Interview: „Als Einkaufsorganisation schaffen Sie das nicht allein“

Im Interview mit LOGISTIK HEUTE spricht Thomas-Garry Stiller von der Hartmann Gruppe über SCM-Strategien in Zeiten der neuen Medical Device Regulation und anderer Lieferketten-Stresstests.

Thomas-Garry Stiller ist Senior Vice President & Chief Procurement Officer bei der Hartmann Gruppe. (Foto: Hartmann Gruppe)
Thomas-Garry Stiller ist Senior Vice President & Chief Procurement Officer bei der Hartmann Gruppe. (Foto: Hartmann Gruppe)
Therese Meitinger

Als die neue Medical Device Regulation (MDR) der Europäischen Union im Mai in Kraft trat, war die Hartmann Gruppe vorbereitet: Auf Compliance mit der Verordnung, die den Markt für Medizinprodukte in der EU nun deutlich stärker reguliert als zuvor und umfangreiche Dokumentationspflichten fordert, hatte das Unternehmen mehrere Jahre darauf hingearbeitet.

„Als wir 2017 mit den Vorbereitungen begonnen haben, waren wir eines der ersten Unternehmen, die auf diese richtlinienkonforme Anwendung der MDR eingegangen sind“, schildert Thomas-Garry Stiller, Senior Vice President & Chief Procurement Officer des Heidenheimer Medizinproduktherstellers. „Seit Anfang 2020 sind wir mit unserer Supply Base MDR-ready.“

Alle mitnehmen von Einkauf über Supply Chain bis Operations

Geschafft hat das Unternehmen das mit einem groß angelegten Programm, das alle Funktionen und Geschäftsbereiche einschloss – schließlich ist auch die MDR so ausgelegt, dass vom Einkauf über die Supply Chain bis zu Operations jeder Bereich betroffen ist. Darüber hinaus holte die Hartmann Gruppe früh ihre Lieferanten mit ins Boot.

„Wir sehen MDR-readiness als partnerschaftlichen Ansatz“, erläutert Stiller. „Wenn die gesamte Supply Chain mit Rohstoffen, Halbfertigwaren und Fertigwaren nach diesen regulatorischen Anforderungen produzieren sowie dokumentieren muss und die Dokumentation auch permanent auf Stand zu halten ist, schaffen Sie das als Einkaufsorganisation oder Kunde nicht allein.“

Um sicherzugehen, dass Lieferanten Standards zu Warengrupppen einhielten, die jeweils einen sehr unterschiedlichen Dokumentationsaufwand nach sich zogen, entwickelte das Unternehmen ein Baukastenvertragssystem. Der Umfang der Vertragswerke reichte dabei von sieben bis weit über hundert Seiten. Außerdem setzte Hartmann auf Workshops mit unterschiedlichen Einstiegniveaus, für die sich die 500 Medical-Lieferanten des Unternehmens über einen Fragebogen vorab selbst qualifizierten.

Mehr über den Compliance-Ansatz und weitere SCM-Stategien der Hartmann Gruppe lesen Sie im großen Interview mit Thomas-Garry Stiller. Es ist in LOGISTIK HEUTE 11/2021 am 10. November erschienen.

Der Blick nach vorn

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