KI: Nachhaltigkeitsradar für die Lieferkette

Porsche, Audi und Volkswagen nutzen künstliche Intelligenz um Nachhaltigkeitsrisiken zu managen.

Seit dem Start des Pilotprojekts im Oktober 2020 analysieren die Marken mehr als 5.000 Schlagwörter und haben über 4.000 Lieferanten im Blick. (Foto: stockWERK/Fotolia)
Seit dem Start des Pilotprojekts im Oktober 2020 analysieren die Marken mehr als 5.000 Schlagwörter und haben über 4.000 Lieferanten im Blick. (Foto: stockWERK/Fotolia)
Matthias Pieringer

Die Marken Porsche, Audi und Volkswagen setzen auf Künstliche Intelligenz (KI), um Nachhaltigkeitsrisiken wie Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverstöße und Korruption nicht nur bei direkten Geschäftspartnern, sondern auch in den tieferen Stufen ihrer Lieferkette frühzeitig zu erkennen. Die Basis für das Monitoring bildet, wie Porsche am 3. März gegenüber der Presse mitteilte, ein intelligenter Algorithmus des österreichischen Start-ups Prewave. Mit der Technologie können demnach lieferantenbezogene Nachrichten aus öffentlich zugänglichen Medien und sozialen Netzwerken in mehr als 50 Sprachen und aus über 150 Ländern identifiziert und ausgewertet werden.

Proaktives Frühwarnsystem

Bei Anzeichen von Nachhaltigkeitsrisiken in der Lieferkette werden die Marken benachrichtigt. Die Beschaffung prüft dann den Sachverhalt und die Einleitung von Gegenmaßnahmen. Die KI werde so zum proaktiven Frühwarnsystem für Verstöße gegen die Nachhaltigkeitsanforderungen des Volkswagen Konzerns. Sie ergänze herkömmliche reaktive Beschwerdekanäle wie Postfächer oder Ombudsleute, hieß es. Seit Beginn des Pilotprojekts im Oktober 2020 analysieren die Marken mehr als 5.000 Schlagwörter und haben über 4.000 Lieferanten im Blick.
 

„Mit Prewave steuern wir zielgerichtet Risiken auch in den tieferen Lieferketten. Uns geht es um Transparenz. Die künstliche Intelligenz vereinfacht die komplexe Analyse von Daten. Damit können wir uns direkt an die Partner wenden und Verbesserungen bei der Nachhaltigkeit einfordern. Unser Ziel ist es, dies gemeinsam mit den Lieferanten zu erreichen. Im Eskalationsfall, bei Nichterfüllung der vereinbarten Maßnahmen, kann dies bis zu einer Beendigung der Geschäftsbeziehung führen“, sagte Markus Wagner, Leiter Beschaffung Strategie und Nachhaltigkeit Porsche AG.

„Der entscheidende Vorteil der KI ist ihre Schnelligkeit, mit der sie relevante Nachrichten online erkennen und gebündelt übermitteln kann. Wir erfahren so viel früher von Nachhaltigkeitsrisiken und können infolgedessen schneller reagieren“, so Marco Philippi, Leiter Strategie Beschaffung bei Audi. „Die KI ist ein ideales Beispiel, wie Digitalisierung zu mehr Nachvollziehbarkeit in der Lieferkette beitragen kann.“


 

Ullrich Gereke, Leiter Strategie Beschaffung des Volkswagen Konzerns, ergänzte: „Wir stellen uns unserer Verantwortung für eine nachhaltige und gerechte Lieferkette. Dafür haben wir bereits 2014 Nachhaltigkeitskriterien für unsere Lieferanten vertraglich verankert. Die Einhaltung unserer Standards wird seit 2019 im Vergabeprozess überprüft. Durch die Partnerschaft mit Prewave haben wir nun ein weiteres Instrument, mögliche Verstöße aufzudecken, diesen nachzugehen und zu verbesserten sozialen und ökologischen Bedingungen in den Produktionsstandorten unserer Lieferanten beizutragen.“

„Wir freuen uns gemeinsam mit Porsche, Audi und Volkswagen dieses Vorzeigeprojekt in der Automobilindustrie durchzuführen. Tausende, global verteilte Lieferanten werden dank unserer Technologie in Echtzeit auf Nachhaltigkeitsrisiken geprüft. Machine Learning und automatisierte Sprachverarbeitung macht so möglich, was manuell ein Ding der Unmöglichkeit wäre: Kontinuierliche Risikoabschätzungen über die gesamte Lieferkette mit der die Beschaffung dann proaktiv auf die Lieferanten zugehen kann“, so Harald Nitschinger, CEO Prewave.

Nachhaltigkeitsrating für Lieferanten

Die Nachhaltigkeitsanforderungen des Volkswagen Konzerns sind im Code of Conduct für Geschäftspartner zusammengefasst. Ab 2019 wurde das S-Rating, ein Nachhaltigkeitsrating für Lieferanten, sukzessive in den einzelnen Konzernmarken als vergabepflichtiges Kriterium eingeführt.

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