KEP: Lösungen für die Retourenfrage

Was Händler und Logistikdienstleister tun können, um das Rücksendungsmanagement zu verbessern.

Wie kann die Anzahl der Retouren reduziert werden? Dazu entwickeln Wissenschaftler und Händler Lösungen. (Grafik: Eugene Sergeev/Fotolia)
Wie kann die Anzahl der Retouren reduziert werden? Dazu entwickeln Wissenschaftler und Händler Lösungen. (Grafik: Eugene Sergeev/Fotolia)
Sandra Lehmann

2018 sind in Deutschland rund 286 Millionen Pakete an Händler zurückgegangen, das entspricht etwa 487 Millionen Artikeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktion und Logistik der Universität Bamberg. Viel Rücksendungsvolumen, das vor allem an bestimmten Warengruppen hängt, wie der Leiter der Studie, Dr. Björn Asdecker, betont. So gehe vor allem im Fashionbereich fast jedes zweite Paket auf die Rückreise:

„Gerade bei Kleidungsstücken spielt der individuelle Wohlfühlfaktor eine große Rolle. Da sich der Körper laufend ändert und es sich bei Textilien um Handarbeit handelt und auch die Händler bewusst Impulskaufreize stimulieren, kommt es besonders häufig zu Rücksendungen.“

Um diese zu reduzieren, empfiehlt der Bamberger Forscher, nicht nur die Einführung einer niedrigen Rücksendegebühr, sondern auch Maßnahmen, um Fehlkäufe zu vermeiden.

„Hersteller sollten verbindliche, genormte Größenangaben verwenden“, sagt Asdecker. „Das erfordert eine übergeordnete, gegebenenfalls politisch geführte Koordinationsanstrengung, beispielsweise im Rahmen eines Siegels wie dem ‚grünen Knopf‘.“

Optimierungen, mit denen die Rücksendung von Kleidung deutlich reduzieren werden könnte: Die Forschungsgruppe schätzt, dass auf diese Weise bis zu 25 Prozent der Retouren am Gesamtmarkt eingespart werden können, etwa 120 Millionen Artikel.

Künstliche Intelligenz und Machine Learning

Großes Potenzial, um dieses Ziel zu erreichen, sieht Asdecker in Datenanalyse, künstlicher Intelligenz, Alltagstechnologien wie Handykameras und Tools zur besseren Größenvermessung. Diese werden zunehmend auch von Handelsunternehmen und E-Commerce-Anbietern genutzt, um das eigene Retourenmanagement zu verbessern. So hat etwa der Omnichannelanbieter Otto Group in Eigenregie eine Lösung entwickelt, die auf Machine Learning und smarten Algorithmen basiert und die Zahl der Rücksendungen in den Bereichen Fashion, Elektronik und weiße Ware drücken soll.

Wie genau diese Anwendung funktioniert, welche Lösungen andere Händler in Petto haben und was sich in der logistischen Abwicklung von Retouren verbessern muss, lesen Sie in der Titelstory der LOGISTIK HEUTE-Ausgabe 4/2020, die am 17. April erschienen ist.

Die Logistik steht im Blickpunkt

Während ich diese Zeilen schreibe, reißen die belastenden Meldungen zur Corona-Pandemie leider immer noch nicht ab. Wichtigste Gebote sind in dieser Situation: die Ausbreitung des Virus stoppen, die Gesundheit schützen, die Beeinträchtigung der Lieferketten möglichst gering halten, den Waren- und Informationsfluss sicherstellen und natürlich als Gesellschaft zusammenhalten.

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