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KEP: Kommt bald der Kiezbote?

Prof. Dr. Stephan Seeck stellt neues Zustellkonzept in Berlin vor.
Prof. Dr. Stephan Seeck von der HTW Berlin stellte auf dem 35. Deutschen Logistik-Kongress ein neues Zustellkonzept für den KEP-Bereich vor. (Foto: Lehmann)
Prof. Dr. Stephan Seeck von der HTW Berlin stellte auf dem 35. Deutschen Logistik-Kongress ein neues Zustellkonzept für den KEP-Bereich vor. (Foto: Lehmann)
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Sandra Lehmann

Die Zuverlässigkeit von Paketzustellungen in der Innenstadt muss dringend verbessert werden. Zu dieser Einschätzung gelangte Prof. Dr. Stephan Seeck von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin im Rahmen des 35. Deutschen Logistik-Kongresses.

Persönliche Übergabe ist selten

Seeck stellte in der Fachsequenz „Retail Logistics“ erste Ergebnisse der noch nicht veröffentlichten Studie „Identifikation und Bewertung der Anforderungen und Probleme der letzten Meile bei der Zustellung von Waren und Dienstleistungen“ vor, die von den Unternehmen Tchibo, Würth, Löffelhardt und Bonprix unterstützt wird. Darin kommt der Forscher zu dem Schluss, dass in 30 bis 50 Prozent der untersuchten Fälle keine direkte Zustellung von Paketen und E-Commerce-Sendungen an der Haustür stattfindet. Die Gründe dafür sind dem Wissenschaftler zufolge unterschiedlich. Klar werde in der Untersuchung allerdings, dass bei rund 80 Prozent der befragten Privatkunden in der Vergangenheit auch dann keine persönliche Paketübergabe stattfand, wenn sie zu Hause waren.

Ohne Nachbar keine Zustellung

Wie Seeck weiter ausführte, landen die meisten nicht persönlich zugestellten Sendungen lediglich eine Haustür weiter. „Ohne den freundlichen Nachbarn von nebenan, wäre die Paketzustellung in vielen urbanen Räumen nicht mehr möglich. Eine Zweitzustellung von Sendungen findet so gut wie nicht statt“, so der Wissenschaftler. Lediglich ein geringer Teil der bestellten Waren werde in Paketshops, Postfilialen oder Packstationen abgegeben.

Digital eingreifen

Der Studie zufolge wünscht sich ein Großteil der Befragten zukünftig digital eingreifen zu können, um die Zustellsituation zu verbessern, für rund 69 Prozent ist die persönliche Übergabe des Pakets nach wie vor die wichtigste Zustelloption. Knapp 68 Prozent der Studienteilnehmer wünschen sich zudem eine Retourenabholung durch den Paketboten.

Konzept Kiezbote

Aufgrund der bisherigen Studienergebnisse hat Seeck gemeinsam mit seinem Team ein Konzept für die Paketlieferung in urbanen Ballungsgebieten wie etwa Berlin entwickelt. Demnach könnte ein sogenannter „Kiezbote“ die Zustellung auf der letzten Meile in einem begrenzten lokalen Gebiet übernehmen. Dabei bündelt der Bote die Pakete von Paketdienstleistern, lokalen Anbietern, Lebensmittellieferanten sowie die Retouren beispielweise in einem Ladenlokal. Über eine App sollen der Kiezbote und der Kunde in ständigem Austausch sein, sodass der Empfänger die persönliche Zustellung seines Paketes genau abstimmen und selbst steuern kann.

Die Studie wird nach Angaben der HTW in Berlin durchgeführt und läuft noch bis einschließlich 30. November 2018. Die finalen Ergebnisse möchte die Hochschule im Januar 2019 vorstellen.

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