Karriere: KEP-Bereich bietet Jobsuchenden ohne Ausbildung Chancen

Arbeitgeber achten nach einer Erhebung der Dekra vor allem auf zuverlässige und motivierte Mitarbeiter.

Gute Jobaussichten für angehende Paketausträger: KEP-Dienste bieten laut Dekra momentan auch Chancen für ungelernte Kräfte. (Foto: alphaspirit/Fotolia)
Gute Jobaussichten für angehende Paketausträger: KEP-Dienste bieten laut Dekra momentan auch Chancen für ungelernte Kräfte. (Foto: alphaspirit/Fotolia)
Sandra Lehmann

Der KEP-Bereich bietet aktuell gute Berufsaussichten – insbesondere auch für Bewerber ohne Ausbildung. Das geht aus dem „Arbeitsmarkt-Report 2021“ der Prüfgesellschaft Dekra hervor. Wie das Stuttgarter Unternehmen im Juli mitteilte, legen Arbeitgeber aus diesem Wirtschaftszweig bei der Personalsuche vor allem Wert auf zuverlässige und motivierte Mitarbeiter, die idealerweise berufspraktische Erfahrung und gute Deutschkenntnisse vorzuweisen hätten. Im Gegenzug drücken KEP-Unternehmen ein Auge zu, wenn es um formale Nachweise gehe. Das eröffnet insbesondere Quereinsteigern und Jobsuchenden ohne Ausbildung Berufschancen, so die Dekra.

Praktische Erfahrungen gefragt

An ihrer zukünftigen Arbeitsstelle transportieren die gesuchten Mitarbeitenden am häufigsten Briefsendungen (38,6 Prozent) sowie Zeitungen und Prospekte (27,7 Prozent). In jeder vierten Jobbeschreibung werden explizit Pakete als Transportgut erwähnt. Neben der eigentlichen Zustelltätigkeit erwähnen etwa sechs von zehn Arbeitgebern Aufgaben beziehungsweise praktische Erfahrungen, die sie von Bewerbenden erwarten (57,4 Prozent). Bei Mitarbeitern achten sie insbesondere darauf, dass sie Fahrzeuge umsichtig beladen und die Waren sicher im Transportfahrzeug verstauen. Dementsprechend finden sich Kenntnisse in der Ladungssicherung weiterhin an erster Stelle der gewünschten praktischen Erfahrungen. Im Vergleich zum Dekra Arbeitsmarkt-Report 2017 hätte dieser Punkt noch weiter an Bedeutung gewonnen.

Das Sortieren von Sendungen werde in den Stellenbeschreibungen zwar nicht mehr ganz so oft erwähnt, dürfte aber weiterhin ein wichtiger Teil des Arbeitsalltages sein. Denn je sorgfältiger die Beschäftigten Paket- und Briefsendungen sortieren, desto reibungsloser verlaufe der eng getaktete Zustellprozess. Vergleichsweise selten werde Know-how im Umgang mit PC oder Scannern erwähnt. Vermutlich sind die Geräte mittlerweile oft intuitiv bedienbar und wer ein Smartphone nutzt, ist dazu auch bei einem Handscanner in der Lage, so die Dekra. Viele KEP-Dienstleister hätten zudem auf eine kontaktlose Übergabe umgestellt, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Dementsprechend nehme die Dokumentation nun größeren Raum ein als vor vier Jahren.

Makelloses Führungszeugnis erwünscht

Die Fahrerlaubnis ist weiterhin eine Grundvoraussetzung für den Beruf. Jeder zweite Arbeitgeber erwähnt explizit, dass Bewerbende einen Führerschein der Klasse B benötigen. Immerhin 21 der gesuchten Fahrer müssten zudem in der Lage sein, einen Lkw zu lenken. Was formelle Berufsabschlüsse und Zertifikate betrifft, seien die Dienstleister großzügig: Nur für jede vierte Position verlangen sie überhaupt entsprechende Nachweise. Jobsuchende benötigen am häufigsten ein makelloses Führungszeugnis, um sich auf eine der ausgeschriebenen Stellen bewerben zu können (11,7 Prozent). Zum Vergleich: Vor vier Jahren war laut der Dekra ein solches für jede fünfte Position Voraussetzung (19,8 Prozent).

Der Wunsch nach einer Berufsausbildung findet sich nur selten in den Anforderungsprofilen: Hin und wieder sollen die gesuchten Zustellkräfte eine Berufskraftfahrer-Ausbildung (3,4 Prozent) mitbringen oder es sind Kaufleute für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen eingeladen, sich zu bewerben (2,9 Prozent). Personalabteilungen achten jedoch verstärkt auf die Sprachkenntnisse von Bewerbenden: In explizit drei von zehn Fällen müssten sie Deutsch in Wort und Schrift beherrschen (2017: 23,4 Prozent). In anderen Fällen werden allgemein Deutschkenntnisse gewünscht (13,4 Prozent). Damit reagieren Arbeitgeber offensichtlich auf die oft beklagte Sprachverwirrung an der Haustüre, heißt es in dem Report.

Personalmangel steigert Löhne

In der Pandemie wurden Paketboten oft als systemrelevant bezeichnet. Aber spiegelt sich dies auch in verbesserten Rahmenbedingungen wider? Es deutet der Dekra zufolge manches darauf hin: Häufiger als in der Vergangenheit scheint es einen gewissen Verhandlungsspielraum in puncto Gehalt zu geben, wie die Aussage „Bezahlung nach Vereinbarung“ zeigt (2021: 17,1 Prozent vs. 2017: 4,3 Prozent). Außerdem machen sich eine Ausbildung oder einschlägige Berufspraxis auf dem Lohnzettel bemerkbar: Gut jeder zehnte Arbeitgeber honoriert berufsspezifische Fähigkeiten sowie besonderen Einsatz (2017: 4,7 Prozent). Bei den Zusatzleistungen hat sich ebenfalls etwas getan, so bekommt zum Beispiel gut jeder fünfte Beschäftigte seine Arbeitskleidung gestellt (2017: 5,8 Prozent). Auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld seien nun verbreiteter.

„In unserer Analyse finden sich Hinweise, dass Arbeitgeber auf den leergefegten Bewerbermarkt reagieren“, sagt Katrin Haupt, Geschäftsführerin der Dekra Akademie. „Sie haben formale Hürden weiter gesenkt, legen bei Jobsuchenden aber dennoch Wert auf einen Mindeststandard in Bezug auf Soft Skills oder Deutschkenntnisse. Und nicht zuletzt scheint sich im Bereich der Vergütung und Zusatzleistungen etwas bewegt zu haben.“

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