HANNOVER MESSE 2024: Scholz unterstreicht Energiesicherheit zum Start

Automatisierer Schunck wurde im Rahmen der Eröffnung für das KI-basierte „2D Grasping Kit“ mit dem „HERMES AWARD 2024“ ausgezeichnet.

Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Eröffnungszeremonie der HANNOVER MESSE am 21. April. (Bild: Deutsche Messe / Screenshot)
Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Eröffnungszeremonie der HANNOVER MESSE am 21. April. (Bild: Deutsche Messe / Screenshot)
Therese Meitinger

Bundeskanzler Olaf Scholz hat die HANNOVER MESSE am Vorabend des ersten Messetags im Rahmen einer Zeremonie eröffnet. Die Industriemesse, die in diesem Jahr nach Veranstalterangaben mehr als 4.000 Aussteller aus rund 60 Ländern aufweist, dauert vom 22. bis 26. April und steht unter dem Motto „Energizing a Sustainable Industry“. Scholz griff das Thema in seiner Rede auf, indem er über die zentrale Rolle der Energiesicherheit für die Industrie sprach. Diese abzusichern, sei im vergangenen Jahr zunehmend besser gelungen – trotz der enormen Herausforderung, die von Russland im Zuge des Ukrainekriegs eingestellten Gaslieferungen zu kompensieren. Dies sei unter anderem Norwegen zu verdanken, dem Gastland der diesjährigen HANNOVER MESSE, das seine Gaslieferungen an Deutschland im Zuge des Ukrainekriegs deutlich erhöht habe.

„Danke für die Unterstützung Norwegens nach der Kappung der russischen Gasversorgung. Norwegen hat seiner Lieferungen in der Zwischenzeit sogar noch gesteigert und wird auch in Zukunft der wichtigste Gaslieferant für Deutschland sein“, sagte Scholz in Richtung des ebenfalls anwesenenden norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre.

Auch nach dem Ende des fossilen Zeitalters wolle man mit dem europäischen Land eng zusammenarbeiten, plane etwa ab 20230 Wasserstofflieferungen und Kooperationen hinsichtlich der Kohlenstoffspeichertechnologie CCS, in der Norwegen führend ist.

„Ohne CCS ist keine Klimaneutralität möglich“, zeigte sich Premierminister Jonas Gahr Støre in seiner Rede auf der Eröffnungszeremonie überzeugt. Und später: „Norwegen will sich am Aufbau einer europäischen Wasserstoffwirtschaft beteiligen.“

Gahr Støre ging außerdem auf die komplexen deutsch-norwegischen Handelsbeziehungen ein, schon im 17. Jahrhundert habe es im Bergbauwesen eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern gegeben. Aktuell sei Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Bundesrepublik.

Europäische Wettbewerbsfähigkeit stärken

Mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war in diesem Jahr erstmals auch eine EU-Repräsentantin Teil der der Eröffnungszeremonie der Industriemesse. Sie stellte die Wettbewerbsfähigkeit Europas in den Vordergrund ihrer Rede.

„Europa ist eine Erfolgsgeschichte, aber das darf den Blick nicht verstellen für unsere Verwundbarkeit“, so von der Leyen.

Europa müsse einfacher, schneller und günstiger werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, postulierte sie. Dazu müsse die Union unter anderem Unternehmen einen einfacheren Zugang zu Kapital ermöglichen, die eigene Unabhängigkeit stärken, die legale Migration von Fachkräften vereinfachen und die Digitalisiierung vorantreiben.

Ein weiteres Hauptthema der diesjährigen HANNOVER MESSE kam bei der Verleihung des Industriepreises „HERMES AWARD“ zum Tragen. In diesem Jahr wurde das Unternehmen Schunk (Halle 6, Stand A26) im Rahmen der feierlichen Eröffnung für ein KI-basiertes Projekt geehrt. Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, übergab den Preis im Beisein des Bundeskanzlers Olaf Scholz sowie des norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre.

Eine hochkarätig besetzte Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, hat das Projekt „2D Grasping-Kit“ ausgezeichnet. Dieses Applikations-Kit besteht aus einer Kamera mit Objektiv, einem Industrie-PC, einer KI-Software sowie einem applikationsspezifischen Greifer. Die Innovation stecke in der generischen, KI-basierten Modellierung von Bauteilvarianzen und den Transfer auf einen kleineren Trainingsdatensatz, was Anlernzeiten für die Erkennung mindere, so die Jury. Die intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche ermögliche die prozesssichere Handhabung verschiedener, zufällig angeordneter Teile von einem Fließband, Tray oder Bereitstellungstisch – auch bei sich verändernden Licht-, Farb- oder Hintergrundverhältnissen. Damit lassen sich wiederkehrende Sortier- oder Logistikaufgaben mit wenig Aufwand automatisieren.

„In der Automatisierung liegt die Zukunft der Versorgung von Menschen und Industrie in unserem Land. Nur mit nachhaltigen Innovationen gerade für Produktion und Logistik können wir die ökonomischen und gesellschaftlichen Herausforderungen von morgen erfolgreich meistern“, so Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka. „Aus Sicht der Jury war bei der Entscheidung zur Prämierung des 2D Grasping-Kit neben der leichten Handhabung insbesondere auch die Robustheit der Entwicklung für viele der anstehenden Automatisierungslösungen maßgeblich. Im Namen der gesamten Jury gratuliere ich herzlich zur Auszeichnung mit dem HERMES AWARD 2024!“