KI für mobile Robotik: ABB übernimmt Navigationsspezialist Sevensense

Mit der Akquise will ABB seinen strategischen Investitionsschwerpunkt auf KI-Lösungen für Logistik und Produktion unterstreichen.

Die Visual-SLAM-Technologie (Visual Simultaneous Localization and Mapping) erlaubt mobilen Robotern nach einer Einführung autonom Karten zu erstellen. (Bild: ABB)
Die Visual-SLAM-Technologie (Visual Simultaneous Localization and Mapping) erlaubt mobilen Robotern nach einer Einführung autonom Karten zu erstellen. (Bild: ABB)
Therese Meitinger

Das Züricher Technologieunternehmen ABB hat am 11. Januar in einer Pressemitteilung die Übernahme des Schweizer Start-ups Sevensense bekanntgegeben, eines Anbieters von KI-gestützter 3D-Vision-Navigationstechnologie für autonome mobile Roboter (AMR). Sevensense wurde 2018 als Spin-off der ETH Zürich in der Schweiz gegründet.

„Die Transaktion ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserer Vision eines Arbeitsumfelds, in dem KI-gestützte Roboter Menschen unterstützen. Wir gehen damit auf die steigenden Anforderungen unserer Kunden nach mehr Flexibilität und Intelligenz in Zeiten des akuten Fachkräftemangels ein“, sagte Sami Atiya, Leiter des Geschäftsbereichs Robotik & Fertigungsautomation von ABB.

Ausgestattet mit Bildverarbeitungstechnologie und KI, scanne jeder mobile Roboter einen bestimmten Teil des Gebäudes, so Atiya weiter. Die Blickfelder aller Roboter würden zu einer vollständigen Karte zusammengefügt, sodass die AMR auch in sich schnell verändernden Umgebungen autonom arbeiten könnten.

Die Akquisition folgt der Pressemitteilung zufolge auf ABBs Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an Sevensense, nachdem die beiden Unternehmen 2021 bereits eine Innovationspartnerschaft geschlossen hatten. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben. Nach Pilotprojekten mit Kunden im Automobil- und Logistikumfeld plant ABB die Technologie von Sevensense in sein AMR-Portfolio zu integrieren.

KI und 3D-Bildverarbeitung kombinieren

Die Navigationstechnologie von Sevensense vereint nach Unternehmensangaben KI und 3D-Bildverarbeitung. Dies ermögliche AMR, intelligente Entscheidungen zu treffen und in dynamischen Umgebungen zwischen festen und beweglichen Objekten zu unterscheiden, heißt es. Nach einmaliger manueller Führung erstellen demnach mobile Roboter mit der sogenannten Visual-SLAM-Technologie (Visual Simultaneous Localization and Mapping) eine Karte, die sie zu einem unabhängigen Betrieb befähigen. Dies soll die Inbetriebnahmezeit von Wochen auf Tage verkürzen und den AMR die Navigation in hochkomplexen, dynamischen Umgebungen ermöglichen, in denen sich auch Menschen aufhalten. Die Karten werden der Pressemitteilung zufolge laufend aktualisiert und in der gesamten Flotte geteilt, was sofortige Skalierbarkeit ohne Unterbrechung des Betriebs und größere Flexibilität im Vergleich zu anderen Navigationstechnologien ermöglichen soll.

Beim Automobilhersteller Ford sollen nach Unternehmensangaben künftig AMR von ABB mit Visual-SLAM-Technologie an Produktionsstandorten in den USA zum Einsatz kommen, während Michelin die Technologie in seinem Werk in Spanien in der Intralogistik einsetzen will. Auch andere Automobilhersteller wollen die Technologie in Großbritannien, Finnland und Deutschland einführen.

 „Wir können nun Visual-SLAM in autonomen mobilen Robotern anbieten, zusammen mit einem integrierten Portfolio von Robotern und Maschinenautomationslösungen, gesteuert von unserer wertsteigernden Software“, so Marc Segura, Leiter der ABB-Division Robotics, mit Blick auf die Übernahme.

Gregory Hitz, CEO von Sevensense, erklärte:

„ABB ist für uns das ideale ‚Zuhause‘, um unsere vielfältige Plattform für 3D-Vision-Autonomie weiter zu skalieren und Hersteller im Bereich der automatisierten Materialhandhabung und Servicerobotik zu bedienen.“

Die Technologie soll weiterhin in verschiedenen Segmenten wie der Materialhandhabung, der Gebäudereinigung und anderen Bereichen der Servicerobotik unter dem Produktnamen Sevensense vertrieben werden. Die rund 35 Mitarbeiter von Sevensense sollen weiterhin in der Schweizer Niederlassung des Unternehmens in Zürich tätig sein.