HANNOVER MESSE Digital Days 2020: Die Digitalisierung nach Corona

In der Eröffnungsveranstaltung des Web-Kongress, der vom 14. bis 15. Juli stattfindet, stehen unter anderem flexible, digitale und globale Lieferketten im Fokus.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei der Eröffnung der HANNOVER MESSE Digital Days. (Foto: Deutsche Messe / Screenshot)
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei der Eröffnung der HANNOVER MESSE Digital Days. (Foto: Deutsche Messe / Screenshot)
Therese Meitinger

„Forward to the new – neue Chancen für den Fortschritt“ war die Eröffnungsveranstaltung der HANNOVER MESSE Digital Days am 14. Juli überschrieben. Die Zukunft stand dabei deutlich unter dem Eindruck der Coronakrise und den in unterschiedlichen Unternehmen gewonnen Learnings: Die Potenziale daraus wollten alle Diskussionsteilnehmer zur Weiterschreibung industrieller und gesellschaftlicher Großtrends nutzen; doch die Akzente der unterschiedlichen Redner variierten.

„Wir glauben weiter an analoge Messen“, sagte Gastgeber Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG, zum Auftakt der Online-Konferenz mit mehr als 200 Sprechern und 160 geplanten Live-Schalten. Doch dass in diesem Jahr – bedingt durch die Pandemie – die physische HANNOVER MESSE entfallen musste, wirkt sich auf deren nächste Ausgabe aus. Schließlich soll 2021 die Messe vor Ort um Angebote aus dem Netz ergänzt werden.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier unterstrich, die Coronakrise biete auch eine Chance, den digitalen Anschluss zu schaffen. „Die deutsche Brand in der Welt in die eines hochentwickelten Industrielandes“, beschrieb er. Diesen Anspruch gelte es in einer Mischung aus staatlicher Unterstützung und unternehmerischer Eigeninitiative aufrechtzuerhalten und mithilfe digitaler Potenziale weiter auszudifferenzieren.

„Die Globalisierung darf nicht zurückdreht werden. Sie ist das Herzstück des wirtschaftlichen Erfolgs“, gab er zugleich zu bedenken.

Gobalisierung: Erfolgsgarant oder Auslaufmodell?

BDI-Präsident Prof. Dieter Kempf vertrat die Ansicht, dass die Bundesregierung in der Coronakrise zwar viele richtige Impulse gesetzt habe, doch es auch einen Plan für den geordneten Rückzug des Staates brauche. Perspektivisch seien der deutsche Ingenieursgeist und die bewährte soziale Marktwirtschaft gefragt.

„Die Globalisierung hat ihren Höhepunkt überschritten“, sagte Oliver D. Jung, Vorstandsvorsitzender der Festo-Gruppe. Verschiedene Teile der Wertschöpfung würden künftig lokaler verortet. „Doch gerade vor diesem Hintergrund brauchen wir in Deutschland einen Automatisierungsschub, um konkurrenzfähig zu bleiben.“

Sowohl Klaus Helmrich, CEO Digital Industries von Siemens, als auch Rolf Najork, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Robert Bosch GmbH, unterstrichen die im Zuge der Pandemie deutlich gewordene Notwendigkeit zur flexiblen Produktion. Diese habe sich etwa angesichts der je nach Branche stark unterschiedlichen Nachfragevolumen gezeigt, argumentierte Helmrich. „Je mehr Prozesse digitalisiert werden, desto leichter fällt es, die Produktion flexibel anzupassen“, so Helmrich weiter. „Die Fabrik der Zukunft muss jederzeit neue Wertschöpfung ermöglichen“, sagte Rolf Najork. Die durchgängige Nachverfolgbarkeit, die die Digitalisierung ermögliche, sei zudem eine Voraussetzung, um die künftig unerlässlichen Nachhaltigkeitserfordernisse zu erfüllen.  

Digitalisierung in der Ausbildung verankern       

SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig stellte zunehmende Bedeutung der Resilienz heraus, die seiner Ansicht nach auf Agilität und Digitalisierung aufsetzt. Wichtig sei jedoch im Auge zu behalten, dass einzelne Unternehmen die Herausforderung der digitalen Transformation nicht stemmen könnten – hier gelte es stärker als bisher in Kooperationen und Ökosystemen zu denken.

„Die Digitalisierung muss in der Ausbildung verankert werden“, forderte Saueressig im Hinblick auf einen sich verändernden Arbeitsmarkt. „Hier müssen wir auch die breite Masse mitnehmen.“

Atos-CEO Ursula Morgenstern und Prof. Friedhelm Loh, Inhaber und Vorstandsvorsitzender der Friedhelm Loh Group, berichteten beide über das Großprojekt GAIA-X, eine europäische cloudbasierte Daten-Infrastruktur, in die beide Unternehmen involviert sind.

„Wenn man die ganze Lieferkette betrachtet, stößt die Digitalisierung derzeit noch an ihre Grenzen“, sagte Morgenstern. „Hier ist die volle Datentransparenz notwendig, die sich in einem Ökosystem aber nur gewährleisten lässt, wenn einzelne Teilnehmer Datensouveränität erhalten.“

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