Halbleiter-Ökosystem: Intel investiert 17 Milliarden Euro in Chip-Fabriken in Magdeburg

Das Investment ist Teil eines europäischen Halbleiter-Ökosystems, das Intel in den nächsten Jahren aufbauen will.

Für den Baustart der Halbleiterfabriken in Magdeburg ist die erste Jahreshälfte 2023 vorgesehen. (Rendering: Intel)
Für den Baustart der Halbleiterfabriken in Magdeburg ist die erste Jahreshälfte 2023 vorgesehen. (Rendering: Intel)
Therese Meitinger

Intel hat am 15. März die erste Phase seiner Pläne bekannt gegeben, in den kommenden zehn Jahren bis zu 80 Milliarden Euro entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette in der EU zu investieren. Dieses soll sich dem US-amerikanischen Softwareunternehmen zufolge von der Forschung und Entwicklung (F&E) über die Fertigung bis hin zum hochmodernen „Packaging“ erstrecken. Intels Ankündigung schließt eine geplante Investition in Höhe von zunächst 17 Milliarden Euro für den Bau von zwei Halbleiterfabriken in Magdeburg ein.

Auf einer Online-Pressekonferenz, die aus dem Intel-Museum in Santa Clara (Kalifornien) übertragen wurde, sprach Intel-CEO Pat Gelsinger von einer „silicon junction“, einem Silikon-Knotenpunkt, der in Magdeburg entstehen soll. Diesen wollte er gleichermaßen als Startpunkt für das geplante Chip-Ökosystem sowie auch als Meilenstein in Intels Firmengeschichte verstanden wissen, die ganz im Zeichen von Halbleitern stehe.

Zentrale Rolle des EU Chips Act

Darüber hinaus plant das Unternehmen nach Eigenangaben, ein neues Forschungs-, Entwicklungs- und Designzentrum in Frankreich zu errichten sowie seine Kapazitäten in den Bereichen F&E, Fertigung, Auftragsfertigung (Foundry) und Backend-Fertigung in Irland, Italien, Polen und Spanien weiter auszubauen. Mit diesen Investitionen will Intel nach eigenem Bekunden ein europäisches Chip-Ökosystem und eine ausgewogenere und widerstandsfähigere europäische Lieferkette aufbauen helfen.

„Die von uns geplanten Investitionen sind ein wichtiger Schritt sowohl für Intel als auch für die EU. Der ‚EU Chips Act‘ ermöglicht es der Privatwirtschaft und öffentlichen Hand, gemeinsam Europas Position im Halbleitersektor signifikant zu stärken“, sagte Gelsinger bei der Vorstellung der Pläne.

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die ein Grußwort sprach, unterstrich den Stellenwert der Gesetzesinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 20 Prozent der weltweiten Halbleiterproduktion in der Europäischen Union zu generieren.  

Produktionskapazitäten in Europa ausbauen

Intels Investitionsplan fokussiert sich laut einer Pressemitteilung darauf, die Produktionskapazitäten des Unternehmens in Europa signifikant auszubauen und so zu einem ausgewogeneren globalen Halbleitermarkt beizutragen. Daher plane man in einer ersten Phase, zwei hochmoderne Halbleiterfabriken in Magdeburg zu errichten, so der US-Konzern. Die Planungen für die beiden Fabriken begännen unmittelbar. Der Baubeginn soll voraussichtlich in die erste Jahreshälfte 2023 fallen, vorbehaltlich der Beihilfengenehmigung durch die EU-Kommission und der Bewilligung der Förderung durch die deutschen Behörden.

Mit dem für 2027 geplanten Produktionsstart will Intel als Teil seiner Firmenstrategie „IDM 2.0 (Integrated Device Manufacturer 2.0)“ Chips mit Transistortechnologien herstellen und die Nachfrage von Foundry-Kunden bedienen. Mit einer geplanten Anfangsinvestition von 17 Milliarden Euro will Intel voraussichtlich 7.000 Personen im Baugewerbe beschäftigen sowie dauerhaft 3.000 Hightech-Arbeitsplätze bei Intel schaffen.

Intel plant außerdem, den Fertigungsstandort in Leixlip (Irland) weiter auszubauen und hierfür zusätzliche zwölf Milliarden Euro zu investieren. Das Unternehmen will damit die Produktionsfläche in Irland verdoppeln, mit dem Ziel die „Intel 4“-Technologie nach Europa zu bringen und das Foundry-Angebot auszuweiten. Nach Fertigstellung würde sich Intels Investition in Irland auf insgesamt mehr als 30 Milliarden Euro belaufen.

Zusätzlich sind Intel und die italienische Staatsregierung nach Eigenangaben in Verhandlungen über eine hochmoderne Back-end-Fertigungsanlage mit einer geplanten Investition von bis zu 4,5 Milliarden Euro. Diese Pläne ergänzten die Innovations- und Wachstumsmöglichkeiten im Bereich Auftragsfertigung, die Intel mit der geplanten Übernahme von Tower Semiconductor verfolgt, so der Anbieter. Tower Semiconductor betreibt in Partnerschaft mit ST Microelectronics eine Fabrik in Agrate Brianza, Italien.

Forschungs- und Entwicklungszentrum in Frankreich

In Frankreich plant Intel, am Saclay-Plateau ein neues europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum zu errichten. Frankreich soll in Zukunft die europäische Intel-Zentrale für das Design von Chips in den Bereichen High Performance Computing (HPC) und künstlicher Intelligenz (KI) werden. Darüber hinaus plant Intel in Frankreich auch die Errichtung eines europäischen „Foundry Design Centers“, das Design-Dienstleistungen und damit verbundene Leistungen für französische, europäische und weltweite Industriepartner und Kunden erbringen soll.

Im polnischen Danzig will Intel seine Laborfläche um 50 Prozent vergrößern. Der Schwerpunkt liegt dort nach Unternehmensangaben auf der Entwicklung von Lösungen für tiefe neuronale Netze, Audio, Grafik, Rechenzentren und Cloud Computing. Die Erweiterung soll voraussichtlich im Jahr 2023 abgeschlossen sein.

In Spanien haben das Barcelona Supercomputing Center und Intel in den vergangenen zehn Jahren zusammen an der „Exascale“-Architektur gearbeitet. Nun arbeite man daran, mit der Entwicklung der „Zettascale“-Architektur über das nächste Jahrzehnt die nächste Stufe zu erreichen. Das Supercomputing-Zentrum und Intel planen die Einrichtung gemeinsamer Labore in Barcelona, um diese Entwicklung voranzutreiben.