Interview: „Wir arbeiten nur mit Lieferanten, die unsere Werte teilen“

Im Gespräch mit LOGISTIK HEUTE erklärt Leonhard Wilhelm, Geschäftsführer beim Naturkost-Pionier Rapunzel, wie faire Zusammenarbeit entlang der Lieferkette langfristig funktionieren kann.

Leonhard Wilhelm ist Geschäftsführer beim Naturkost-Pionier Rapunzel. (Bild: Rapunzel)
Leonhard Wilhelm ist Geschäftsführer beim Naturkost-Pionier Rapunzel. (Bild: Rapunzel)
Therese Meitinger

Dass es allen an der Herstellung seiner Bioprodukte Beteiligten gut geht, ist für den Naturkost-Pionier Rapunzel seit jeher Teil des Markenkerns: Das Unternehmen, das 1974 in Legau gegründet wurde, brachte beispielsweise die weltweit erste Bio-Schokolade auf den Markt – 1987 war das. Den ethischen und ökologischen Anspruch hält Rapunzel-Geschäftsführer Leonhard Wilhelm auch 2023 hoch. Was das bei einem Sortiment von aktuell rund 550 Produkten und einem Nettoumsatz von rund 237 Millionen Euro (2021) für die Lieferketten und die Beschaffung des Unternehmens bedeutet, hat Wilhelm LOGISTIK HEUTE im Interview erklärt.

So setzt der Geschäftsführer etwa auf einen Dreiklang in der Nachhaltigkeit:

„Sehr früh war uns klar, dass soziale und ökologische Nachhaltigkeit nur im Einklang mit einer ökonomischen Nachhaltigkeit funktioniert. Deshalb haben wir über die Jahre sukzessive Partnerschaften auf Augenhöhe entwickelt mit der Ausrichtung auf langfristige Zusammenarbeit.“

Schließlich sei eine Dauerhaftigkeit in der Beschaffung nur über bestehende Nachfrage zu gewährleisten.

Resilient durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Für einen partnerschaftlichen Umgang setzt Rapunzel dabei auf ein tiefgehendes Verständnis für die nötigen Prozessschritte und Bedürfnisse entlang der Lieferkette, das über ein Lieferantenportal und immer wieder persönliche Treffen mit Lieferanten entstehen soll. Hinzukommt Unterstützung, etwa durch das Rapunzel-eigene Fairtrade-Programm „HAND IN HAND“, aber auch klare Vereinbarungen zu sozialen und ökologischen Standards.

„Klar ist für uns auch, dass wir nur mit Lieferanten zusammenarbeiten, die unsere Werte und unsere Philosophie teilen“, sagt Wilhelm.

Von seinen kurzen Lieferketten und langfristigen Handelsbeziehungen habe man etwa in der Coronapandemie profitiert, als Rapunzel über die Lage in unterschiedlichen Produktions- und Beschaffungsländern sehr gut informiert war – und manches Mal bevorzugt bedient wurde.

Für welche Supply-Chain-Risiken sich Rapunzel aktuell aufstellt und welche Rolle Künstliche Intelligenz in der Beschaffungsstrategie des Unternehmens spielt, lesen Sie in der Ausgabe 1-2/2023 von LOGISTIK HEUTE. Sie ist am 17. Februar erschienen.

Nicht linear, sondern im Kreislauf

Die deutsche Industrie litt auch zu Beginn des Jahres 2023 unter rückläufigen Auftragseingängen. Der saisonbereinigte S&P Global/BME-Einkaufsmanagerindex (EMI) notierte im Januar bei 47,3 Punkten und damit leicht über dem Wert des Vormonats (47,1). Trotz des dritten Anstiegs in Folge verharrte der Hauptindex erneut unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.