Klimaschutz: Hafen Rotterdam testet Landstromversorgung für Seeschiffe

In den nächsten fünf Monaten sollen an der Parkkade in der Innenstadt fünf verschiedene Systeme ausprobiert werden.

Die Versorgung von kleineren und später auch größeren Seeschiffen mit Landstrom in Rotterdam soll helfen, die Luftqualität zu verbessern. (Foto: Rederij Wilson)
Die Versorgung von kleineren und später auch größeren Seeschiffen mit Landstrom in Rotterdam soll helfen, die Luftqualität zu verbessern. (Foto: Rederij Wilson)
Therese Meitinger

Die Stadt Rotterdam und der Hafenbetrieb Rotterdam haben am 13. Dezember 2019 nach eigenen Angaben begonnen, im Testbetrieb kleine Seeschiffe an der Parkkade mit Elektrizität zu versorgen. Bei einer Versorgung mit Landstrom brauchen Schiffe ihre Generatoren nicht einzuschalten, um Elektrizität für die Nutzung an Bord zu produzieren, argumentieren die Projektpartner. Auf diese Weise sollen Luftverschmutzung und Lärmbelästigung reduziert werden. Der Testlauf ist für eine Dauer von ungefähr fünf Monaten ausgelegt. Während dieses Zeitraums wollen Stadt und Hafenbetrieb fünf verschiedene Systeme ausprobieren.

Allard Castelein, Generaldirektor des Hafenbetriebs Rotterdam, erläutert: „Wir machen in Sachen Landstrom immer mehr Fortschritte. Für die Binnenschifffahrt ist er bereits seit ungefähr zehn Jahren obligatorisch. Die Stena Line in Hoek van Holland verfügt bereits darüber. Wir werden für Heerema in der Nähe von Rozenburg Landstrom anlegen. In den kommenden Jahrzehnten müssen noch viel mehr Schiffe an die Steckdose. Dabei gilt: Je größer das Schiff, desto schwieriger und teurer ist das Ganze. Und das erfordert somit Zeit.“

Mobile Stromversorgung an der Parkkade

Der Testlauf an der Parkkade zeichnet sich nach Firmenangaben dadurch aus, dass kein fester Stromanschluss eingesetzt werden soll, sondern mobile Konzepte zum Einsatz kommen sollen. Dadurch könne man die Steckdosen dort einsetzen, wo Bedarf an Landstrom bestehe, so die Projektpartner. Im Testverlauf sollen verschiedene Energiequellen untersucht werden - wie etwa Wasserstoff-, Batterie-, (Bio-)LNG- und Hybrid-Lösungen.

In dem Test wollen die Rotterdamer vor allem die technische und wirtschaftliche Machbarkeit, die Nutzerfreundlichkeit und die Auswirkungen auf die Umgebung unter die Lupe nehmen. Während der Tests sollen Messungen erfolgen, um den Rückgang der Lärm- und Emissionswerte dieser Systeme festzuhalten. Diese Werte werden verglichen mit den Werten des selben Schiffs, welches mit seinen eigenen Generatoren Strom erzeugt.

An der Parkkade legen nach Firmenangaben viele Küstenschiffe von Reedereien wie Wilson, Vertom und Wijnne&Barends an. Im Prinzip könne jedes Seeschiff, das dort anlege, den mobilen Landstrom nutzen, so die Projektpartne. Es seien jedoch noch längst nicht alle Seeschiffe mit einem Anschlussstecker ausgerüstet.

Die Kosten für das Testprojekt beziffern die Rotterdamer mit ungefähr 500.000 Euro. Finanziert wird der Test demnach vor allem mit Mitteln des staatlichen „Nationale Samenwerkingsovereenkomt Luchtkwaliteit“ (nationaler Kooperationsvertrag Luftqualität). Nach dem Test mit dem mobilen Landstrom an der Parkkade soll 2020 ein zweiter Test gestartet werden. Dieser soll sich dann vor allem auf innovative Landstromkonzepte für größere Seeschiffe. Hierfür stehen Gelder in Höhe von 1,5 Millionen Euro bereit.

Die fünf Unternehmen, deren Landstromsysteme in den kommenden Monaten getestet werden sollen, sind:

-           ENGIE Ventures & Integrated Solutions B.V.: Ein Hybrid-System mit einer Big Battery Box, integriert in einen mit Biokraftstoff (HVO) betriebenen Motor-Generator.

-           PON Power & Schwestergesellschaften: Hybrid-Container mit einer Batterie, in Kombination mit einem mit blauem Diesel (HVO) betriebenen Generator in einem 20-Fuß-Container, mit Sonnenkollektoren auf dem Dach.

-           Aggreko Benelux: LNG-betriebener Gasmotor in einem 20-Fuß-Container.

-           Mobiele Stroom BV: Bio-LNG-betriebene Turbine in einem 20-Fuß-Container.

-           JP-Energiesystemen B.V: Ein mit Wasserstoff betriebenes Brennstoffzellenaggregat, in Kombination mit einer kleinen Batterie.

Printer Friendly, PDF & Email