HANNOVER MESSE Digital Days: Treibhausgase mit Green Tech massiv reduzieren

Grüne Technologien ermöglichen laut einer Studie auch dramatische Emissionseinsparungen im Transportsektor.

VDMA-Präsident bei der Vorstellung der Studie auf den HANNOVER MESSE Digital Days 2020. (Foto: Screenshot / Deutsche Messe)
VDMA-Präsident bei der Vorstellung der Studie auf den HANNOVER MESSE Digital Days 2020. (Foto: Screenshot / Deutsche Messe)
Therese Meitinger

Wenn Maschinenhersteller ihren Kunden aus der Industrie grüne Technologien anbieten und den Umstieg voranbringen, lassen sich die 35 Gigatonnen (Gt) an Emissionen in der Industrie um bis 86 Prozent oder umgerechnet 30 Gigatonnen senken. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „For Machinery Makers, Green Tech Creates Green Business“, die VDMA-Präsident Carl Martin Welcker und Markus Lorenz, Managing Director der Boston Consulting Group, am 15. Juli auf dem Web-Kongress HANNOVER MESSE Digital Days gemeinsam vorstellten. Die Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) hat dafür gemeinsam mit dem Maschinenbauverband VDMA die Treibhausgasemissionen von 14 Sektoren ermittelt und analysiert, wie sich diese durch den Einsatz modernster Technologien reduzieren lassen.

„Aufgrund der engen Verflechtung von Maschinen- und Anlagenbau mit nahezu allen Industrien, bieten die Entwicklung und das Angebot solcher klimafreundlichen Technologien wirtschaftlich und ökologisch ein großes Marktpotenzial von über 300 Milliarden Euro pro Jahr“, sagte Studienautor Markus Lorenz im Umfeld des Web-Kongress‘. 35 Gigatonnen CO2-Äquivalente (CO2e) erzeugen die OECD und BRIC-Staaten der Studie zufolge jedes Jahr. Der Maschinenbau selbst emittiert davon zwar nur 0,2 Gigatonnen, er beeinflusst über seine Technologien allerdings die Treibhausgasemissionen so gut wie aller Industrien – vom Energiesektor bis zur Landwirtschaft. Am meisten Treibhausgas entsteht durch die Fertigung (16,7 Gigatonnen), doch auch der Transportbereich zählt mit 5,7 Gigatonnen zu den Großemittenten.

„Viele der Technologien, die Einsparungen ermöglichen, sind bereits vorhanden. Jetzt kommt es darauf an, sie marktreif zu machen“, sagte Carl Martin Welcker auf den HANNOVER MESSE Digital Days. „Dafür braucht es eine breite Forschungsförderung und klare, branchenübergreifende Ziele, die EU-weit einheitlich sind.“ Er forderte das Engagement der Politik, um etwa einen globalen Emissionshandel sicherzustellen.  

Wasserstoffwirtschaft als enormer Hebel

Die Studie hat fünf technische Hebel identifiziert, mit denen der Maschinenbau nach Maßgabe der Kooperationspartner den ökologischen Fußabdruck seiner Kunden verbessern kann. Jeder dieser Hebel beinhaltet eine breite Palette an Einzeltechnologien für die Unternehmen. „Bereits heute liefern Maschinen- und Anlagenbauer grüne Investitionsgüter“, erklärte Lorenz. Zu ihnen zähle etwa die Energiewirtschaft, die von Wind- und Wasserkraft profitierte. Durch eine flächendeckende Verbreitung und Nutzung dieser heute wirtschaftlichen Technologien könnten der Studie zufolge 13 Gigatonnen CO2e oder 37 Prozent des Gesamtausstoßes reduziert werden.

Weitere Hebel werden laut den Studienautoren erst in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen: Verfahren zur Herstellung umweltfreundlicher Kraftstoffe, wie Wasserstoff und seiner Derivate, oder zur Abscheidung und Speicherung von CO2 in der Industrieproduktion sind technisch noch nicht skaliert und damit unter den aktuellen Marktbedingungen noch nicht wirtschaftlich. Allein durch die Perfektionierung dieser Technologien können der Studie zufolge weitere 17 Gigatonnen oder 49 Prozent der aktuellen Treibhausgasemissionen vermieden werden.

„Insbesondere die Wasserstoffwirtschaft, mit ihrem großen Potenzial etwa in der Stahlerzeugung, mit Herstellungsprozessen für Brennstoffzellen im industriellen Maßstab, der Elektrolyse oder Verflüssigung, bietet hier viele Möglichkeiten, um grüne Technologien mit positiven Umweltaspekten zu verknüpfen“, sagte Lorenz.

Die Reduzierung der weltweiten Treibhausgasemissionen gilt als alternativlos, um die Klimaerwärmung zu stoppen. Für den Maschinen- und Anlagenbau sehen die Studienautoren eine große Chance. Durch den Umstieg auf grüne Technologien entstehe ein Marktpotenzial von über 300 Milliarden Euro pro Jahr. Das entspricht zwölf bis 15 Prozent des derzeitigen Gesamtumsatzes in der Branche und summiert sich bis 2050 auf etwa zehn Billionen Euro.

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