Halbleiter: Wie die Logistik Engpässe vermeiden helfen kann

DHL hat in einer Studie vier wesentliche Ansätze identifiziert, mit denen Unternehmen ihre Lieferketten zukunftssicher machen können.

Halbleiterhersteller bauen ihre Produktionskapazitäten aus, um die Lieferketten abzusichern und die wachsende Chipnachfrage zu bedienen. (Bild: DHL)
Halbleiterhersteller bauen ihre Produktionskapazitäten aus, um die Lieferketten abzusichern und die wachsende Chipnachfrage zu bedienen. (Bild: DHL)
Therese Meitinger

Vor dem Hintergrund der jüngsten Halbleiterengpässe hat Logistikdienstleister DHL am 17. November einen Bericht mit dem Titel „Resilience of the Semiconductor Supply Chain“ (Resilienz der Halbleiterlieferkette) veröffentlicht. Für den Bericht wurden einer Pressemitteilung zufolge Gespräche mit Supply Chain Managern aus unterschiedlichen Branchen geführt, um herauszufinden, in welchen Bereichen Unternehmen ihre Halbleiterlieferketten anpassen, um diese weniger störanfällig zu machen und ihre Flexibilität zu steigern. Vier Themen kristallisierten sich laut DHL heraus: beschleunigte Digitalisierung, intensivere Kooperation und Kollaboration, robuste Produkt- und Bestandsstrategien sowie Nachhaltigkeit. Darüber hinaus zeige der Bericht Möglichkeiten für Logistikanbieter auf, Unternehmen bei der Optimierung ihrer Supply-Chain-Resilienz zu unterstützen, heißt es.

„Der Bedarf an Halbleitern wird weiter zunehmen, während das Marktumfeld in Bewegung bleibt. Daher brauchen wir Lieferketten, die sowohl stabil als auch agil sind, um die weltweiten Warenströme am Laufen zu halten. Als größtes Logistikunternehmen der Welt sind wir entlang der gesamten Lieferkette tätig“, sagt Alexander Gunde, der bei DHL Customer Solutions and Innovations für den Technology Sector zuständig ist.

Zentral für neue Halbleiterfabriken

Nachdem Lieferkettenstörungen 2020 und 2021 zu Umsatzeinbußen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar weltweit geführt haben, erwartet Deloitte, dass Unternehmen der Halbleiterindustrie ihre Investitionen verdoppeln. 2022 sollen sie nach Einschätzung des Beratungsunternehmens 99 Milliarden US-Dollar ausgeben, um ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen und die wachsende Nachfrage zu bedienen. Parallel laufende Anlagenbauprojekte in mehreren Regionen stoßen auf Schwierigkeiten bei der frist- und budgetgerechten Lieferung von Produkten. Logistikunternehmen können der Halbleiterindustrie bei der Koordination komplexer Abläufe wie einer parallelen Lieferung, Einrichtung und Wartung von Anlagen und Maschinen aus verschiedenen Quellen helfen.

Anhand von Gesprächen mit Supply Chain Managern aus verschiedenen Branchen hat DHL vier zentrale Ansätze identifiziert, die Unternehmen helfen können, ihre Resilienzziele zu erreichen:

  • Digitalisierung: Zeitnahe, detaillierte Daten zu Sendungen, Beständen, Transportmitteln und Zulieferern sorgen für die nötige Transparenz in der Halbleiterlieferkette und liefern wertvolle Erkenntnisse. Datenanalysen verbessern die operative Effizienz sowie Entscheidungsprozesse. Analysetools können Logistikprozesse unterstützen, indem sie Transportabläufe und Lagerbetrieb transparenter machen und den Unternehmen eine ganzheitliche Sicht der Lieferkette ermöglichen.
  • Kooperation und Kollaboration: Engpässe bei den Transportkapazitäten und der Versorgung mit Investitionsgütern in der Halbleiterlieferkette lassen sich am besten gemeinsam mit Logistikanbietern angehen. Mit der Ausweitung dieser Partnerschaften entstehen weltweit integrierte und zentral gesteuerte Netzwerke, die die Resilienz erhöhen.
  • Robuste Produkt- und Bestandsstrategie: Die Umstellung auf zusätzliche Reservebestände, flexiblere Fulfillment-Netzwerke und einfachere Produktlinien in der Halbleiterlieferkette erfordert eine gezielte Unterstützung. Logistikanbieter können zum Beispiel zusätzliche Lagerkapazität, neue Standorte für die Lagerhaltung und Datenanalysen zu Lagerbeständen bereitstellen.
  • Nachhaltigkeit: Die Unternehmen konzentrieren sich darauf, ihre Umweltauswirkungen zu minimieren und zugleich die Resilienz der Halbleiterlieferkette zu maximieren, während Logistikanbieter Daten zu den Emissionen aus Transport und Lagerhaltung bereitstellen können. Sie können Ladungen, Routenführung und Transportlösungen optimieren, nachhaltige Technologien wie Elektro-Lkw und alternative Kraftstoffe einsetzen sowie bei der Entwicklung von Initiativen für geschlossene Logistikkreisläufe und die Kreislaufwirtschaft helfen.