Intralogistik: Westfalia zieht um

Intralogistikspezialist aus Borgholzhausen stellt die Weichen für die Zukunft.

Die Westfalia Logistics Solutions Europe Gmbh & Co.KG zieht zum 1. Januar 2023 in das Interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Borgholzhausen/Versmold an der A33. Dort entsteht der neue Stammsitz. (Foto: Westfalia)
Die Westfalia Logistics Solutions Europe Gmbh & Co.KG zieht zum 1. Januar 2023 in das Interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Borgholzhausen/Versmold an der A33. Dort entsteht der neue Stammsitz. (Foto: Westfalia)
Matthias Pieringer

Der Coronapandemie zum Trotz platzt die Fertigung des Intralogistikspezialisten Westfalia Logistics Solutions Europe GmbH & Co. KG nach Unternehmensangaben derzeit aus allen Nähten. Zum 1. Januar 2023 wird der zur Hüllhorster Wortmann-Gruppe („Terra-Computer“) gehörende Maschinen- und Anlagenbauer daher vollständig aus der Industriestraße 11 in Borgholzhausen in das Interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Borgholzhausen/ Versmold (IBV) umsiedeln. Am Stammsitz in Borgholzhausen (Nordrhein-Westfalen) arbeiten derzeit circa 160 Mitarbeiter.

Doppelte Testkapazität

Büro und Verwaltung werden am neuen Standort von rund 3.000 auf 5.000 Quadratmetervergrößert, Produktion und Lager von rund 6.000 auf 10.000 Quadratmeter, wie Westfalia am 12. Februar meldete.  Die Abläufe im Werk sollen mit dem Neubau „deutlich optimiert“ werden. Auch werde zukünftig mit einem zweispurigen Teststand nicht nur die doppelte Testkapazität zur Verfügung stehen, sondern auch die wegen der Unplanbarkeit im Projektgeschäft notwendigen Pufferzonen für fertige Regalbediengeräte.

Nachhaltigkeit im Blick

Der geplante Gebäudekomplex mit circa 140 mal 66 Metern wird in energiesparender Bauweise errichtet. Geheizt wird mit einer umweltschonenden Luftwärmepumpe. Die Dächer des Gebäudes und der teilweise überdachten Parkplätze werden mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet.

Maßnahmen zur Überbrückung

Bis die Fertigung am neuen Standort auf 10.000 Quadratmeter Realität ist, heißt es für Westfalia, zu überbrücken und auf derzeit 6.000 Quadratmeter etliche große Projekte abzuwickeln. Dazu greift Werksleiter Christian Schlief auch zu einem ungewöhnlichen Mittel – er hat ein Loch in die Fassade der Produktionshalle geschnitten. „Nur so bekomme ich gerade parallel die vielen Aufträge, unter anderem von fast 40 Meter langen Regalbediengeräten, gefertigt“, so der Diplom-Ingenieur. In den vergangenen fünf Jahren erkennt das ostwestfälische Unternehmen einen eindeutigen Trend zu höheren Regalbediengeräten, die die Regalstellplätze anfahren und Hunderte von Paletten pro Stunde automatisch ein- und auslagern. „40 Meter sind nichts Ungewöhnliches, sondern gehören mittlerweile zum Standard“, sagte Schlief.

In Zukunftsbranche

Eines hat die Coronapandemie nach Ansicht des Intralogistikunternehmens deutlich gemacht: Westfalia ist in einer Zukunftsbranche unterwegs. „Die Preise für Logistikdienstleistungen und Transport gehen gerade durch die Decke“, so Andreas Gartemann, geschäftsführender Gesellschafter von Westfalia, über die Marktlage. Zudem ist die Just-in-time-Verfügbarkeit von Produkten zurzeit nicht mehr selbstverständlich“, ergänzte er. So werden Lagerflächen zunehmend knapper und folglich teurer. Das spiele dem Borgholzhausener Unternehmen in die Karten, setze Westfalia doch auf besonders kompakte und damit effiziente Lagersysteme.

„Gut gefüllte Auftragsbücher“

Wenig verwunderlich ist es laut Westfalia also, dass das Unternehmen aktuell auf gut gefüllte Auftragsbücher schauen könne, die es auslasten und Planungssicherheit bis weit ins Jahr 2022 schaffen. Herausfordernd dabei seien allerdings die teilweise ehrgeizig geplanten Terminwünsche der Kunden oder plötzlich eintretende terminliche Veränderungen. „Wir sind schließlich nicht allein auf der Baustelle und müssen oftmals auf bauseitige Terminverschiebungen flexibel reagieren. Es ist also mehr Pufferkapazität im Werk nötig, um mit solchen Änderungen im Projektgeschäft umgehen zu können“, so Werksleiter Christian Schlief. Nach Unternehmensgaben noch ein Grund mehr, die Expansionspläne im von Unsicherheit geprägten Coronajahr 2020 eben nicht auf Eis zu legen, sondern diese sogar noch zu beschleunigen.

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