IoT: Bosch erprobt 5G in der Halbleiter-Produktion

Das internationale Forschungsprojekt „5G-SMART“ soll Rahmenbedingungen für den neuen Kommunikationsstandard prüfen.

 Halbleiter aus Siliziumkarbid in der Bosch Waferfab in Reutlingen. (Foto: Bosch)
Halbleiter aus Siliziumkarbid in der Bosch Waferfab in Reutlingen. (Foto: Bosch)
Therese Meitinger

Das Stuttgarter Technologieunternehmen Bosch hat einer Mitteilung zufolge im August mit Verträglichkeitstests und Kanalmessungen für den Aufbau eines 5G-Netzes im Halbleiterwerk in Reutlingen begonnen.

„Bei Bosch haben wir uns frühzeitig mit 5G in Forschung und Entwicklung beschäftigt und sind überzeugt, dass der neue Mobilfunkstandard für einen Schub bei Industrie 4.0 sorgt“, sagt Dr. Michael Bolle, Bosch-Geschäftsführer und CDO/CTO.

Das Unternehmen beteiligt sich nach Eigenangaben am internationalen Forschungsprojekt „5G-SMART“ mit dem Ziel, das Potenzial des neuen Kommunikationsstandards in realen Produktionsumgebungen zu erproben, zu demonstrieren und zu bewerten. Im Rahmen von 5G-SMART werden demzufolge im Bosch-Halbleiterwerk in Reutlingen, am Ericsson-Standort in Kista in Schweden sowie auf dem 5G-Industry Campus Europe des Fraunhofer IPT in Aachen 5G-Anwendungen für die Fertigung getestet.

Wie wirkt sich 5G auf die Produktion aus?

Gemeinsam mit Ericsson habe man im August mit Verträglichkeitstests begonnen, die Aufschluss darüber geben sollen, inwieweit 5G die Produktion beeinflusst, so Bosch.

„Die Halbleiterfertigung ist äußerst komplex und sensitiv. Über 1000 Tests durchlaufen Wafer, ehe die mikroskopisch kleinen Elemente in unterschiedlichen Produkten zum Einsatz kommen, beispielsweise in Airbags, Smartphones oder eBikes. Elektromagnetische Wellen können bei der Fertigung Störquellen sein“, sagt Andreas Müller, Bosch-Forscher und Vorsitzender der internationalen Initiative 5G-ACIA (5G Alliance for Connected Industries and Automation).

Zudem werden dem Unternehmen zufolge Kanalmessungen durchgeführt. Sie sollen Erkenntnisse liefern, wie sich eine optimale Netzabdeckung gewährleisten lässt, wo und wie engmaschig beispielsweise Sendeantennen im Werk platziert werden müssen. Auf Basis der Ergebnisse plant Bosch, ein 5G-Testnetz bis Herbst in der Halbleiterfertigung in Reutlingen zu errichten und erste 5G-Anwendungen umzusetzen. Dabei sollen Ingenieure prüfen, inwiefern sich Maschinen und Anlagen anstelle von W-LAN oder einer Verkabelung noch effizienter und besser über 5G realisieren und anbinden lassen. Einsatzfelder seien unter anderem autonome Transportsysteme, die über eine lokale Cloud gesteuert werden oder der Fernzugriff auf Maschinen und die Kommunikation von industriellen Anlagen untereinander, so Bosch.

Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt in Reutlingen will der Hersteller künftig auch bei den Planungen von 5G-Netzen nutzen, beispielsweise im neuen Halbleiterwerk in Dresden. „Wir bauen in Dresden die weltweit erste 5G-fähige Halbleiterfabrik von Bosch. Von Tag eins an wird das Werk 5G-ready sein“, sagt Bolle. In die neue Waferfab investiert Bosch rund eine Milliarde Euro – die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte. Ende 2021 soll die Produktion anlaufen.

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