Jahresbilanz: HHLA legt 2021 deutlich an Umsatz zu

Mit Blick auf 2022 erwartet das Unternehmen für den unmittelbar vom Ukrainekrieg betroffenen HHLA-Containerterminal in Odessa, dass die Geschäftstätigkeit zumindest temporär zum Erliegen kommt.

Durchwegs positiv bilanziert die HHLA das Jahr 2021. (Foto: Raetzke/HHLA)
Durchwegs positiv bilanziert die HHLA das Jahr 2021. (Foto: Raetzke/HHLA)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) meldet für das Geschäftsjahr 2021 eine Steigerung ihres Konzernumsatzes um 12,7 Prozent auf 1.465,4 Millionen Euro. Im Jahr 2020 hatte sie 1.299,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Konzern-Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich den vorgelegten Zahlen zufolge um 84,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 228,2 Millionen Euro waren es. Im Jahr 2020 hatte die HHLA 123,6 Millionen Euro bilanziert. Während der Containerumschlag im Jahresvergleich um 2,5 Prozent auf 6,943 Millionen TEU (20-Fuß-Standardcontainer) anstieg, erhöhte sich das Transportvolumen um zehn Prozent auf 1,690 Millionen TEU.

Angela Titzrath, HHLA-Vorstandsvorsitzende, erklärte dazu:

„Als Logistiker sind wir es gewohnt, mit besonderen Herausforderungen umzugehen. In den vergangenen zwei Jahren war es die Pandemie, die uns viel abverlangte, nun ist es der völkerrechtswidrige Krieg in der Ukraine.“ 

Mit ihrem Containerterminal in Odessa ist die HHLA unmittelbar von dem Ukrainekrieg betroffen: Das Terminal ist in Abstimmung mit den ukrainischen Behörden aktuell für den wasserseitigen Umschlag geschlossen. Man bekomme in Hamburg-St. Annen tägliche Reports aus Odessa und stehe mit den Mitarbeitern vor Ort in der Ukraine in engem Austausch, sagte Titzrath am 24. März auf einer Pressekonferenz. Viele Mitarbeiter engagierten sich nun im Zuge des Kriegsrechts für die Landesverteidigung.    

Die HHLA sei robust und stabil genug sowie finanziell solide aufgestellt, um auch in schwierigen Zeiten ihren Versorgungsauftrag zuverlässig zu erfüllen, so Titzrath weiter.

Stark erhöhte Lagergelderlöse im Zuge von Schiffsverspätungen

Der börsennotierte Teilkonzern Hafenlogistik erwirtschaftete ein Betriebsergebnis (Ebit) in Höhe von 212,6 Millionen Euro, ein Sprung von gut 100 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Einen wichtigen Anteil daran hatten Rückstellungszuführungen in Höhe von 43 Millionen Euro. Ohne diese hätte das Betriebsergebnis 153 Millionen Euro betragen. Positiv auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung wirkten sich die unterjährig stark erhöhten Lagergelderlöse infolge der anhaltenden Störungen der globalen Lieferketten mit massiven Schiffsverspätungen aus. Diese führten zu längeren Verweildauern und zusätzliche Bewegungen von Containern auf den Hamburger Terminals der HHLA. Positiv wirkte sich auch eine rückwirkend gewährte höhere Trassenpreisförderung in Höhe von rund elf Millionen Euro aus.

Der Löwenanteil des Containerumschlags von 6,943 Millionen TEU entfiel auf die drei Hamburger Containerterminals. Alleine dort wurden 6,328 Millionen TEU be- und entladen – 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Zur positiven Entwicklung der Ladungsmenge trugen maßgeblich die Fahrtgebiete Fernost sowie Nord- und Südamerika bei. Die drei internationalen Containerterminals in Odessa, Tallinn und Triest verzeichneten einen Zuwachs im Umschlagvolumen von 5,3 Prozent auf 0,615 Millionen TEU. Der Containerumschlag an den internationalen Terminals übertraf damit das Vor-Pandemie-Niveau von 2019 um 0,4 Prozent.

Das Volumen im Containertransport erhöhte sich um zehn Prozent auf 1,690 Millionen TEU gegenüber 1,536 Millionen TEU in 2020. Dabei profitierten die Bahntransporte weiterhin stärker von der Erholung des Ladungsaufkommens als die Straßentransporte. Die Bahntransporte stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent, von 1,222 Millionen TEU auf 1,379 Millionen TEU. Die Straßentransporte lagen in einem anhaltend schwierigen Marktumfeld mit einer Transportmenge von 0,312 Millionen TEU in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Mit Prognosen für des Jahr 2022 ist das Unternehmen higegen vorsichtig. Durch die Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts hätten sich die bestehenden Unsicherheiten im gesamtwirtschaftlichen Umfeld verstärkt, heißt es. Für den unmittelbar vom Kriegsgeschehen betroffenen HHLA-Containerterminal in Odessa erwartet das Unternehmen, dass die Geschäftstätigkeit zumindest temporär zum Erliegen kommt. Die weitere Entwicklung sei „derzeit nicht prognostizierbar“. Darüber hinaus rechnet die HHLA damit, dass der Russland-Ukraine-Konflikt insbesondere durch die Auswirkungen angekündigter Sanktionen und möglicher Gegenreaktionen zu noch nicht einzuschätzenden Beeinträchtigungen der konjunkturellen Entwicklung in Europa und darüber hinaus führen kann. Mit Blick auf die Lagergelderlöse im Segment Container erwartet das Unternehmen, dass sich die Situation im Verlauf des zweiten Halbjahres sukzessive normalisieren wird.

Für den Teilkonzern Hafenlogistik rechnet das Unternehmen mit einem moderaten Anstieg gegenüber dem Vorjahr sowohl bei Containerumschlag als auch den Containertransporten. Im Segment Container ist ein starker Rückgang und im Segment Intermodal ein moderater Anstieg des jeweiligen Ebit möglich.

Zur weiteren Steigerung der Produktivität und Erhöhung der Kapazität in den Segmenten Container und Intermodal sind für das Jahr 2022 Investitionen auf Konzernebene in einer Bandbreite von 300 bis 350 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen 270 bis 320 Millionen Euro auf den Teilkonzern Hafenlogistik.

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