Handel: Vielen Modeanbietern droht 2021 die Pleite

Laut Euler Hermes könnte das kommende Frühjahr zur Zerreißprobe für die Fashionindustrie werden.

Wer unter den Fashionhändlern ein Ominichannel-Konzept verfolgt, kommt laut Euler Hermes besser durch die Krise. Trotzdem könnte vielen Modehändlern 2021 die Pleite drohen. (Symbolbild: Montri/Fotolia)
Wer unter den Fashionhändlern ein Ominichannel-Konzept verfolgt, kommt laut Euler Hermes besser durch die Krise. Trotzdem könnte vielen Modehändlern 2021 die Pleite drohen. (Symbolbild: Montri/Fotolia)
Sandra Lehmann

Das Jahr 2020 war im Modebereich vor allem durch die Insolvenzen großer Fashionanbieter geprägt. Das geht aus einer Erhebung des Versicherungsunternehmens Euler Hermes hervor, die am 11. November veröffentlicht wurde.

„Insgesamt sind acht große textile Einzelhändler in den ersten neun Monaten des Jahres in die Insolvenz geschlittert“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das sind fünf mehr als im Vorjahreszeitraum, was einer Zunahme um rund 166 Prozent entspricht. Auch im Non-Food Einzelhandelssektor gab es 2020 vier weitere große Pleiten. Dies ist insofern besonders besorgniserregend, als dass es dem bisherigen Insolvenztrend in Deutschland entgegenläuft, der zuletzt noch eine deutlich rückläufige Entwicklung bei den Fallzahlen zeigte. Neben der Liquidität wird insbesondere eine maßgeschneiderte Multichannel-Strategie immer stärker zum Erfolgsfaktor. Wer auch online kann, kommt jetzt besser durch die Krise“, so der Experte in einer Pressemeldung.

Corona führt zu Milliardenverlusten

Zurückzuführen seien die Unternehmenspleiten vor allem auf die Coronapandemie und den damit verbundenen ersten Lockdown im Frühjahr, der in der Fashionindustrie zu Milliardenverlusten geführt hätte.

„Für 2020 erwarten wir Umsatzverluste von rund 12 Milliarden Euro im Bekleidungseinzelhandel“, sagt Aurélien Duthoit, Senior Branchenanalyst bei Euler Hermes. „Nach dem drastischen Einbruch während des Lockdowns im März und April haben sich die Umsätze zwar sukzessive erholt, allerdings liegen sie mit minus 26 Prozent von Januar bis September deutlich unter dem Vorjahresniveau. Unterschiede zwischen Bekleidung und Accessoires gibt es dabei kaum. Geht man für den restlichen Jahresverlauf davon aus, dass der Umsatz weiterhin rund zehn Prozent unter Vorjahresniveau bleibt, ergibt sich für das Gesamtjahr ein Minus beim Umsatz von etwa 19 Prozent, das entspricht etwa 12 Milliarden Euro.“

Auf Basis dieser Berechnungen geht Euler Hermes davon aus, dass auch im kommenden Jahr im Modehandel mit weiteren Insolvenzen zu rechnen ist. Insbesondere das Frühjahr könnte 2021 zum Prüfstein für viele Unternehmen werden.

„Die traditionell eher umsatzschwache ‚Saure-Gurken-Zeit‘ von Januar bis März ist lang und wird für einige Unternehmen zu einer Zerreißprobe“, sagt Van het Hof. „Die Bonität der Branche ist seit Jahren unterdurchschnittlich. 2020 war für viele ein verlorenes Jahr und sie setzen jetzt auf 2021. Aber nur wer jetzt wenigstens im Weihnachtsgeschäft ein kleines Polster anlegen kann, wird sich bis zum Frühjahrsgeschäft über Wasser halten können. Und auch Weihnachtsgeschenke werden in diesem Jahr voraussichtlich eher online gekauft als im Laden. Es wird also weiterhin Insolvenzen geben – aber auch einige Unternehmen, die sich mit dem Weihnachtsgeschäft in eine gute Ausgangssituation für das kommende Jahr bringen können.“

Zu den Krisengewinnern in Deutschland gehört aus Sicht von Euler Hermes unter anderem der Onlinehandel, der von Januar bis August 2020 ein Umsatzplus von 22 Prozent habe erwirtschaften können. Zwar habe sich der rasante Zuwachs seit Juni mit den Lockerungen etwas verlangsamt, allerdings dürften die Umsätze im Gesamtjahr 2020 um satte 18 Prozent zulegen, im Vergleich zu acht Prozent im Jahr 2019. Die Aussichten im E-Commerce sind Euler Hermes zufolge auch für 2021 gut. Zwar erwarten die Experten kein erneutes Rekordjahr wie 2020, aber mit einem Umsatzwachstum von rund zehn Prozent dürfte der Onlinehandel auch im kommenden Jahr deutlich über dem Langzeitdurchschnitt von sieben bis acht Prozent liegen.

„Viele Verbraucher haben in diesem Jahr ihre Konsumgewohnheiten drastisch verändert“, sagt Duthoit. „Auch vorher nicht online-affine Verbraucher kaufen plötzlich verstärkt im Netz. Wenn sie dort zufrieden sind – und die Onlinehändler tun alles dafür, dass das der Fall ist – könnten sie eventuell für den stationären Handel nachhaltig verloren sein. Dafür müssen die Einzelhändler in Zukunft passende Konzepte entwickeln, um sie wieder zurück zu locken.“