Infrastruktur: Groß, größer, Suezkanal

Ägyptens Staatspräsident al Sisi eröffnet Erweiterung der Transitstrecke.
Noch mehr Platz für große Frachter: Die Erweiterung des Suezkanals wird am 6. August feierlich eingeweiht. (Foto: CMA CGM)
Noch mehr Platz für große Frachter: Die Erweiterung des Suezkanals wird am 6. August feierlich eingeweiht. (Foto: CMA CGM)
Sandra Lehmann

Heute wird die Erweiterung des Suezkanals in einer feierlichen Zeremonie von Ägyptens Staatspräsident Abdel Fattah al Sisi im Beisein von 5.000 geladenen Gästen in der zukünftigen Hafenstadt Ismailia eröffnet.

Milliardenprojekt für Ägypten

265 Millionen Kubikmeter Sand, 72 Kilometer neue Strecke und 7,5 Milliarden Euro Baukosten zeigen schon rein zahlenmäßig, dass der Ausbau des Suezkanals, der vor genau einem Jahr begann, eines der größten Infrastrukturprojekte der Welt ist. Für den Bauherrn Ägypten ist es sogar die größte Investition der letzten Jahrzehnte.

Länger und breiter

Der inzwischen 150 Jahre alte Suezkanal verbindet das Rote Meer und das Mittelmeer miteinander und ermöglicht es sowohl Fracht- als auch Passagierschiffen, die Umrundung Afrikas auf dem Weg vom Nordatlantik bis zum Indischen Ozean zu vermeiden. Umfasste die Umfahrung bisher nur eine Fahrrinne, kann der Kanal durch die Erweiterung nun zusätzlich auf einer 34 Kilometer langen Parallelstrecke befahren werden. Zudem wurde die Wasserstraße auf 37 Kilometern auf das Doppelte ihrer bisherigen Breite ausgebaut.

Mehr Schiffe, in kürzerer Zeit

Die Erweiterung der größten von Menschenhand gebauten Handelsroute soll zukünftig noch mehr Schiffen in kürzerer Zeit den Transit zwischen Afrika, Asien und Europa ermöglichen und so den internationalen Handel beschleunigen. Laut Aussagen der ägyptischen Regierung ist von einer Effizienzsteigerung von 50 Prozent die Rede. Durchqueren momentan rund 50 Schiffe am Tag den Kanal, sollen es 2023 bereits 100 Sein. Für die Schifffahrtindustrie soll das Mammutprojekt aber nicht nur mehr Umschlag bringen, sondern auch die Wartezeiten deutlich verringern. Der französische Schiffsbetreiber CMA CGM, Marseille, erwartet allein auf der Nordroute eine Verringerung der Transitzeiten von 18 auf 11 Stunden.

Verdreifachung der Einnahmen erwartet

Neben der Optimierung als Transportroute soll der neue Suezkanal aber auch mehr Geld in die ägyptischen Staatskassen spülen. Während die Regierung für 2015 Einnahmen von 5,3 Milliarden US-Dollar rechnet, prognostiziert Staatschef al-Sisi mit 13,2 Milliarden US-Dollar fast das Dreifache des heutigen Volumens. Geplant sei außerdem der Ausbau der Infrastruktur entlang der erweiterten Strecke. Die ägyptischen Behörden möchten nach eigener Aussage unter anderem mehrere Häfen sowie Service-Anlaufstellen für Handelsflotten erreichten. Insgesamt sollen durch die Maßnahmen in den nächsten 15 Jahren eine Million Jobs in Ägypten entstehen.

Kritiker bezweifeln Nutzen

Während die ägyptische Regierung das Projekt als Konjunkturtreiber für die Zukunft des Landes lobt und „Ägyptens Geschenk an die Welt“ nennt, bezweifeln Logistikexperten die Wirksamkeit des Ausbaus. Wie der „Tagesspiegel“ in seiner Online Ausgabe vom 4. August meldet, gäbe es beispielsweise keine seriösen Analysen über das zu erwartenden Wachstums. Auch die Verdoppelung des Schiffsaufkommens gilt unter Experten als realitätsfern. So würde bereits heute die Maximalkapazität des Kanals nur zu 70 Prozent genutzt, während die Einnahmen gleichzeitig starken Schwankungen durch den Spritpreis, die Weltkonjunktur und das Frachtaufkommen unterliegen würden.

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