Industrie: Fünf Trends in der Logistik

Schneller, kundenorientierter, vernetzter, nachhaltiger – Lapp stellt sich für die Zukunft auf.

Die Herausforderungen der Zukunft - und wie sich der Kabelhersteller Lapp dafür aufstellt. (Foto: AdobeStock/ eyewave)
Die Herausforderungen der Zukunft - und wie sich der Kabelhersteller Lapp dafür aufstellt. (Foto: AdobeStock/ eyewave)
Melanie Wack

In der Coronakrise hat Lapp, ein Unternehmen für integrierte Kabel- und Verbindungslösungen, seinen Marktanteil gesteigert – auch dank seiner Lieferfähigkeit. Kunden erwarten, Lapp zufolge, dass selbst Zulieferer für Investitionsgüter agieren wie eine Art Amazon. Man bestellt online und schon am nächsten Tag klingelt der Paketbote. Die Lieferfähigkeit spielt für die Kunden eine immer größere Rolle, das belegen die Umfragen, die Lapp regelmäßig unternimmt, zuletzt mit 500 Kunden europaweit.

„Wer seine Logistik nicht im Griff hat und seine Kunden nicht auf den Punkt mit Ware versorgen kann, wird langfristig nicht überleben“, prophezeit Boris Katic, COO für die Region LA EMEA bei Lapp.

Egal wen man wo fragt, das Thema Logistik landet immer unter den Top 5, so die Lapp-Angaben. Die Umfragen sowie Erfahrungen im direkten Kundenkontakt zeigen, dass die Ansprüche der Kunden steigen und sich verändern. Es zeichnen sich einige Trends in der Logistik ab, die erhebliche Auswirkungen auf die Unternehmen haben werden. Hier die fünf wichtigsten Trends.

  1. Schnelligkeit ist (nicht) alles: Lapp wirbt damit, viele Standardprodukte in vielen Gegenden der Welt innerhalb von 24 Stunden zum Kunden zu bringen. Etliche der Kunden wollen und nutzen das, aber nicht alle, so die Angaben. Was sich immer mehr zeige: Eigentlich geht es nicht um die 24 Stunden oder sonst eine definierte Zeitspanne, sondern um den „richtigen“ Lieferzeitpunkt nach Kundenwunsch. Dieser Lieferzeitpunkt unterscheide sich in den verschiedenen Vertriebskanälen erheblich. Immer mehr Kunden verlangen eine Lieferung just-in-time oder sogar just-in-sequence, wo unterschiedliche Kabel genau in der Reihenfolge auf dem Wagen sind, wie sie eingebaut werden.
  2. Unterschiedliche Vertriebskanäle brauchen unterschiedliche Logistik: Die Lieferung just-in-time ist eine Herausforderung, allerdings gut im Voraus planbar, so Lapp. Anders sieht es aus, wenn eine Maschine streikt und der Kunde so schnell wie möglich ein Ersatzkabel braucht. Das kann man nicht vorher planen. Dafür braucht es ein logistisches Fulfillment, das extrem schnell reagiert.
  3. Logistik muss in die Zukunft schauen: Das Geheimnis, warum Amazon immer so schnell ist, ist, dass der Handelsriese fast alle Produkte immer auf Lager hat, so Lapp. Das sei das Ergebnis ausgeklügelter Prognosemethoden auf Basis selbstlernender Algorithmen. Die wissen laut Lapp anhand aktueller Verkäufe und Erfahrungen aus der Vergangenheit, wer was wann voraussichtlich in der Zukunft bestellen wird und ordern rechtzeitig Nachschub ins Lager. Auch Lapp arbeitet mit Vorhersagen. Der Vertrieb erstellt eine Prognose für die kommenden Monate und die Ware wird bereits vorproduziert oder bei Lieferanten vorbestellt.
  4. Lieferant und Kunden tauschen mehr Daten aus: Wenn ein Kunde bei Lapp ein Kabel bestellt, läuft diese Bestellung über das SAP-System in die Siemens-Steuerung im Lager in Ludwigsburg, wo das bestellte Produkt automatisch aus dem Regalplatz geholt und zum Verpacken gefahren wird. Das geht nur, wenn alle Systeme über offene Schnittstellen miteinander reden. Der Trend ist laut Lapp, dass immer mehr Händler Lapp den Zugriff auf ihre Daten und Systeme erlauben. So sieht Lapp, wenn ein Produkt bestellt wird. Fällt der Vorrat im Lager unter ein kritisches Limit, liefert Lapp es den Angaben zufolge automatisch nach, ohne dass der Händler selbst aktiv werden muss. So ist immer genügend Ware im Lager, aber auch nicht zu viel, um Platz zu sparen.
  5. Logistik wird nachhaltiger: Viele Produkte des täglichen Gebrauchs fahren tausende oder gar zehntausende Kilometer durch die Weltgeschichte, bis sie in unserem Supermarkt landen. Entsprechend hoch ist der Ressourcenverbrauch und der CO2-Fußabdruck. Heute tut Lapp nach eigener Aussage alles, um Transportwege so kurz wie möglich zu machen. Ein Kabel, das in Italien hergestellt wird und für einen Kunden in Italien bestimmt ist, wird direkt aus der Fabrik dorthin geliefert. Der gleiche Lkw fährt zudem zum Beispiel die Leitungen eines Zulieferers sowohl zu Kunden als auch zu dessen eigenen Kunden. Mit solchen Maßnahmen habe Lapp die Auslastung der Lkw von 60 auf 80 Prozent erhöht, die Transportwege seien um ein Drittel geschrumpft. Auch der Materialeinsatz erfolgt heute effizienter: Demnach hat Lapp hat bei der Verpackung die Folie im internen Verkehr durch ein Band ersetzt und nimmt Kabeltrommeln zur Wiederverwendung zum Wiederbefüllen zurück, egal von welchem noch so abgelegenen Ort.

Immer im Fluss

Das sind die wichtigsten Trends in der Logistik, die laut Lapp auch ständig im Fluss sind. So werden sich die Vertriebskanäle weiter differenzieren und die Lieferketten weiter segmentieren, was eine sehr vernetzte Digitalisierung der Lieferketten unumgänglich macht. Lapp reagiert darauf, indem es neue Lager nach Vertriebskanälen platziert und ausstattet, so das Unternehmen. Darüber hinaus gibt es jede Menge weitere Entwicklungen, auf die Unternehmen reagieren müssen.

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