International Medical Corps: Hilfsorganisation erhält Lynn C. Fritz Medal for Excellence in Humanitarian Logistics

Die US-amerikanische Hilfsorganisation International Medical Corps wird von der Logistics Hall of Fame für die Entwicklung der Software PIMS ausgezeichnet. Diese macht in Katastrophengebieten die letzte Meile in der pharmazeutischen Lieferkette transparent.

Ausgabe von Medikamenten mithilfe der Software PIMS: Für das Projekt zur Steuerung der letzten Meile in der pharmazeutischen Lieferkette wird die humanitäre Organisation International Medical Corps ausgezeichnet. (Bild: International Medical Corps)
Ausgabe von Medikamenten mithilfe der Software PIMS: Für das Projekt zur Steuerung der letzten Meile in der pharmazeutischen Lieferkette wird die humanitäre Organisation International Medical Corps ausgezeichnet. (Bild: International Medical Corps)
Gunnar Knüpffer

Der erste Gewinner der Lynn C. Fritz Medal for Excellence in Humanitarian Logistics steht fest: Die 2023 von der Logistics Hall of Fame vergebene und vom Fritz Institute gestiftete Medaille geht an die US-amerikanische Hilfsorganisation International Medical Corps, verlautbarten die Organisatoren der Logistics Hall of Fame am 21. September in einer Pressemitteilung.

Mit ihrer selbst entwickelten Software „Pharmaceutical Information Management System“ (PIMS) schaffte die Organisation International Medical Corps mit Sitz in Los Angeles laut 16-köpfiger Jury in kurzer Zeit eine Revolution bei der Steuerung der letzten Meile in der pharmazeutischen Lieferkette. Von dem IT-Einsatz, der in Katastrophengebieten große Zeitersparnisse und tiefe Transparenz in die Supply Chain bringe, würden alle profitieren: humanitäre Organisationen, Apotheken, Regierungen und vor allem die Patienten. Inzwischen ist das System an 165 Standorten in 16 Ländern im Einsatz. Seit Oktober 2019 wurden mehr als 1,7 Millionen Rezepte in der Software verarbeitet und rund drei Millionen Artikel an Bedürftige ausgegeben.

Software PIMS steuert Ausgabe von Arzneimitteln in Katastrophengebieten

Das International Medical Corps löste mit der Softwareentwicklung ein zentrales Problem aller humanitären Organisationen: die Dokumentation und Steuerung von Beschaffung, Verfolgung und Ausgabe von Arzneimitteln auf Papiervorlagen. Weil existierende Tools zu teuer oder für den Einsatz in der Katastrophenhilfe nicht geeignet waren, entwickelte ein interdisziplinäres Team nach einem Bottom-up-Ansatz seit 2018 das digitale Tool.

Da PIMS eine effiziente Datenerfassung sowie ein zeitnahes, flexibles Reporting ermöglicht, erhöht der Softwareeinsatz die Transparenz der Prozesse für Ärzte, Lieferkettenmanager, Gesundheitsbehörden sowie Geldgeber. Sie verschafft Medizinern mehr Zeit, sich auf ihre Kernkompetenz der Patientenversorgung zu konzentrieren. PIMS unterstützt die Nutzer auch bei der Quantifizierung, Pharmakovigilanz und Verwendungsprüfung von Arzneimitteln. Ein weiterer Pluspunkt: Das Tool kann an jede beliebige Sprache angepasst werden und benötigt weder eine permanente Internetanbindung, noch eine konstante Stromversorgung.

Die Jury entschied sich unter allen Bewerbungen für die Software des International Medical Corps, weil sie „vom Sektor für den Sektor und von Praktikern für Praktiker“ entwickelt wurde, wie es in der Begründung heißt. „Besonders beeindruckt haben der Bottom-up-Ansatz und die interdisziplinären Teams, die ein kostengünstiges System geschaffen haben, das maximale Transparenz und Effizienz in der pharmazeutischen Lieferkette in Katastrophenregionen herstellt“, sagte Thilo Jörgl, geschäftsführender Juryvorsitzender der Lynn C. Fritz Medal.

Zum Votum der Juroren trugen Ergebnisse bei, die durch den Softwareeinsatz in Jordanien, dem Südsudan und dem Jemen erzielt wurden:

  1. PIMS drückte die Fehlbestände und Überbestände auf weniger als drei Prozent.
  2. Die Bestandsgenauigkeit stieg schon im ersten Monat der Nutzung auf 99,8 Prozent.
  3. Verschreibungszeit sank von durchschnittlich vier bis fünf Minuten auf 41 Sekunden.
  4. Die Wartezeit der Bedürftigen reduzierte sich von durchschnittlich 85 Minuten auf 16 Minuten.
  5. Das dynamische, proaktive Warnsystem führte zu einer 100-prozentigen Eliminierung von Wechselwirkungen und falscher Dosierung.

Vertreter des International Medical Corps nehmen die Medaille im Rahmen des Gala-Empfangs der Logistics Hall of Fame in Berlin am 29. November entgegen. An diesem Abend werden die Cube Storage-Pioniere Ingvar Hognaland und Jakob Hatteland in die Ruhmeshalle der Logistik aufgenommen. Zudem wird der Logistics Leader of the Year 2023 Award verliehen. Die Trophäe geht an Axel Frey und Harry Seifert.

Am 29. November vormittags präsentieren Vertreter des International Medical Corps ihr ausgezeichnetes Projekt ausführlich im Bundesministerium für Digitales und Verkehr. An diesem Tag findet dort die Premiere der ConnectChains – The Humanitarian Supply Chain Conference statt, zu der internationale Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Hilfsorganisationen und den Vereinten Nationen anreisen.