IT: Deutschland und Frankreich planen europäische Cloud „GAIA-X“

22 Unternehmen wollen sich in dem digitalen Ökosystem zusammenschließen.

Eine gemeinsame digitale Infrastruktur für Europa wollen Deutschland und Frankreich voranbringen. (Foto: Barameefotolia / Adobe Stock)
Eine gemeinsame digitale Infrastruktur für Europa wollen Deutschland und Frankreich voranbringen. (Foto: Barameefotolia / Adobe Stock)
Therese Meitinger

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire haben am 4. Juni gemeinsam die bisherigen Ergebnisse und nächsten Schritte des Projekts „GAIA-X“ vorgestellt. Mit dem Projekt GAIA-X, an dessen Ende ein digitales Ökosystem stehen soll, verfolgen Deutschland und Frankreich das Ziel, eine vertrauenswürdige und sichere Dateninfrastruktur für Europa aufzubauen, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). 22 Unternehmen, von denen je elf aus Deutschland und Frankreich kommen, präsentierten in der der virtuellen Konferenz am 4. Juni offiziell die Organisation, in der sie sich als Rahmen für das Ökosystem GAIA-X zusammenschließen werden. Sie bilden laut BMWi sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite von GAIA-X ab. Alle Mitglieder der Organisation verpflichten sich demzufolge zur Einhaltung folgender Leitprinzipien: Schutz der Datensouveränität, der Datenverfügbarkeit, der Interoperabilität, der Portabilität, der Förderung der Transparenz und der fairen Teilhabe.

Bundesminister Altmaier sagte mit Blick auf die Coronapandemie:

„Europa muss gestärkt aus der Krise hervorgehen und digitale Innovationen mit aller Kraft vorantreiben – für die Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplätze der Zukunft. Mit GAIA-X gehen wir einen großen Zukunftsschritt in die Datenökonomie. Das Ziel ist ein digitales Ökosystem in Europa, das Innovationen und neue datengetriebene Dienste und Anwendungen hervorbringt.“

Erstes technisches Architekturkonzept vorgestellt

Bei der virtuellen Präsentation wurde ein erstes technisches Architekturkonzept vorgestellt. Es beschreibt unter anderem die für das Ökosystem GAIA-X zentralen Dienste, die einzuhaltenden europäischen Regeln und Normen sowie die Anforderungen aus Sicht der Anwender. Letztere wurden dem BMWi aus inzwischen über 40 Use Cases abgeleitet.

Fünf Publikationen wurden veröffentlicht, die mit den beteiligten Unternehmen und Organisationen erarbeitet wurden, um die nächsten Schritte zu konkretisieren und vorzubereiten:

  •     GAIA-X – das europäische Projekt startet in die nächste Phase: Gibt einen Überblick über die mit GAIA-X verfolgten Ziele, Ergebnisse und den weiteren Prozess.
  •     GAIA-X: A Pitch Towards Europe – Statusbericht zu Anwenderökosystemen und -anforderungen: Mehr als 40 Anwendungsbeispiele aus den acht Domänen „Industrie 4.0/KMU-Kleine und mittelständische Unternehmen“, „Gesundheitswesen“, „Finanzwesen“, „Öffentlicher Sektor“, „Smart Living“, „Energie“, „Mobilität“ und „Agrar“ demonstrieren den Mehrwert, den GAIA-X im Verhältnis zum Status Quo leisten kann. Aus diesen Beispielen wurden sektorübergreifende Anforderungen an GAIA-X abgeleitet.
  •     GAIA-X: Technical Architecture - Release May/2020: Mit dem ersten Architekturpapier wird ein Konzept für GAIA-X vorgestellt, das wesentliche Funktionen von GAIA-X, die so genannten föderierten Dienste („federated services“) und Rollen sowie Funktionsweisen im GAIA-X-Ökosystem technisch beschreibt.
  •     GAIA-X: Policy Rules and Architecture of Standards: Die föderierte Architektur baut auf europäischen Regeln und Standards auf und wird diese effizient umsetzen. Eine erste Übersicht der Vorschläge für „Policy Rules and Architecture of Standards (PRAAS)“ wird vorgestellt und ebenso der Prozess, wie diese systematisch fortentwickelt werden.
  •     GAIA-X: Driver of digital innovation in Europe - Featuring the next generation of data infrastructure: Die Publikation bietet eine High-Level Sicht auf GAIA-X und erklärt einfach beschrieben die Funktionsweise und Zusammenhänge.

Auf dem Digital-Gipfel im Oktober 2019 wurde die Idee einer europäischen Dateninfrastruktur erstmals öffentlich präsentiert. Aktuell arbeiten dem BMWi zufolge Vertreterinnen und Vertreter aus rund 300 europäischen und internationalen Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen im Rahmen von GAIA-X daran, diese Idee in die Tat umzusetzen.

Printer Friendly, PDF & Email