Intralogistik: Auszeichnungen "LogiMAT BESTES PRODUKT 2020" vergeben

Wiferion, Kern und MotionMiners gewinnen die Auszeichnung „LogiMAT BESTES PRODUKT 2020“.

LogiMAT BESTES PRODUKT 2020: Eine unabhängige Jury wählte aus 115 Bewerbungen drei Preisträger. (Bild: EUROEXPO; Montage: Bartl))
LogiMAT BESTES PRODUKT 2020: Eine unabhängige Jury wählte aus 115 Bewerbungen drei Preisträger. (Bild: EUROEXPO; Montage: Bartl))
Melanie Endres

Ein induktives Schnellladesystem, ein Multiformat-Verpackungssystem und ein System zur automatischen und anonymen Analyse manueller Arbeitsprozesse sind die Lösungen, die den Preis „LogiMAT BESTES PRODUKT 2020“ erhalten haben. Eine unabhängige Jury aus Wissenschaftlern und Journalisten hat aus insgesamt 115 eingegangenen Bewerbungen drei Preisträger ausgewählt, die dem Namen „LogiMAT BESTES PRODUKT“ alle Ehre machen sollen. Wie die EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH am 10. März vermeldete, erfüllen sie in herausragender Weise die Wettbewerbsbedingungen: Produktivitätssteigerung, Kostenersparnis und Rationalisierung.

In der Kategorie „Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik“ hat das Start-up Wiferion gewonnen, bei „Identifikation, Verpackungs- und Verladetechnik, Ladungssicherung“ siegt die Kern AG und MotionMiners räumt in der Kategorie „Software, Kommunikation, IT“ ab. „Die ausgezeichneten Unternehmen leisten mit ihren Produkten einen Beitrag zu sicheren Prozessen, zur leichteren Anpassung an Veränderungen, zur Effizienzverbesserung und somit letztlich zur Steigerung der Produktivität in der Logistik", teilte die EUROEXPO mit.

Ursprünglich sollte heute, am 10. März, im Rahmen der feierlichen Eröffnung der LogiMAT 2020 gegen 10.30 Uhr die Bekanntgabe der drei Gewinner des „LogiMAT BESTES PRODUKT 2020“ erfolgen und diese sollten live vor Ort in Stuttgart ausgezeichnet werden. Die verstärkte und beschleunigte Verbreitung des Coronavirus in Deutschland, insbesondere auch in der Region Stuttgart, hatte jedoch Konsequenzen auf die Durchführbarkeit dieses Branchenevents. Die LogiMAT 2020 musste aufgrund behördlicher Anordnung in der vergangenen Woche abgesagt werden.

„Wir bedauern diese Entwicklung, die zur Absage unzähliger Großveranstaltungen führt, globale Lieferketten maßgeblich beeinflusst und die Wirtschaft in erheblichen Maß schädigt. Als Vorsitzender der Jury LogiMAT BESTES PRODUKT bedauere ich noch viel mehr, dass ich die Preisträger, zu denen auch zwei spannende Start-ups gehören, nicht live vor Ort in Stuttgart würdigen kann. Dies schmälert aber in keinster Weise die hervorragenden Leistungen, für die sie in der jeweiligen Kategorie die renommierte Auszeichnung erhalten“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner, Ordinarius des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik der Technischen Universität München.

„Uns als LogiMAT-Veranstalter ist es sehr wichtig, die drei Preisträger heute am ursprünglich ersten Messetag der LogiMAT der breiten Öffentlichkeit bekanntzugeben und damit ihre Spitzenleistungen zu würdigen. Alle drei haben es mehr als verdient. Selbstverständlich werden wir die Auszeichnung „LogiMAT BESTES PRODUKT“ noch persönlich vornehmen und die Medaillen und Urkunden zu einem späteren Zeitpunkt in einem geeigneten Rahmen übergeben“, so LogiMAT-Messeleiter Michael Ruchty vom Münchener Veranstalter EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH.

Wiferion gewinnt in der Kategoire „Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik“

In der Kategorie „Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik“ geht der Preis an das Start-up Wiferion GmbH für sein induktives Schnellladesystem „etaLINK 12000“. Die skalierbare Energielösung sei weltweit das erste kontaktlose Batterieladesystem mit zwölf Kilowatt Leistung und einem Wirkungsgrad von 93 Prozent. etaLINK 12000 ermöglicht den Angaben zufolge das Zwischenladen („In-Process-Charging“) der Lithium-Ionen-Batterien von fahrerlosen Transportsystemen (FTS/AGV), Flurförderzeugen (FFZ) und mobilen Robotern. Ladevorgänge lassen sich so flexibel in die intralogistischen Abläufe integrieren. Durch das Zwischenladen bewege sich das Energielevel der Fahrzeuge auf einem konstant hohen Niveau.

Das Ergebnis: Bei gleicher Fahrzeugleistung können die Batteriekapazitäten in den meisten Fällen um mehr als 30 Prozent kleiner ausfallen und damit die Anschaffungskosten im Batteriebereich erheblich gesenkt werden, so die Angaben. Da zusätzliche Ladepausen und damit Stillstandzeiten entfallen, erhöhen sich die Fahrzeugverfügbarkeiten um bis zu 30 Prozent. Fährt ein Fahrzeug an den Ladepunkt, beginne der Ladeprozess automatisch in weniger als einer Sekunde. Dabei spielt es keine Rolle, aus welcher Richtung die Ladestation angefahren wird. Eine integrierte CAN-Schnittstelle übermittelt Daten zum Batteriezustand und Energielevel an das Flottenmanagement. etaLINK 12000 ist mit allen verfügbaren Batteriesystemen kompatibel.

Kern AG ist Sieger bei „Identifikation, Verpackungs- und Verladetechnik, Ladungssicherung

In der Kategorie „Identifikation, Verpackungs- und Verladetechnik, Ladungssicherung“ geht der Preis an die Kern AG für das Multiformat-Verpackungssystem „PackOnTime 2box“ für maßgefertigte Pakete. Mit dem Konzept hat die Kern AG laut EUROEXPO den Zahn der Zeit getroffen. Für einen reibungslosen Versand der unterschiedlichsten Artikel muss auch die Versandlogistik optimiert und automatisiert werden, so die Pressemeldung. Das Multiformat-Verpackungssystem erfülle die Anforderungen „Smart Pack – Made On Time“ und operiere mit nachhaltigem Recyclingkarton (Wellpappe), so wird zusätzliches Füllmaterial überflüssig. Bestellungen aller Art (Einzel- und Mehrfachartikel) werden im 3D-Verfahren vermessen und danach in die passgenaue Verpackung eingelegt. Die Schachtel wird in den individuell benötigten Abmessungen on-demand produziert und die bestellten Artikel automatisch zugeführt und verpackt.

Das System soll den weltweit boomenden Paketversand ansprechen. Durch die passgenauen Verpackungen lasse sich der ganze Prozess der Lieferkette umweltfreundlicher gestalten. Mit Recyclingkarton, der Reduktion von Füllmaterialen sowie der besseren Auslastung von Lieferfahrzeugen und der damit verbundenen Einsparung an CO2 soll dieses Ziel erreicht werden.

MotionMiners räumt in der Kategorie „Software, Kommunikation, IT“ ab

In der Kategorie „Software, Kommunikation, IT“ geht der Preis an das Start-up MotionMiners GmbH für die Weltneuheit „Manual Process Intelligence (MPI)“. Diese KI-Lösung soll eine automatische und anonyme Analyse manueller Arbeitsprozesse ermöglichen. Herkömmliche Analysemethoden seien äußerst kompliziert und zeitintensiv. Bei der neuen Methode Manual Process Intelligence (MPI) werden Mitarbeiter verschiedener Tätigkeitsbereiche mit mobilen Sensoren und einem Smartphone ausgestattet. Die Lokalisierung erfolgt anonym über Mobile Sensoren (Wearables) und Kleinstfunksender (Beacons). Die in den relevanten Lagerbereichen platzierten Beacons dienen, im Zusammenspiel mit dem Smartphone, der Verortung der Mitarbeiter. Aus den Prozessdaten werden automatisch die einzelnen Arbeitsschritte rekonstruiert und einer weiteren Analyse zugänglich gemacht. Die so erhobenen Daten werden mit einer hochspezialisierten künstlichen Intelligenz, der „MotionMiners-AI“, analysiert, die mit einer Mustererkennungslösung auf Basis von Machine Learning alle Daten verarbeitet. Dazu werden die Bewegungen, Körperhaltungen und auch die Arbeitssituation detektiert und den Aufgaben und Regionen im Arbeitsprozess zugeordnet.

Der Bewegungserkennungskatalog umfasse aktuell mehr als 50 verschiedene Tätigkeiten, wie beispielsweise Gehen, Wartezeiten je Region/Maschine, Picking, Handhabungszeiten je Regal, aber auch gesundes und ungesundes Bücken. Durch den Einsatz von MPI soll eine ganzheitliche Analyse und Optimierung der Prozesseffizienz und das Erkennen von Ergonomierisiken in Produktion und Logistik ermöglicht werden. Der Kunde erhält ein vollumfängliches Messequipment sowie Zugang zu einem Analysedashboard. Die messbaren Einsparungen lagen bei bisherigen Projekten den Angaben zufolge bei zehn bis 15 Prozent mit Peaks bei 40 Prozent.

Hintergrundinformationen zu LogiMAT BESTES PRODUKT

Der Preis „BESTES PRODUKT“ wurde vor 17 Jahren vom Veranstalter der LogiMAT initiiert, um auf die Spitzenleistungen der Aussteller, von denen viele aus dem Mittelstand kommen, aufmerksam zu machen. Seitdem werden innovative Produkte ausgezeichnet, die wesentlich zur Rationalisierung, Kostenersparnis und Steigerung der Produktivität in der innerbetrieblichen Logistik beitragen. Die Auszeichnung „BESTES PRODUKT" wird in drei Kategorien verliehen:

Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik
Software, Kommunikation, IT
Identifikation, Verpackungs- und Verladetechnik, Ladungssicherung

Die Preisträger werden von einer unabhängigen Jury gekürt, die die eingereichten Bewerbungen nach den genannten Gesichtspunkten im Vorfeld der Messe sondiert. Zu den Jurymitgliedern zählen Vertreter aus Wissenschaft und Medien. Der Preis hat sich mittlerweile laut EUROEXPO als eine der begehrtesten Auszeichnungen in der Intralogistik-Branche etabliert.

Die nächste LogiMAT wird vom 9. bis 11. März 2021 in Stuttgart stattfinden.

Der Fachjury für den Preis „BESTES PRODUKT“ gehören an:

  • Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner, Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik, Technische Universität München (Vorsitz)
     
  • Jan Kaulfuhs-Berger, Fachzeitschrift Technische Logistik
     
  • Prof. Dr.-Ing. Rolf Jansen, Institut für Distributions- und Handelslogistik (IDH) des VVL e.V.
     
  • Matthias Pieringer, Fachzeitschrift LOGISTIK HEUTE
     
  • Prof. Dr.-Ing. Wolf-Michael Scheid, VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (VDI-GPL)
     
  • Tobias Schweikl, Fachzeitschrift LOGISTRA
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