KEP: DPD spart Zeit mit Adressierungssystem What3Words

Bis zu 15 Prozent effizienter gestaltete sich die Paketzustellung in einem Test, bei dem die Adressierungslösung in einem MBUX-vernetzten Mercedes Sprinter bei DPD zum Einsatz kam.

Zwei erfahrene Paketzusteller von DPD stellten in einem für sie unbekannten Gebiet Pakete zu. Einer nutzte reguläre Straßenadressen, der andere das what3words-Navigationssystem. (Foto: DPD)
Zwei erfahrene Paketzusteller von DPD stellten in einem für sie unbekannten Gebiet Pakete zu. Einer nutzte reguläre Straßenadressen, der andere das what3words-Navigationssystem. (Foto: DPD)
Therese Meitinger
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Genaue Informationen zu vordefinierten Parkplätzen und spezifischen Lieferanteneingängen können bei der Paketzustellung Zeit sparen. Das hat ein Logistik-Effizienztest in Nagold ergeben. Durchgeführt haben ihn zwei erfahrene Paketzusteller von DPD mit zwei fast identischen Mercedes-Benz Sprinter Vans und „What3words“, einem speziellen Adressierungssystem. Die Beteiligten wollten nach Firmenangaben wissen, ob das in das On-Board-Navigationssystem des Mercedes-Benz Sprinter integrierte Ortsangaben-System des Londoner Start-up-Unternehmens What3words die Effizienz bei der Paketzustellung erhöhen kann. Das Testgebiet erstreckte sich DPD zufolge über die gesamte Stadt und umfasste etwa 50 Lieferungen. Beeindruckend sei die im Vergleich zum herkömmlichen Navigationssystem 15-prozentige Effizienzsteigerung gewesen, so die Testteilnehmer.

„Als wir von What3words erfuhren, wollten wir herausfinden, ob wir von einer genaueren Lokalisierung der Lieferziele mit der Drei-Wort-Adresse profitieren könnten“, erklärt Thomas Steverding, Senior Group Manager, OPS Process and Development bei DPD Deutschland.

Das Adressierungssystem von What3words – Dreiwortadressen – basiert dem Unternehmen zufolge auf Drei-Meter-Quadraten. Für jedes dieser weltweit existierenden Quadrate existiert eine einzigartige Adresse, die aus drei Wörtern aus dem Wörterbuch besteht. Dazu gehören auch Orte, an denen keine regulären Straßenadressen existieren, wie große Industriegebiete. Mercedes-Benz war 2017 gemäß eigenen Angaben der erste Automobilhersteller der Welt, der die Möglichkeit der Suche und Navigation in sein bordeigenes MBUX-System integrierte.

Auch per Push-Nachricht lassen sich Drei-Wort-Lokalisierungen senden

Gemeinsam mit dem Paketdienstleister DPD und dem britischen Start-up What3words wollte der Van-Hersteller nach Eigenangaben herausfinden, welche Effizienzsteigerung möglich ist, wenn die Navigation zu den What3words-Adressen integriert ist. Dabei konnten die What3words-Standorte auch per Push-Benachrichtigung aus der Ferne an das Fahrzeug gesendet werden – eine Funktion, die sich derzeit in der Entwicklung ist.

Chris Sheldrick, Mitbegründer und CEO von What3words, erläutert, dass „Straßenadressen für große Standorte wie Fabriken oder Ausstellungshallen selten auf den Liefereingang zeigen, sodass die Fahrer Zeit mit der Suche nach den richtigen Abladestellen verschwenden“. Dies sei frustrierend für die Fahrer und führe zu Zeit- und Treibstoff-Ineffizienz sowie zu einer schlechten Erfahrung für Kunden, die Lieferungen möglicherweise verpassen oder mit Verspätung erhalten. Das präzise Adressierungssystem von What3words helfe Logistikfahrern, die mit ihrem Zustellgebiet nicht vertraut sind, die Zeit zu reduzieren, die sie mit der Suche nach den genauen Zustellpunkten verbringen, so der Anbieter.

„Und bei diesem speziellen Test wurde ihnen auch der genaue Parkplatz in der Nähe des Liefereingangs zugewiesen, was wirklich entscheidend ist für Lieferungen auf der letzten Meile, die zu Fuß durchgeführt werden“, wirbt Sheldrick für das System.

Vergleich: Ein Sprinter mit, einer ohne What3Words

Der Test wurde DPD zufolge mit zwei identischen Mercedes-Benz Sprintern durchgeführt, die beide mit MBUX ausgerüstet waren. Bei einem wurde die Navigation testweise mit vordefinierten What3words-Adressen für Parkplätze und Liefereingänge programmiert. Beide Lieferwagen waren mit 50 Paketen beladen und wurden von professionellen Paketzustellern von DPD gefahren, die mit der Gegend nicht vertraut waren. Beide Fahrer benutzten nach Unternehmensangaben den gleichen Zustellauftrag auf der Grundlage einer realen, historischen Route von DPD. Die Route umfasste demnach Innenstadt- und Industriegebiete, und die Abgabepunkte auf der Route waren eine Kombination aus 55 Prozent B2B-Kunden und 45 Prozent B2C-Kunden. Die Routen wurden unter Alltagsbedingungen im Liefergebiet Nagold gefahren und zur üblichen Zeit gestartet. Beide Fahrer hielten sich jederzeit an die Verkehrsregeln.

Der Test habe gezeigt, dass 80 Prozent des Effizienzgewinns aus der Bereitstellung der What3words-Adresse für den optimalen Parkplatz resultierte, so die Unternehmen. Das habe sowohl Fahrzeug als auch Zeit für die Parkplatzsuche gespart. Die verbleibenden 20 Prozent der Effizienzsteigerung basierten darauf, dass genaue Informationen zum Übergabepunkt vorlagen. Das habe die Gehzeit der Fahrer verkürzt.

„Der Test hat gezeigt, dass das System eine große Verbesserung darstellt, insbesondere für neue Fahrer und solche, die in einem ihnen unbekannten Liefergebiet arbeiten müssen. Außerdem nimmt es dem Fahrer viel Stress ab und erleichtert seine Arbeit erheblich. In Zeiten, in denen die Zahl der Pakete kontinuierlich zunimmt, ergibt sich ein klarer Wettbewerbsvorteil“, meint Steffen Raiber, Manager Industry Management CEP & Logistik bei Mercedes-Benz Vans.

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