Zielort bringt eine Lkw-Zugmaschine den Behälter auf dem letzten Straßenkilometer zum Bestimmungsort.

Bundesverkehrsminister Scheuer: „Wir wollen mehr Güter von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene bringen. Diese neue Kooperation von Schiene und Straße passt perfekt in unseren Masterplan Schienengüterverkehr, mit dem wir die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Sektors stärken. Prognosen sagen voraus, dass das Güterverkehrsaufkommen im Kombinierten Verkehr bis 2030 um knapp 80 Prozent ansteigen wird. Allein von diesem Projekt erwarten wir eine CO2-Einsparung von 50 Millionen Tonnen. Das zeigt mir: Der Kombinierte Verkehr trägt wesentlich dazu bei, dass wir unsere Klimaziele im Verkehr erreichen.“

Starkes Signal

Damit senden Straße und Schiene Speditionen und DB Cargo ein starkes Signal, so der Verwaltungsratsvorsitzender Lanfer: „Wir meinen es ernst mit der Verkehrswende im Güterverkehr. Wir holen als Kombiverkehr die Beteiligten an einen Tisch, um gemeinsam die bestehende Zusammenarbeit auszubauen und dem Kombinierten Verkehr neue, entscheidende Impulse zu geben. Dabei stehen für uns die Bedürfnisse der Kunden im Mittelpunkt. Die Spediteure sollen leichter und schneller Transporte auf die Schiene verlagern können. Denn nur durch konkrete Verlagerung verändern wir den Modal Split und lassen die Verkehrswende Realität werden: Konkret verstärken wir die seit 2001 aufgebauten Synergien mit einem Neun-Punkte-Plan für einen starken und klimafreundlichen Kombinierten Verkehr: Wir werden Service, Vernetzung und Digitalisierung bestmöglich optimieren, damit wir auch die Spediteure für die Schiene gewinnen, die bisher nur die Straße nutzen. So senken wir den CO2-Ausstoß des Güterverkehrs zusammen mit DB Cargo und dem BMVI nachhaltig.“

Eckpfeiler der gemeinsamen Kooperation

Als Basis der Zusammenarbeit wurden mehrere Handlungsfelder definiert, mit denen sich die Unternehmen intensiv beschäftigen werden. Hierzu zählen unter anderem neue Produkte und der Netzwerkausbau, gemeinsame Terminalaktivitäten sowie die Digitalisierung. Konkrete Arbeitsergebnisse sollen am Markt Anwendung finden:

  • Digitalisierung am Terminal vor Ort für eine leichtere Abfertigung
  • Digitalisierung hinter den Kulissen
  • Metro-Net als agiles Ausbauprogramm
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