Intralogistik: Gewinn von Jungheinrich geht im zweiten Quartal 2022 um 24 Prozent zurück

Der Gewinn von Jungheinrich hat sich im ersten Halbjahr 2022 um 14,5 Prozent auf 103,4 Millionen Euro reduziert. Der Intralogistikanbieter begründete dies mit dem Russland-Ukraine-Krieg und tiefgreifenden Störungen der weltweiten Lieferketten.

Der Intralogistikanbieter Jungheinrich erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2022 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum einem um 14,5 Prozent niedrigeren Gewinn. (Bild: Jungheinrich)
Der Intralogistikanbieter Jungheinrich erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2022 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum einem um 14,5 Prozent niedrigeren Gewinn. (Bild: Jungheinrich)
Gunnar Knüpffer

Das Ergebnis von Jungheinrich nach Steuern ist im ersten Halbjahr 2022 um 14,5 Prozent auf 103,4 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. Im zweiten Quartal 2022 reduzierte sich das Ergebnis sogar um 24 Prozent auf 53,9 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal, teilte Jungheinrich am 12. August bei der Veröffentlichung seiner Halbjahreszahlen mit.

Das EBIT ging um sieben Millionen Euro beziehungsweise vier Prozent auf 162 Millionen Euro (Vorjahr: 169 Millionen Euro) zurück. Die EBIT-Rendite lag mit 7,4 Prozent deutlich unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes (8,5 Prozent).

„Der Russland-Ukraine-Krieg und die tiefgreifenden Störungen der weltweiten Lieferketten mit massiven Steigerungen bei den Materialkosten haben ein hohes Maß an Unsicherheit im Markt verursacht, dennoch konnte Jungheinrich in diesem widrigen Umfeld seinen Auftragseingang steigern und ein gutes Umsatzwachstum erzielen“, sagte Dr. Lars Brzoska, Vorstandsvorsitzender der Jungheinrich AG.

Der Konzernumsatz erreichte im ersten Halbjahr 2022 mit 2,202 Milliarden Euro einen um elf Prozent höheren Wert als im Vorjahreszeitraum (1,988 Milliarden Euro). Die Erlöse im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland stiegen in der Berichtsperiode um sieben Prozent auf 514 Millionen Euro (Vorjahr: 479 Millionen Euro). Die Auslandsumsätze erhöhten sich deutlicher um zwölf Prozent auf 1,688 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,509 Milliarden Euro).

Auftragsbestand von Jungheinrich stieg im ersten Halbjahr um 40 Prozent

Wesentlicher Treiber für den gegenüber dem Vorjahr höheren Konzernumsatz war insbesondere das Neugeschäft, unter anderem mit Zuwächsen im Geschäft mit Automatiksystemen. Ebenso trugen das Kundendienstgeschäft und der Umsatz mit Miet- und Gebrauchtgeräten merklich zum Umsatzplus bei.

Der Auftragsbestand des Neugeschäftes erreichte zum Ende des ersten Halbjahres 2022 einen Wert von 1,814 Milliarden Euro und war somit um 522 Millionen Euro beziehungsweise 40 Prozent höher als der Vorjahreswert (1,292 Milliarden. Euro). Gegenüber dem Bestandswert von 1,519 Milliarden Euro zum Jahresende 2021 ergab sich ein Aufbau um 295 Millionen Euro beziehungsweise 19 Prozent. Grund für den weiterhin sehr hohen Auftragsbestand sei die nach wie vor eingeschränkte Verfügbarkeit von Produktionsmaterial für die Weiterverarbeitung gewesen, hieß es vonseiten Jungheinrichs.

„Die Herausforderungen in den Lieferketten infolge des Russland-Ukraine-Krieges und der andauernden Corona-Pandemie waren weiterhin sehr hoch“, teilte Jungheinrich mit. Aufgrund der globalen Vernetzung erstreckten sich die Auswirkungen der Lieferkettenengpässe auf das gesamte Lieferanten- und Materialportfolio sowie die dazugehörenden Logistikkapazitäten.

Das EBT soll gegenüber dem Wert von 2021 sinken

Jungheinrich geht für das Gesamtjahr 2022 davon aus, dass EBIT und das EBT jeweils unter dem Vorjahreswert liegen (2021: 360 Millionen Euro beziehungsweise 349 Millionen Euro). Das Unternehmen rechnet mit ebenfalls deutlich niedrigeren Renditen für EBIT und EBT im Vergleich zum Vorjahr (2021: 8,5 Prozent beziehungsweise 8,2 Prozent).

Aktuell prognostiziert der Konzern für 2022 einen leicht unter dem Vorjahr liegenden Auftragseingang aus (2021: 4,9 Milliarden Euro). Für den Konzernumsatz 2022 erwartet Jungheinrich bei anhaltenden Engpässen in den Lieferketten einen leicht über dem Vorjahr liegenden Wert (2021: 4,2 Milliarden Euro).

Zur Sicherstellung seiner Lieferfähigkeit hatte Jungheinrich im ersten Halbjahr 2022 bewusst den Aufbau von Vorräten forciert. Aufgrund des stark gestiegenen Working Capital ging die erstmals von Jungheinrich ausgewiesene neue Steuerungskennzahl Free Cashflow auf minus 270 Millionen Euro (Vorjahr: plus 84 Millionen Euro) zurück.

Im Rahmen der Strategie 2025+ treibt Jungheinrich die Weiterentwicklung von Energiespeichersystemen basierend auf der Lithium-Ionen-Technologie voran. Einen Schwerpunkt legt das Unternehmen auf die Verbesserung der Konstruktion neuer Flurförderzeuge, wie sie Jungheinrich bei seinen Lithium-Ionen-integrierten Fahrzeugen der „PowerLine“ schon umgesetzt hat.

Ausgaben für Forschung und Entwicklung wurden um 27 Prozent erhöht

Ferner beschäftigt sich das Unternehmen mit digitalen Produkten, der Automatisierung von Flurförderzeugen sowie die Optimierung von automatisierten Systemen. Ende Mai hatte das Unternehmen auf der LogiMAT in Stuttgart neue Mobile Robots-Anwendungen sowie das Behälter-Kompaktlager PowerCube vorgestellt.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung hat Jungheinrich im ersten Halbjahr 2022 deutlich um 27 Prozent auf 61 Millionen Euro erhöht (Vorjahr: 48 Millionen Euro). Im Rahmen des Ausbaus seiner strategischen Handlungsfelder hat Jungheinrich seine Belegschaft weiter planmäßig erweitert. Die Anzahl der Mitarbeiter des Konzerns stieg um 297 Vollzeitäquivalente beziehungsweise 1,6 Prozent auf 19.400.

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