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Industrie 4.0: Immer langsam mit der Revolution

Aachener ERP-Tage befassen sich mit der Umsetzung von Industrie 4.0.
Das parallel zu den Vorträgen stattfindende Ausstellerforum lieferte einen Überblick über den ERP-Markt. Auch hier wurde wie auf der Fachtagung zusätzlich das Thema MES präsentiert. (Foto: RWTH Aachen/David Wilms)
Das parallel zu den Vorträgen stattfindende Ausstellerforum lieferte einen Überblick über den ERP-Markt. Auch hier wurde wie auf der Fachtagung zusätzlich das Thema MES präsentiert. (Foto: RWTH Aachen/David Wilms)
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Nadine Bradl

Unter dem Motto „Planung und Regelung 4.0 – Das Zusammenwachsen von ERP und MES“ haben am 15. und 16. Juni 2016 die 23. Aachener ERP-Tage stattgefunden. Knapp 250 Teilnehmer besuchten die kombinierte Vortrags- und Ausstellungsveranstaltung und informierten sich über die zukünftigen Entwicklungen des Enterprise-Resource-Plannings (ERP), teilt der Veranstalter, das FIR an der RWTH Aachen, mit.

Verzahnung von IT-Systemen

Bisher herrsche noch Verwirrung darüber, wie die vierte industrielle Revolution realisiert werden könne, so der Veranstalter. Auf den Aachener ERP-Tagen sei nun ein Teil der Antwort gegeben worden: Durch das Zusammenwachsen von ERP und MES (Manufacturing-Execution-Systems) – konkret also durch die Verzahnung von verschiedenen IT-Systemen, um Datenflüsse und damit auch Betriebsabläufe übergangs- und reibungsfrei zu gestalten, wird der Weg bereitet.

Potenzial nutzen

Die thematische Klammer um die Veranstaltung bildeten die Impulsvorträge von Prof. Dr. Günther Schuh, Direktor des FIR, und Prof. Dr. Peter Nyhuis vom Institut für Fabrikanlagen und Logistik der Leibniz-Universität Hannover. Schuh stellte in seinem Vortrag das gestufte Vorgehen von der dritten zur vierten industriellen Revolution vor, wie es am FIR und im angegliederten Center Enterprise Resource Planning entwickelt wurde: von der Sichtbarkeit von Produktionsabläufen in den zugehörigen IT-Systemen über deren Verständlichkeit und Transparenz bis hin zu ihrer Prognostizierbarkeit und zum selbstlernenden und sich anpassenden Produktionssystem. „Wir träumen von echter Produktionsregelung – bisher steuern wir aber nur gegen eine mittelwertbasierte Planung“, sagte Schuh, „wir nutzen heute also kaum das Potenzial der bereits bestehenden IT-Systeme, da die vorhandene Datenbasis nicht ausreichend verwertet wird.“

Daten in ausreichender Qualität

Nyhuis unterstützte diese These und folgerte, dass die Funktionen bestehender IT-Systeme sich künftig kaum ändern würden, vielmehr aber die Verfahren, wie diese zum Einsatz kämen. „Fortschrittsrückmeldungen werden zukünftig nicht mehr nur im MES verarbeitet, sondern auch zur Kapazitätsplanung und sogar zur langfristigen Produktionsplanung herangezogen. Dafür müssen wir allerdings zunächst sicherstellen, dass Daten in ausreichender Qualität verfügbar sind“, sagte er.

Fachvorträge

In den sich anschließenden Fachvorträgen wurde dann erläutert, wie diese Entwicklung konkret vonstattengehen kann:

  • Transparenzsteigerung: In seinem Vortrag für die Saarschmiede GmbH Freiformschmiede demonstrierte zum Beispiel Volker Schneider, wie eine Steigerung der Transparenz über die zukünftige Kapazitätsauslastung herbeigeführt werden konnte und ging dabei auch auf Fallstricke der IT-Anwendung ein.
  • MES und ERP: Dr. Thomas Scheermesser erläuterte, wie bei SIG Combibloc GmbH ein MES in der globalen Packstofffertigung eingeführt wurde. Er bemerkte, die Einführung eines MES ohne begleitendes ERP-System sei, „als würden sie den Keller und das Erdgeschoss neu machen und das Dach offen lassen.“ Zudem sei das Training der Mitarbeiter ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor.
  • Digitalisierung: Sowohl Dr. Stefan Kozielski der Henkel AG als auch Ulrich Brandenburg von der Robert Bosch GmbH erläuterten die Digitalisierung ihrer Supply Chains und lieferten Einblicke in die betrieblichen Abläufe ihrer komplex strukturierten Unternehmen.
  • Echtzeitdaten: Ein weiterer Vortrag von Christoph P. H. Keisers, Agheera GmbH, beschrieb den Erfolgsfaktor „Echtzeitdaten in heterogenen Supply Chains“ über die systematische Nutzung von Telematikdaten in komplexen Logistikprozessen.
  • Keynotes:Abgeschlossen wurden die Vortragsstränge durch zwei weitere Keynotes von Dr. Armin Pfoh von der Tüv Süd AG über „Safety und Security in der Industrie 4.0“ sowie von Professor Sabina Jeschke vom Institutscluster IMA/ZLW & IfU über die Einflüsse von künstlicher Intelligenz auf die zukünftige Produktionswelt.

Die nächsten Aachener ERP-Tage finden vom 20. bis zum 22. Juni 2017 statt.

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