Jahresbilanz: Ukrainekrieg macht Hamburger Hafen zu schaffen

Zu den geplanten Projekten des Hafens zählt ein großes Importterminal für grünen Wasserstoff, das auf dem Gelände der Oiltanking Deutschland entstehen soll.

Im Hamburger Hafen gingen im vergangenen Jahr 8,3 Millionen TEU über die Kaikanten.(Foto: HHM / Hasenpusch Productions)
Im Hamburger Hafen gingen im vergangenen Jahr 8,3 Millionen TEU über die Kaikanten.(Foto: HHM / Hasenpusch Productions)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Anna Barbara Brüggmann)

In seiner Jahrespressekonferenz gab der Hamburger Hafen am 20. Februar die Zahlen für 2022 bekannt: Insgesamt wurden demnach 119,9 Millionen Tonnen Seegüter umgeschlagen – dies entspreche einem Minus von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, heißt es vonseiten des Anbieters. Beim konventionellen Stückgut konnte nach Angaben des Hafens ein Plus von 11,2 Prozent und damit ein Anstieg auf 1,4 Millionen Tonnen verbucht werden.

Der Umschlag von Stückgut fiel jedoch auf 83,7 Millionen Tonnen (-5,8 Prozent). Es gingen 36,2 Millionen Tonnen (-8,9 Prozent) Massengut über die Kaikanten. Die geringeren Mengen seien direkt und auch indirekt auf verschärfte Sanktionen gegenüber Russland zurückzuführen.

„Der Krieg in der Ukraine mit den damit verbundenen Sanktionen gegenüber Russland als auch die weltweiten Probleme in den Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie wirkten sich im Jahresverlauf auf den Umschlag des Hamburger Hafens aus. Hinzu kamen zu Beginn der zweiten Jahreshälfte Arbeitskämpfe im Hafen und im Verlauf des Herbstes eine sehr hohe Inflation, die die Kauflaune der Konsumenten auf einen Tiefpunkt fallen ließ“, so Axel Mattern, Vorstand bei Hafen Hamburg Marketing e.V..

Doch der Hamburger Hafen bereitet nach eigenen Angaben neue Produkte vor. So soll auf dem Gelände der Oiltanking Deutschland ein großes Importterminal für grünen Wasserstoff entstehen und der Bau von Landstromanlagen dem Konzept eines klimaneutralen Hafen zuträglich sein.

Umschlag geht zu Jahresende zurück

Im Hamburger Hafen gingen im vergangenen Jahr 8,3 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) über die Kaikanten - ein Minus von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so die Angaben von Hafen Hamburg Marketing. Der Umschlag ging im zweiten Halbjahr, vor allem aber im vierten Quartal stark zurück.

„Normalerweise sehen wir im letzten Quartal eines Jahres aufgrund des nahen Weihnachtsfests einen Anstieg der Umschlagzahlen. Das blieb im vergangenen Jahr aus. Die Gründe dafür waren vor allem die gestiegenen Energiekosten und hohe Lagerbestände der Industrie“, erläutert Mattern.

China bleibt wichtigster Handelspartner

Die Top-10 Liste der Partnerländer für das Jahr 2022 bringt einige positive Überraschungen mit sich. So entwickelte sich der Umschlag mit Polen mit 294.000 TEU und einem Plus von fast 25 Prozent nach Hafenangaben sehr positiv. Damit liegt das Land auf Platz 4. Ähnlich positiv entwickelten sich die umgeschlagenen Mengen mit Finnland. Über diesen Trade gingen 213.000 TEU, das entspricht einem Plus von 22,3 Prozent. So erreicht Finnland Platz 6. Mit einem Plus von 6,6 Prozent und gut 196.000 TEU setzt auch Kanada ein positives Signal im Warenaustausch mit dem Hamburger Hafen und stieg damit vom zwölften auf den neunten Platz.

Traditionell führt auch in diesem Jahr China mit 2,46 Millionen TEU (-3,8 Prozent) die Top-10 Liste der Partnerländer an. Auf Platz 2 folgen die USA mit 605.000 TEU, was einem Minus von 2,1 Prozent entspricht. Gleichwohl nahm die Anzahl der beladenen Boxen im Containerverkehr mit den USA um 0,6 Prozent auf 540.000 TEU zu. Singapur hält konstant den 3. Rang mit 423.000 TEU (-1,1 Prozent).

In der erweiterten Liste der Partnerländer fallen sowohl Sri Lanka als auch Malaysia positiv auf. Malaysia klettert mit einem Plus von 10,7 Prozent und einem Umschlag von 177.000 TEU auf den 13. Rang. Mit 128.000 TEU und einem Plus von 8,8 Prozent verbessert sich Sri Lanka auf den 17. Platz. War Russland im vergangenen Jahr noch auf dem 4. Platz unter den Top-Partnerländern, so liegt das Land jetzt noch auf Rang 27 mit einem Umschlag von rund 80.000 TEU.

Mehr Anläufe von Megamax-Containerschiffen

Schiffe der sogenannten Megamax-Klasse mit über 18.000 TEU haben Hamburg dem Hafen zufolge im vergangenen Jahr insgesamt 234 mal angelaufen. Damit stieg die Zahl um sechs Prozent.

„Die zunehmende Zahl der Megamax-Containerschiffe zeigt eindeutig, dass die Fahrrinnenanpassung auch mit einer vorübergehend verminderten Tiefe weiter angenommen wird. Die Reedereien haben sich schnell an die neuen Bedingungen angepasst“, sagt Mattern.

So legten auch die Anläufe der zweitgrößten Kategorie zwischen 14.000 und 17.999 TEU um fünf Prozent zu. In der Schiffsgrößenklasse zwischen 10.000 und 13.999 TEU gingen die Anläufe jedoch um 16,6 Prozent zurück. So entstand bei Großcontainerschiffen insgesamt ein Rückgang von 1,2 Prozent auf 486 Anläufe.

Die Anläufe von mittelgroßen Containerschiffen mit Kapazitäten zwischen 8.000 und 9.999 TEU (Very-Large-Container-Ships) nahmen um elf Prozent zu. Nur kleinere Containerschiffe und Feeder kamen insbesondere im zweiten Halbjahr seltener in den Hafen.

Hinterlandverkehre bleiben nahezu stabil

Bei einer genaueren Betrachtung des Containerumschlags zeigt sich, dass die Transhipmentverkehre zu über 90 Prozent für deren Rückgang verantwortlich waren. So fiel der Umschlag um 12,1 Prozent auf 2,90 Millionen TEU. Die Hinterlandverkehre blieben hingegen fast stabil. Die Menge an TEU fiel hier lediglich um 0,9 Prozent auf 5,4 Millionen TEU.

Im Modal Split der Hinterlandverkehre kann die Bahn ihre führende Position halten. So gingen noch immer mehr als die Hälfte aller Container über die Schiene. Mit 50,5 Prozent (-1 Prozentpunkt) ist das Gesamtergebnis zwar leicht rückläufig. Die Schiene bleibt aber mit 2,7 Millionen TEU wichtigster Verkehrsträger für das Hinterland. Trotz des Rückgangs um 2,8 Prozent erreichte die Bahn in diesem Segment das zweitbeste Jahresergebnis ihrer Geschichte.

Bei einem Blick auf die Tonnage im Modal Split der Hinterlandverkehre legt die Bahn sogar um 1,1 Prozentpunkte zu und transportierte 53,9 Prozent der Güter. Mit 47,3 Millionen Tonnen war es das drittbeste Ergebnis nach 2021 und 2019.

Sowohl beim Import als auch beim Export von Seecontainern war im Vergleich zum Vorjahr ein Minus zu verzeichnen. Die weiterhin unsichere Lage auf den Weltmärkten erschwere eine Prognose für das Jahr 2023, so der Hafen.

„Wir hoffen, dass sich die globale Wirtschaft wieder fängt. Das wird auch den Umschlag des Hamburger Hafens unterstützen und steigern“, so das Resümee von HHM-Vorstand Mattern.

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