Innovationsmanagement: Logistikdienstleister haben noch Luft nach oben

Die BVL hat im Auftrag der Messe transport logistic die Innovationsfähigkeit von Logistikdienstleistern analysiert.

In Sachen Innovationen haben Logistikdienstleister noch Nachholbedarf. Dafür bietet gutes Innovationsmanagement aber auch hohes Potenzial. Das ergab eine Kurzstudie der BVL. (Foto: Fotogestöber/Fotolia)
In Sachen Innovationen haben Logistikdienstleister noch Nachholbedarf. Dafür bietet gutes Innovationsmanagement aber auch hohes Potenzial. Das ergab eine Kurzstudie der BVL. (Foto: Fotogestöber/Fotolia)
Sandra Lehmann

Politische und wirtschaftliche Verwerfungen, Unterbrechungen in den Lieferketten, neue Technologien sowie der Fachkräftemangel lassen auch im Wirtschaftsbereich Logistik die Notwendigkeit für innovative Konzepte und Dienstleistungen steigen. Deshalb hat sich die Bundesvereinigung Logistik (BVL) im Auftrag der Messe transport logistic (9. bis 12. Mai, München) in einer Kurzstudie der Frage gewidmet, ob insbesondere Logistikdienstleister in der Lage sind, entsprechende Lösungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Befragt wurden dafür 117 Logistik- und Supply Chain-Management-Experten und Entscheider aus Industrie und Handel sowie 213 Experten aus Logistikdienstleistungsunternehmen.

Die Studienautoren betrachteten dafür folgende Schlüsselaspekte:

  • Inwieweit ist die Entwicklung neuer Dienste bei Logistikdienstleistern institutionalisiert?
  • Was sind die Triebkräfte, die die Entwicklung von Logistikinnovationen fördern?
  • Wie viele Ressourcen sollten Logistikdienstleister investieren, um Innovationen voranzutreiben?
  • Wie innovativ ist die Logistikbranche? Und wie innovativ sind die Dienstleistungslösungen, die die Logistikdienstleister in den letzten Jahren entwickelt haben?

Hinsichtlich dieser Fragen konnten fünf Kernergebnisse ermittelt werden:

1. Verlader erwarten innovative Dienstleistungen zum gleichen Preis

Logistikdienstleister setzen immer noch relativ wenig finanzielle und personelle Ressourcen für die Entwicklung neuer Dienstleistungskonzepte ein. Darüber hinaus zeigen die Umfrageergebnisse, dass die Konzeption innovativer Services bei den meisten Anbietern nicht mit einem methodischen und strukturierten Prozess verbunden ist. Das Innovationspotenzial in der Logistikbranche ist der Studie zufolge aber enorm. Um dieses Potenzial zu heben, müssen sich Dienstleister jedoch viel stärker der Notwendigkeit nachhaltiger Investitionen und eines systematischeren Ansatzes bewusstwerden. Auf der anderen Seite ist es so, dass rund ein Drittel der Verlader es zwar positiv finden, einen innovativen Dienstleister zu haben, dafür allerdings nicht mehr bezahlen wollen.

2. Innovation bringt Effizienz und spart Kosten

Die Mehrheit der Logistikidenstleister innoviert mit dem Ziel, Kosteneinsparungen oder Effizienzsteigerungen zu erzielen. Ein weiterer Wert von Innovation, nämlich die Erschließung neuer Märkte sowie die aktive Differenzierung vom Wettbewerb, ist noch nicht allgemein anerkannt.

3. Innovationskraft von Logistikdienstleistern ausbaufähig

Die Logistikdienstleister selbst – ebenso wie die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und des Handels, die regelmäßig Logistikdienstleistungen einkaufen – nehmen die Logistikbranche nicht als sehr innovativ wahr. 42 Prozent der Teilnehmenden aus Industrie und Handel sagen, dass sie diese für wenig oder gar nicht innovativ halten. Rund ein Viertel hält sie für innovativ oder sehr innovativ. Etwa ein Drittel sieht sich mit ihren Dienstleistern gleichauf. Gleichzeitig zeigen die Umfrageergebnisse aber auch, dass Logistikdienstleister selbstbewusster sein sollten. Das Selbstbild dieses Sektors bezüglich ihrer Innovationsfähigkeit ist oft schlechter als die Einschätzung der Verlader. Darüber hinaus zeige die Taxonomie der Innovativität, dass Dienstleister durchaus in der Lage sind, neue Services zu entwickeln, die am äußersten Ende des Kontinuums zwischen inkrementeller und radikaler Neuheit angesiedelt sind.

4. Innovation braucht Mut

Anbieter von logistischen Dienstleistungen scheinen laut den Autoren stark darauf bedacht zu sein, „auf Nummer sicher“ zu gehen und die mit Innovationen verbundenen Risiken zu minimieren. Einerseits ist dies in Anbetracht der vergleichsweise begrenzten Mittel, die zur Verfügung stehen, durchaus verständlich. Dennoch erfordere eine erfolgreiche Innovation den Mut, Ideen auszuprobieren, auch wenn der Erfolg nicht garantiert ist. Insbesondere bei radikaleren Innovationen ist die Etablierung einer Fehlerkultur und die Fähigkeit, aus Misserfolgen zu lernen, von zentraler Bedeutung.

5. Potenzial durch engere Zusammenarbeit

Letztendlich ist der Erhebung zufolge auch auf Seiten der Verlader ein Umdenken erforderlich. Unternehmen aus Industrie und Handel berichten, dass in fast allen logistischen Marktsegmenten Innovationsbedarf besteht. Gleichzeitig sehen die meisten Verlader die Entwicklung von Innovationen ausschließlich als Aufgabe des Dienstleisters an. Doch wertschöpfende Innovationen, die das Potenzial haben, die eigene Wettbewerbsposition wesentlich zu verbessern, entstehen nicht im isolierten Umfeld des Serviceanbieters. Stattdessen sind Partnerschaft, offene Kommunikation und die Bereitschaft, Innovationsinitiativen angemessen zu vergüten, unerlässlich, aber noch lange nicht Realität.