KEP-Dienste: Zustellung wird zunehmend kontaktlos

Viele Logistikdienstleister verzichten etwa auf die Signatur der Empfänger. // Update

KEP-Dienstleister wie Hermes möchten den Kontakt im Zustellprozess künftig minimieren. (Foto: Hermes Germany)
KEP-Dienstleister wie Hermes möchten den Kontakt im Zustellprozess künftig minimieren. (Foto: Hermes Germany)
Therese Meitinger

Während sich der stationäre Handel angesichts der Corona-Pandemie Schließungen oder starken Beschränkungen ausgesetzt sieht, boomt das Geschäft mit der Zustellung von online georderter Ware. So meldete etwa der Lebensmittel-Lieferservice Liefery seit Anfang März eine deutlich gestiegene Nachfrage. Auch das ausgelieferte Paketvolumen steigt. Doch während Besteller mit Bürojobs sich angesichts der Corona-Pandemie meist ins Homeoffice zurückgezogen haben, steht diese Option den Mitarbeitern von KEP- oder Lieferdiensten nicht offen. Schließlich leben sie davon, Menschen mit der von ihnen georderten Ware zusammenzubringen. Um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen vor dem hochinfektiösen Krankheitserreger zu schützen, setzen Logistikdienstleister darauf, die Kontakte im Zustellungsprozess zu minimieren.

„Zur möglichst weitgehenden Reduzierung des Risikos einer Übertragbarkeit des Coronavirus passen wir daher auch unsere betrieblichen Prozesse situationsbezogen an und ergreifen alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen“, erläutert Pressesprecher Tim Rehkopf auf Anfrage von LOGISTIK HEUTE etwa das Vorgehen bei DHL.

Mitarbeiter in der Zustellung sind demnach aktuell in zwei unterschiedliche Schichten eingeteilt, um den gegenseitigen Kontakt zu minimieren. „Zudem verzichten wir bei der Paketübergabe derzeit bis auf Weiteres auf die eigenhändige Empfangsbestätigung durch den Empfänger, sodass der Zusteller diese kontaktfrei für den Kunden übernimmt“, so Rehkopf weiter. Empfängerkunden, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, bittet DHL, mit dem Unternehmen einen Ablageort zu vereinbaren; diese Möglichkeit steht jedoch auch anderen Kunden offen.

Kamera im Scanner

Kontaktlosigkeit stellt auch Hermes Germany in den Mittelpunkt seines aktuellen Zustellungskonzepts. Bei dem KEP-Dienstleister entfällt ebenfalls die Unterschrift auf dem Scanner; stattdessen wird der Sendungserhalt per Fotonachweis belegt. Dabei verzichtet das Unternehmen nicht ganz auf die Signatur des Empfängers, sondern etabliert ab dem 23. März einen neuen digital gestützten Unterschriftsprozess. Kunden quittieren dazu laut dem Anbieter den Erhalt ihrer Sendung direkt auf dem Label ihres Pakets. Anschließend fotografieren die Zusteller mit ihrem Scanner die Unterschrift und die Angaben auf dem Paketlabel, sodass die Auslieferung eindeutig dokumentiert ist.

Technisch möglich sei dies, so Hermes, da alle der rund 18.000 Scanner, die in der Zustellung und an den Logistikstandorten genutzt werden, mit einer Kamera ausgestattet sind. Nun sei die auf den Geräten installierte Zustell-App um eine Fotoverarbeitungsfunktion erweitert worden.

„In der aktuellen Situation profitieren wir davon, dass wir in den vergangenen Jahren den Zustellprozess konsequent digitalisiert haben“, sagt Marco Schlüter, COO bei Hermes Germany in einer Pressemitteilung. „So haben wir jetzt die Möglichkeit, in kurzer Zeit und mit hohem Kundenfokus zu reagieren.“

Die DPDgroup verzichtet derzeit komplett auf eine persönliche Quittierung und erlaubt Zustellern vorübergehend, kleine, flache Pakete, die in den Briefkasten passen, dort zu hinterlegen. Paketempfänger werden auf der Website gebeten, dem Unternehmen ein „Abstell-Okay“ zu geben, sodass der Zusteller das Paket ohne direkten Kundenkontakt zum Beispiel im Gartenhäuschen, in der Garage oder vor der Wohnungstüre platzieren kann. Währenddessen war das Konzept der „Pickup Paketshops“, die sich etwa in unterschiedlichen – womöglich von behördlich angeordneten Schließungen betroffenen – Geschäften befunden hatten, vorübergehend ausgesetzt, wie auf der Unternehmenswebsite am 23. März zu lesen war.

Update, 24. März, 11.45 Uhr: Am 24. März kündigte DPD an, die Pick-up-Paketshops ab Mittwoch, den 25. März, sukzessive wieder öffnen zu wollen. In einer Pressemitteilung hieß es:

„Auch in den Paketshops sind die Prozesse so angepasst, dass die Paketabholung sowie das private Versenden und Retournieren von Paketen komplett kontaktlos erfolgt. So ist auch im Paketshop keine Unterschrift des Empfängers mehr notwendig. Zudem gilt auch hier ein Mindestabstand bei der Aushändigung von Paketen, eine Übergabe von Hand zu Hand findet nicht mehr statt.“

Über die kontaktlose Zustellung bei GO! Express & Logistics hatte LOGISTIK HEUTE bereits vor Kurzem berichtet

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