Jahresbilanz: Otto Group erwirtschaftet 16,2 Milliarden Euro

Das Hamburger Unternehmen musste im Geschäftsjahr 2022/23 aufgrund der Kaufzurückhaltung ein Minus bei den Umsatzerlösen verkraften.

Alexander Birken präsentierte die Jahreszahlen der Otto Group im Mai am Stammsitz in Hamburg. (Foto: Otto Group)
Alexander Birken präsentierte die Jahreszahlen der Otto Group im Mai am Stammsitz in Hamburg. (Foto: Otto Group)
Sandra Lehmann

Das Handels- und Dienstleistungsunternehmen Otto Group hat im Geschäftsjahr 2022/23, das am 28. Februar dieses Jahres endete, 16,2 Milliarden Euro umgesetzt. Das gab der Onlinespezialist im Mai am Stammsitz in Hamburg bekannt. Demnach konnte der Konzern das Umsatzniveau des Geschäftsjahres 2021/22 mit einem Minus von zwei Prozent annähernd halten.

Bei den Umsatzerlösen in Deutschland mussten die Hanseaten jedoch Einbußen hinnehmen. Die Umsatzerlöse gingen aufgrund der großen Kaufzurückhaltung infolge geopolitischer Krisen um 9,2 Prozent auf neun Milliarden Euro zurück.

Dem gegenüber stehe jedoch ein vergleichbares Umsatzwachstum in den ausländischen Märkten von fast 6,3 Milliarden Euro auf knapp 7,2 Milliarden Euro (plus 9,6 Prozent). Die weltweiten E-Commerce-Umsätze lagen mit zwölf Milliarden Euro etwa auf Vorjahresniveau. Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group:

„Die Zahlen zeigen, dass auch wir uns dem Markttrend nicht entziehen konnten. Die sehr bewegten und bewegenden Zeiten vor dem Hintergrund des grauenvollen Krieges in der Ukraine, der Energiekrise, der Inflation und der damit einhergehenden Konsumflaute schlagen sich auch in unseren Geschäften nieder. Auch wenn wir die Zahl der aktiven Kunden leicht steigern und unsere Marktanteile in etwa halten konnten, können wir mit dem Geschäftsjahr nicht zufrieden sein. Dennoch agieren wir nicht zuletzt aufgrund der sehr erfolgreichen Geschäftsjahre 2020/21 und 2021/22 von einer äußerst soliden Basis aus.“

Dazu trage auch die hohe Attraktivität der Handelskonzepte und Plattformen bei. So sei die Zahl der aktiven Kunden in den Multichannel-Distanzhandels-Konzepten erneut angestiegen und liege nun bei rund 54 Millionen. Auf alle Ergebnisebenen hätten sich nicht zuletzt hohe Faktorkosten sowie die Inflation und die daraus resultierende negative Konsumstimmung verbunden mit geringeren Warenkorbgrößen belastend ausgewirkt. Negativen Einfluss hatten Otto zufolge außerdem das hohe Volumen der auf Basis gänzlich anderer Wirtschaftsprognosen für 2022/23 getätigten Warenvorbestellungen und der dadurch in der Konsequenz notwendige Abverkauf über Rabatte sowie die temporären Belastungen aus den strategischen Investitionen in die Plattformtransformation bei Otto und den Logistikausbau.

Schwarze Null erreicht

Dennoch hat der Konzern nach eigenen Angaben auf operativer Ebene eine schwarze Null erreicht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich auf 589 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) betrug 22 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) lag bei minus 224 Millionen Euro. Dabei sei zu beachten, dass die sehr positiven Ergebniseffekte auf Ebene des EBT im vorangegangenen Geschäftsjahr 2021/22 nicht zuletzt aus der Vollkonsolidierung von About You sowie dem Verkauf von Mondial Relay in Frankreich resultierten und damit einmalige Sondereffekte darstellten.

Die Transport- und Logistikwirtschaft war im Jahr 2022 ebenfalls durch die volatile gesamtwirtschaftliche Entwicklung und vor allem die damit verbundene, nachlassende Dynamik im Online- und Versandhandel in Deutschland beeinflusst, heißt es seitens des Konzerns. Das Segment Services, zu dem die Baur Logistik, Girard Agediss, der Hermes Einrichtungsservice, Hermes Fulfilment, Otto International, Evri sowie die Hermes Germany gehören, büßte auf vergleichbarer Basis entsprechend 2,9 Prozent ein und erzielte Umsatzerlöse in Höhe von 390 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse aus den Paket-Distributionsaktivitäten der Hermes Germany in Deutschland sowie von Evri in Großbritannien werden seit dem Geschäftsjahr 2020/21 nicht mehr in den Konzernabschluss der Otto Group einbezogen.

Wie schon in den vorigen Geschäftsjahren setzt die Otto Group nach Eigenangaben auch im laufenden Geschäftsjahr einen Schwerpunkt bei Investitionen und Innovationen mit hoher strategischer Relevanz. Dafür wird die Unternehmensgruppe erneut einen dreistelligen Millionenbetrag einsetzen.

Lieferqualität weiterhin verbessern

Unter anderem investiert die Otto Group auch weiterhin in einen wettbewerbsfähigen Lieferservice und eine grundsätzliche Optimierung der Zustell- und Lieferqualität. So soll das sich im Bau befindende neue Logistikzentrum im westpolnischen Ilowa wie angekündigt im Frühjahr 2024 den Betrieb aufnehmen. Zu den Investitionen mit hoher strategischer Relevanz gehörten auch weiterhin jene Mittel, die in die Weiterentwicklung der Konzerngesellschaft Otto hin zur E-Commerce-Plattform fließen. Mittlerweile werden Umsätze in drei Geschäftsfeldern erzielt: als Händler, als Marktplatzanbieter und als Serviceanbieter.

Einen Schritt hin zu einer weiteren Optimierung der Leistung gegenüber den Kunden geht die Otto Group gemeinsam mit dem Robotikanbieter Covariant. Ziel der Partnerschaft sei es, Hunderte von KI-gesteuerten Robotern in den Fulfillment-Zentren des Handels- und Dienstleistungskonzerns zu installieren, angefangen mit den Standorten Haldensleben und Altenkunstadt.

Fokus auf zirkuläre Geschäftsmodelle

Weiterhin verantwortungsvoll und beispielgebend im Sinne von Mensch und Natur zu wirtschaften, bleibt klarer Anspruch der Otto Group. Ziel sei es, die Geschäftsmodelle der Otto Group umweltverträglich und sukzessive zirkulär auszurichten. Treiber der Maßnahmen und Aktivitäten beim Thema Kreislaufwirtschaft sind die Konzerngesellschaften der Otto Group, die bereits heute konkrete zirkuläre Lösungen umsetzten. So biete Bonprix Cradle to Cradle Certified Textilien an. Otto wiederum hat in Zusammenarbeit mit dem Start-up Circular.Fashion die erste „Circular Collection“ auf den Markt gebracht. Eine weitere ist für Herbst 2023 geplant.

Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen möchte die Unternehmensgruppe die eigenen Ressourcen im laufenden Geschäftsjahr noch gezielter einsetzen. Der Fokus liege auf einem konsequent ertrags- und liquiditätsgesteuerten Handeln und der gleichzeitigen Konzentration auf den Anspruch, die bestmögliche Leistung gegenüber den Kunden zu erbringen.

„Auch im laufenden Geschäftsjahr sind wir mit anhaltenden Unsicherheiten und großen Herausforderungen konfrontiert. Aber wir passen uns schnell und flexibel neuen Marktsituationen an – das macht uns stark für die Zukunft. Entsprechend rechnen wir auf Konzernebene für das Geschäftsjahr 2023/24 trotz der volatilen und widrigen Rahmenbedingungen mit einem stabilen Umsatzniveau und einem EBIT in einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich“, so Alexander Birken.

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