Infrastruktur-Projekt: Initiative will Wasserstoff auf die Straße bringen

Zu den ersten Meilensteinen des „Next Mobility Accelerator Consortium“ zählt der serienreife Wasserstoff-Brennstoffzellen-Truck „PH2P“ der Paul Group.

Vereinen ihre Kräfte im Next Mobility Accelerator Consortium (von links): Jörg Debus (Energy Transition Advisor), Alexander Maier (MaierKorduletsch), Constanze Weinkum (Shell Deutschland), Josef Paul (Paul Group), Lorenz Maier (MaierKorduletsch) und Bernhard Wasner (Paul Group). (Bild: Paul Group)
Vereinen ihre Kräfte im Next Mobility Accelerator Consortium (von links): Jörg Debus (Energy Transition Advisor), Alexander Maier (MaierKorduletsch), Constanze Weinkum (Shell Deutschland), Josef Paul (Paul Group), Lorenz Maier (MaierKorduletsch) und Bernhard Wasner (Paul Group). (Bild: Paul Group)
Therese Meitinger

Die Interessengemeinschaft „Next Mobility Accelerator Consortium“ hat ein Konzept für mittelschwere, mit Wasserstoff-Brennstoffzellen angetriebene Lkw vorgestellt: Die Paul Group, MaierKorduletsch und Shell wollen laut einer Pressemitteilung vom 2. Juni gemeinsam ein serienreifes Fahrzeug in Kombination mit der kompletten Infrastruktur für Wasserstoff, von der Wasserstoff-Herstellung bis zur Produktion der H2-LKW, Logistik und Betankungsmöglichkeiten anbieten. Die strategische Allianz hat sich auf die Fahnen geschrieben, auf diese Weise eine regionale, skalierbare Wertschöpfungskette zu schaffen. Während die OEMs sich bei der Produktion von H2-LKW auf die schweren Lkw-Klassen konzentrierten, lege das Konsortium seinen Fokus zusätzlich auf die Klasse der 12- bis 24-Tonner, heißt es in der Mitteilung. MaierKorduletsch sei auch der erste Kunde, der den „PH2P“-Truck in der Praxis nutzen werde: Das Unternehmen will den Wasserstoff-Lkw für die Auslieferung von Schmierstoffen an Industrie und Werkstätten einsetzen.

Mittelschwerer Lkw mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb

Paul Nutzfahrzeuge hat laut dem Konsortium in seiner Rolle als Fahrzeughersteller den PH2P Truck von der ersten Vorstellung im Oktober 2021 zu einem serienreifen Fahrzeug entwickelt: ein mittelschwerer Brennstoffzellen-Lkw mit 24 Tonnen Zuggesamtgewicht und bis zu 500 Kilometern Reichweite. Als Sonderfahrzeughersteller blickt Paul auf mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Entwicklung von E-Antrieben zurück. Das Unternehmen bietet auch einen Aftersales-Service für die Wasserstoff-Trucks, der Wartung und Reparaturen beinhaltet, aber auch Sicherheitsschulungen für alle, die mit dem PH2P Truck arbeiten werden - vom Fahrer über den Monteur bis zum Tankwart.

MaierKorduletsch installiert erste H2-Tankstelle

Im Konsortium entsteht nach Unternehmensangaben die erste H2-Tankstelle in Passau-Sperrwies auf dem Gelände der Paul Group, umgesetzt durch den Betreiber MaierKorduletsch. Eröffnet soll sie im Januar 2023 werden, bis dahin steht eine mobile Wasserstoff-Tankanlage bereit. MaierKorduletsch ist auf Wasserstoff-Logistik spezialisiert. Das Unternehmen versorgt Logistik, Landwirtschaft, Industrie und ÖPNV mit Energie und Kraftstoff.

Geschäftsführer Lorenz Maier sagt:

„Zusammen mit den Partnern im Konsortium lösen wir das Henne-Ei-Problem für die erfolgreiche Markteinführung von Wasserstoff-LKW in der Transportbranche.“

Die erste Tankstelle in Passau ist laut dem Konsortium dafür konzipiert, zehn Lkw pro Stunde zu betanken. Dies erfordere neue, leistungsfähige Kompressoren und Kühlanlagen – allesamt Spezialanfertigungen, da es noch keine Serienmodelle gebe, heißt es. Weiterhin ist ein zusätzliches Großprojekt geplant: 2026 soll am dann neu gebauten Autobahnanschluss A3/ A 94 in Pocking ein Mobility Hub auf 22.000 Quadratmetern entstehen, mit einer Wasserstoff-Kapazität von bis zu 5.000 Kilogramm Wasserstoff pro Tag, mit Photovoltaik-Anlagen auf den gesamten Dachflächen sowie mehr als 30 E-Schnellladeplätzen.

Shell kauft H2-Fahrzeuge und plant ein Vermiet-Modell

Shell hat laut Unternehmensangaben bereits 25 PH2P-Fahrzeuge gekauft. Diese Fahrzeuge sollen interessierten Kunden ab Herbst 2022 über eine Mobilitäts-Plattform angeboten werden – über die sie das Fahrzeug anmieten und Inklusivleistungen wie den Wasserstoffbezug, Versicherung, Wartung und Service sowie Schulung der Fahrer und Fuhrparkleiter beziehen können. Man sehe in Wasserstoff großes Potenzial, um die Dekarbonisierung des Mittel- aber auch Schwerlastverkehrs voranzutreiben, gibt Shell an. Daher plant Shell über das Konsortium hinaus bis 2025 mit weiteren Partnern, vorbehaltlich einer finalen Investmententscheidung, insgesamt bis zu 2.500 Brennstoffzellen-Lkw unterschiedlicher Fahrzeugklassen anzubieten. Auch diese sollen über die Mobilitäts-Plattform in den Markt gebracht werden. Zeitgleich will Shell nach eigenen Angaben entlang pan-europäischer Transportrouten eine entsprechende Infrastruktur von bis zu 50 Wasserstoff-Tankstellen errichten.

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