Industrie 4.0: Industrielle 5G-Campusnetze sind gefragt

An über 85 Standorten in Deutschland werden derzeit industrielle 5G-Campusnetze im Frequenzbereich 3,7 bis 3,8 Gigahertz erprobt.

Das industrielle 5G befindet sich noch in der Standardisierung und wird in der Automationstechnik zur Marktreife herangeführt. (Foto: Chesky / Adobe Stock)
Das industrielle 5G befindet sich noch in der Standardisierung und wird in der Automationstechnik zur Marktreife herangeführt. (Foto: Chesky / Adobe Stock)
Therese Meitinger

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Vergabebedingungen für lokale industrielle und landwirtschaftliche Mobilfunknetze sind bereits knapp 90 Anträge bei der Bundesnetzagentur eingegangen. Das meldeten am 23. November die Industrieverbände VCI, VDA, VDMA und ZVEI in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Während die kommerzielle 5G-Technik für Endkunden schon verfügbar ist, befindet sich das industrielle 5G noch in der Standardisierung und wird in der Automationstechnik zur Marktreife herangeführt.

„Industrielle 5G-Campusnetze entfalten mit Automationstechnik komplett neue Anwendungsfelder, etwa in der flexiblen, vernetzten Produktion oder der Überwachung von Systemen. Für die Elektroindustrie sind die vielfältigen Anwendungsfelder zukunftssichernd“, so Herbert Wegmann, General Manager Digital Connectivity and Power bei der Siemens AG, Digital Industries, Process Automation und Vorsitzender im ZVEI-Lenkungskreis Industrielle Kommunikation.

An über 85 Standorten in Deutschland werden der Mitteilung zufolge derzeit industrielle 5G-Campusnetze im Frequenzbereich 3,7 bis 3,8 Gigahertz erprobt. Das zeige das große Potenzial und unterstreiche die Chance, Deutschland zu einem Leitmarkt und Leitanbieter für industrielle mobilfunkbasierte Anwendungen zu entwickeln, heißt es dort.

5G als Enabler für Echtzeitapplikationen

„Im Maschinen- und Anlagebau sind 5G Campusnetze im Zusammenspiel mit einer Edge Cloud ein wichtiger Baustein für neue technische Lösungen mobiler und stationärer Maschinen. Die hohe Sicherheit und geringe Latenzzeiten von 5G-Campusnetzen gepaart mit der Skalierbarkeit von Rechenleistung in der Cloud reduziert drastisch die Entwicklungsaufwände“, bekräftigt Ansgar Bergmann, Technology & Innovation – CTR, Project Manager CTO, KION Group/Still GmbH und Mitglied der VDMA 5G User Group.

Gerade Echtzeitapplikationen oder sonstige sehr rechenintensive Systeme, wie zum Beispiel die Bildverarbeitung oder KI-Algorithmen, profitierten hiervon.

Lokale Campusnetzwerke ermöglichen Unternehmen nach der Überzeugung der Industrieverbände die vollständige Kontrolle über die eigenen Daten, eine maßgeschneiderte Abdeckung des Firmengeländes sowie eine von bestehenden Netzwerken (wie beispielsweise WLAN) unabhängige Netzwerk-Implementierung. Damit eröffne sich ein enormes Potenzial für technologische Entwicklung und Innovation in Deutschland, so die Verbände. Die Grundlage für die Realisierung der Vision Industrie 4.0 sei damit geschaffen.

„Für die Unternehmen der Automobilindustrie ermöglichen 5G-Campusnetzwerke die Vernetzung von Anlagen und Systemen in der Produktion und schaffen somit eine neue, sehr effiziente Form der Flexibilisierung“, so Dr. Joachim Damasky, Geschäftsführer des VDA.

Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre 5G-Mobilfunknetze selbst aufzubauen und zu betreiben oder über öffentliche Netzbetreiber und die Netzausrüsterindustrie zu planen und betreiben zu lassen. Aus Sicht der Industrieverbände VCI, VDA, VDMA und ZVEI ist dieser Wettbewerb im Bereich der 5G-Netze ein wichtiger Schritt für die erfolgreiche Etablierung der 5G-Technologie in Deutschland.

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