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Interview: „Marktführer bleibt man nicht, man wird es immer wieder“

Michael ten Hompel, Chef des Fraunhofer IML, über Chinas Initiative fürs Internet der Dinge.
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Matthias Pieringer

Medienberichten zufolge will China massiv in das Internet der Dinge investieren. Bis 2015 sollen deshalb zehn spezielle Industriezonen und 100 Firmen gebildet werden. LOGISTIK HEUTE fragte Prof. Dr. Michael ten Hompel, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund, was die chinesische Initiative bedeutet.

LOGISTIK HEUTE: Herr Professor ten Hompel, wie beurteilen Sie die Pläne Chinas, das Internet der Dinge zu fördern?
ten Hompel: Sehr positiv. Korea und China, aber auch einige europäische Länder haben die Potenziale des Internet der Dinge erkannt und investieren in erheblichem Maße. Wir müssen aufpassen, dass wir in Deutschland nicht abgehängt werden.

LOGISTIK HEUTE: Wie steht China im Vergleich zu Europa bisher da – bezogen auf die Forschung fürs Internet der Dinge und die Umsetzung der Forschungsergebnisse in Logistikanwendungen?
ten Hompel: Bei den logistischen Anwendungen sind wir eine Nasenspitze voraus. Es laufen einige sehr innovative Projekte in Deutschland. Aber das Internet der Dinge ist nicht mehr nur RFID. Der Einsatz passiver Funketiketten an Behältern und Paletten war die Technologie, mit der wir Ende des vorigen Jahrhunderts gestartet sind. Heute sprechen wir über aktive Funkknoten und Sensornetzwerke. Wir werden auf der Messe LogiMat (vom 13. bis 15. März 2012 in Stuttgart, Anmerkung der Redaktion) mit dem „inBin“ zeigen, was heute an Technologie verfügbar ist: ein Prozessor, der ohne Batterie seinen Strom aus der Umgebung bezieht und sich über WLAN bei Twitter anmelden kann, ein Grafikdisplay zur Kommunikation mit dem Menschen, Infrarotsensor und Temperaturfühler. Der überwiegende Teil der Komponenten des „inBins“ ist jünger als zwölf Monate und jeweils für wenige Euros zu haben. Da wird auf einmal vieles möglich und China hat das erkannt.

LOGISTIK HEUTE: Machen Chinas Pläne Ihre Forderung, dass die Logistikwirtschaft ein Prozent des Umsatzes in die Wissenschaft investieren sollte, noch dringender?
ten Hompel: Ja. Es zeigt allem voran die Notwendigkeit, in grundlegende Forschung und Lehre zu investieren. Marktführer bleibt man nicht, man wird es immer wieder. Viele Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass das Internet der Dinge die vierte industrielle Revolution einleiten wird und Initiativen wie „Industrie 4.0“ gehen bereits in diese Richtung.

Einen Gastkommentar von Prof. Dr. Michael ten Hompel mit dem Titel „Ein Prozent für die Wissenschaft!“ lesen Sie auch auf S. 8 in der aktuellen Ausgabe 1-2/2012 des Fachmagazins LOGISTIK HEUTE.

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