Interview: „Das Gesamtoptimum ist nicht die Summe der Teiloptima“

Thomas Panzer, SVP Global Pharma Supply Chain der Bayer AG, erläutert im Gespräch mit LOGISTIK HEUTE, wie ein digitaler Zwilling die Produktionsplanung am Standort Garbagnate resilienter machte.

Thomas Panzer ist SVP Global Pharma Supply Chain der Bayer AG. (Foto: Bayer AG)
Thomas Panzer ist SVP Global Pharma Supply Chain der Bayer AG. (Foto: Bayer AG)
Therese Meitinger

Weg von den Inseln, stattdessen so unterschiedliche Bereiche wie Schichtpläne und die Produktionsplanung zusammenbringen – das hatte sich Bayer Pharmaceuticals für seinen Standort im italienischen Garbagnate vorgenommen. Zudem sollte das Planungssystem dahinter flexibel auf volatile Bedarfe reagieren und diese etwa im Corona-Krisenfall antizipieren können. In einem Pilotprojekt in Italien entwickelte das Unternehmen dabei eine KI-basierte Lösung, die auf einem digitalen Zwilling der gesamten Planungs- und Produktionswelt in Garbagnate aufsetzt. Mit ihr qualifizierte sich Bayer Pharmaceuticals für das Finale des Supply Chain Management Awards 2020.

Im Interview mit LOGISTIK HEUTE stellt Thomas Panzer, SVP Global Pharma Supply Chain der Bayer AG, die Lösung, im Detail vor:

„Dabei berücksichtigen wir die komplexen Zielkonflikte verschiedener Bereiche, um einen holistischen Planungsansatz zu erzeugen, der betriebs- und bereichsübergreifend ist“, so Panzer. „Wir optimieren verschiedene Bereiche wie Verpackung, Herstellung, Analyse- und Freigabelabore – das übergreifende Optimum ist dabei nicht die Summe der Teiloptima, sondern eine alternative Lösung.“

Künstliche Intelligenz als zentraler Faktor

Die Lösung, die nun schrittweise über das gesamte Pharma-Produktionsnetzwerk des Unternehmens ausgerollt werden soll, setzt vor allem auf Künstliche Intelligenz. – Sie kommt Panzer zufolge etwa bei der Analyse der umfangreichen Datenmengen im digitalen Zwilling zum Einsatz und erkennt Trends beziehungsweise Aspekte von Abhängigkeiten, die dann in der vorgeschlagenen Planungslösung berücksichtigt werden.

„Bei uns arbeiten Experten, die seit vielen Jahren in ihrem Gebiet tätig sind – und das sehr gut. Aber künstliche Intelligenz kann Trends und massive Datenmengen in einer deutlich höheren Geschwindigkeit adressieren“, unterstreicht Thomas Panzer den Benefit der Technologie.

Mehr über die KI-basierte Planungslösung von Bayer Pharmaceuticals lesen Sie im Interview mit Thomas Panzer in LOGISTIK HEUTE 4/2021. Panzer spricht darin auch über die Covid-19-Impfstoff-Kooperation von Bayer mit dem Hersteller Curevac. Die April-Ausgabe ist am 21. April erschienen.

Supply-Chain-Risiken im Blick behalten

Ein 400 Meter langes Containerschiff blockiert im März für mehrere Tage den Suezkanal und verursacht damit einen Verkehrsinfarkt, der rund um den Globus nachwirkt. Die Havarie im Nadelöhr des Welthandels führt uns wieder einmal vor Augen, wie abrupt Lieferketten abreißen können und wie wichtig für Unternehmen ein adäquates Supply Chain Risk Management ist.

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